Besichtigungen nur in kleinen Gruppen

Alles anders: Keine Menschentraube vor dem diesjährigen Früchteteppich

Menschentrauben oder Busse, die extra nach Langenbochum fahren, sieht man nicht beim Früchteteppich 2021 in St. Maria Heimsuchung. Dennoch gibt es bei der Eröffnung nur strahlende Gesichter.
Das Gesicht der auf dem rechten Teil der Früchteteppich-Bibel abgebildeten Apostelin Junia besteht aus Zucker. © Oliver Prause

Horst Risse kommt die Szenerie seltsam vor: „Was ist denn hier los?“, wundert sich der Rentner darüber, dass am Sonntag (26.9.) rund um die Kirche St. Maria Heimsuchung in Langenbochum eben nichts los ist. Oder zumindest längst nicht so viel wie kurz vor den vergangenen Erntedankfesten. Denn das bedeutet für die Gemeinde St. Martinus und ihre Gäste traditionell, dass der über die Stadtgrenzen Hertens hinaus bekannte Früchteteppich enthüllt wird. Auch Helga Risse wundert sich: „Sonst bekam man keinen Parkplatz mehr, heute ist alles leer.“ Ihr Mann ergänzt: „Ich habe früher selbst die Busse eingewiesen, die sogar von weit her kamen.“

Nur kleine Gruppen bei den Besichtigungen

Aber früher gab es eben noch keine Corona-Pandemie, die auch für die Macher und Gäste des Früchteteppichs Konsequenzen hat. 2020 musste die Veranstaltung komplett ausfallen, und diesmal geht ohne klare Regelungen im Kirchensaal nichts. Nur kleine Personengruppen sind zugelassen, ihnen steht außerdem nur ein rund 15-minütiges Zeitfenster zur Besichtigung zur Verfügung.

Trotzdem sind nicht nur die Risses dankbar dafür, dass überhaupt etwas geht.

In ihrer Gruppe ist auch Rabea Viermann. Die junge Frau hat selbst am Früchteteppich mitgewirkt und Freunde zur Besichtigung mitgebracht. Das Kunstwerk setzten sie und acht weitere Mitarbeiterinnen aus insgesamt 50 Bestandteilen zusammen. Darunter sind traditionelle „Zutaten“ wie Brot und Weintrauben oder Kohle, die die Verbindung zum Bergbau in der Region symbolisieren soll. Aber auch neue Bausteine – wie etwa Zucker, aus dem das Gesicht der Apostelin Junia besteht, die jahrelang unter männlichem Namen fälschlicherweise als Apostel dargestellt wurde.

Früchteteppich-Motto passt perfekt

Das Motto „Es geht auch anders“ passt perfekt in die Weltlage. Aber es bezieht sich auch auf strittige Fragen in der katholischen Kirche. „Wie die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften oder die Rolle der Frau“, wie Ulrike Häusner von der Gemeinde St. Martinus den Gruppen in einem Info-Vortrag erklärt.

Ulrike Häusner (l.) von der Gemeinde St. Martinus, zu der die Kirche St. Maria Heimsuchung gehört, informierte die Gruppen bei der Eröffnung des Früchteteppichs 2021 über dessen Hintergründe.
Ulrike Häusner (l.) von der Gemeinde St. Martinus, zu der die Kirche St. Maria Heimsuchung gehört, informierte die Gruppen bei der Eröffnung des Früchteteppichs 2021 über dessen Hintergründe. © Oliver Prause © Oliver Prause

Derweil kontrolliert Rabeas Mutter Andrea Viermann am Eingang bei jedem Gast die Einhaltung der 3G-Regeln (geimpft, genesen oder aktuell getestet). Es hat eben alles in diesem Jahr seine Ordnung. Die Menschen mussten aber so lange auf die Neuauflage warten, dass alle die Prozedur mit Engelsgeduld absolvieren.

Noch bis einschließlich 3. Oktober kann der Früchteteppich besichtigt werden. Um längere Wartezeiten am Eingang zu vermeiden, wird empfohlen, sich vorab unter Tel. 02366/99810 im Gemeindebüro oder im Internet anzumelden: www.stmartinus.de

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