Viele „Boosterimpfungen“ für Risikopatienten

Aus für Impfzentren: Hertener Ärzte sind für Herausforderung gerüstet

In Recklinghausen hat das Impfzentrum nun seine Pforten geschlossen. Droht wieder ein Ansturm von Impfwilligen auf die Arztpraxen? Wir haben den Chef des Hertener Praxisnetzes dazu befragt.
Viele Risikopatienten, speziell aus den höheren Altersgruppen, erhalten in den Praxen der niedergelassenen Ärzte in Herten mittlerweile schon ihre dritte Spritze gegen Corona – die sogenannte „Boosterimpfung“. © picture-alliance/dpa

Von den dynamischen Entwicklungen in der Corona-Pandemie sind allzu oft auch die Mediziner völlig überrascht worden. Die Ankündigung, dass alle Impfzentren in Nordrhein-Westfalen zum 30. September ihre Pforten schließen, kam aber bereits mit wochenlanger Vorlaufzeit. Daher sieht auch Klaus Hillebrand den nächsten Wochen und Monaten einigermaßen gelassen entgegen.

„Dass die niedergelassenen Ärzte in Sachen Corona-Impfungen nun in der Pflicht sind, stellt uns vor keine allzu großen Herausforderungen“, meint der Vorsitzende des Hertener Praxisnetzes. Man habe genug Erfahrungen sammeln können, damit Impftermine in den Praxen auch in Zukunft reibungslos ablaufen können. „Außerdem haben wir mittlerweile Zugriff auf genügend Impfstoff.“

Land NRW spart 91 Millionen Euro monatlich

Ein Umstand, von dem Hillebrand und seine Kollegen im Frühjahr und zu Beginn des Sommers nur träumen konnten: Damals kamen Impfstoff-Dosen nur sporadisch bei ihnen an. Die Ärzte mussten viele Impfwillige vertrösten oder ans Impfzentrum verweisen. Das geht nun nicht mehr: Die Recklinghäuser Einrichtung hatte am Donnerstag ihren letzten Impf-Tag. Nun werden auch auf dem Konrad-Adenauer-Platz die Zelte abgebaut. Ein Teil der landesweit 53 Impfzentren war schon seit Tagen oder gar Wochen geschlossen.

Für das Land NRW fällt damit ein großer Kostenfaktor weg. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums kosteten die Zentren pro Monat 91 Millionen Euro. Landesregierung und Kommunen betonen, dass das Ende der Zentren aber nicht das Ende der Corona-Impfungen ist.

Dass in erster Linie nur noch die niedergelassenen Ärzte impfen sollen – neben Betriebsärzten und mobilen Teams –, dürfte diese aber nicht mehr überfordern. Die Lage in den Praxen hat sich längst beruhigt, zwischendurch gab es sogar mehr Impfstoff als Interessenten. In Herten würden trotzdem glücklicherweise viele Ärzte weiter mitziehen: „Die Impfbereitschaft ist unter meinen Kollegen sehr hoch.“

Impftermin weiter vorab vereinbaren

Dennoch sollten Patienten nicht davon ausgehen, sie könnten für einen Impftermin einfach spontan reinkommen, betont Klaus Hillebrand. „Eine Anmeldung ist weiterhin nötig.“ Hertens Praxen hängen dafür am „Impfpool“. Auf der Online-Plattform lassen sich schnell Termine vereinbaren. „Innerhalb einer Woche sollte man dann schon drankommen“, sagt der Mediziner.

Ihm begegnen in seiner Praxis übrigens nur noch selten Menschen, die sich dort ihre Erstimpfung abholen wollen. Der Fokus habe sich verschoben und liege jetzt vor allem auf Zweit- und sogar schon auf Drittimpfungen – den sogenannten „Boosterimpfungen“ für die Risikogruppen.

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