Meinung

Bahn schlägt Kunden die Tür vor der Nase zu: Unfreundlicher geht es nicht

Der Bahnhof ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, entsprechend hat die Bahn Millionen investiert, um ihn für die Zukunft fit zu machen. Aber zu Ende gedacht ist die Planung nicht.
Gleis 2 und 3 am Mittelbahnsteig sind überdacht, an Gleis 1 warten Fahrgäste völlig schutzlos.
Gleis 2 und 3 am Mittelbahnsteig sind überdacht, an Gleis 1 direkt am Bahnhofsgebäude warten Fahrgäste völlig schutzlos. © Anne Schiebener

Seit Ende 2018 hat die DB den Halterner Bahnhof bei laufendem Betrieb komplett erneuert. Das hat rund 20 Millionen Euro und viel Geduld gekostet, die Sanierung war allerdings nach leidigen Diskussionen um eine Barrierefreiheit auch dringend notwendig.

Nicht nur in die Infrastruktur, auch in das prägnante Bahnhofsgebäude hat die Bahn gleich mit investiert. Es ist außen schön anzusehen, innen aber leider tot. Der Bahnhof ist in Betrieb, jedoch ohne Schalter, ohne Personal und ohne Service. Alles dem Gewinnmaximierungsprogramm zum Opfer gefallen. Wie so andere Dinge, die jetzt im Alltag besonders auffallen und an einem guten Dienstleister zweifeln lassen.

Warum hat die Bahn beispielsweise Gleis 1 so stiefmütterlich vernachlässigt? Es fehlen Bänke, aber vor allem fehlt wartenden Fahrgästen ein Dach über ihren Köpfen. Das ist eine Zumutung an einem gut frequentierten Bahnhaltepunkt, vor allem bei schlechtem Wetter und angesichts der üblichen Zugverspätungen.

Abends ab 20 Uhr schließt man Bahnkunden die Tür der schützenden Bahnhofshalle vor der Nase zu und lässt sie im Regen stehen. Unfeiner geht es nicht. Da klingt es höchst absurd, wenn von offizieller Seite bei der Eröffnung nach dem Umbau gesagt wird, Bahnhöfe müssten zu guten Orten für Menschen werden. Was bitte spricht gegen eine spätere Schließung um 22 Uhr? Wenn letztlich unter Polizeieinsatz Einsicht erzwungen wird, dann ist die viel zitierte Kundenfreundlichkeit der Bahn dahin. Ein denkwürdiger Zustand.

Der Abend in Recklinghausen

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