Gastronomie

Der Neustart ist gelungen, doch eine Sorge bleibt

Der Lockdown ist erst wenige Wochen vorbei, in der Gastronomie hat man gerade ein bisschen aufzuatmen gewagt – doch wegen steigender Infektionszahlen wurde die Inzidenzstufe auf 1 erhöht.
Der Neustart nach dem Lockdown ist in den Gastronomie-Betrieben geglückt. Mit Sorge blicken die Unternehmer allerdings auf die steigenden Inzidenzen. © Anna Lisa Oehlmann

Frank Südfeld ist noch gelassen. Allerdings befürchtet er, dass mit weiter steigenden Zahlen irgendwann die zweite Stufe greift. Laut aktueller Coronaschutzverordnung ist das ab dauerhaft 35 Neuinfektionen pro Woche der Fall. Bis zu einer Inzidenz von 35 könnten Partys stattfinden – über 35 seien Partys und vergleichbare Feiern untersagt. „Wir hoffen, dass dieser Kelch an uns vorübergeht“, sagt der Gastronom aus Scherlebeck. „Denn das wäre wirtschaftlich ein Fiasko.“ Nicht betroffen wären jedoch die Kulturveranstaltungen, die bei „Bauer Südfeld“ draußen unter freiem Himmel stattfinden und auf die Frank Südfeld auch weiter setzen will. „Da planen wir noch was zum ersten Septemberwochenende“, verrät er. Comedy und Musik soll es dann wieder geben. „Wir sind zuversichtlich, dass wir das durchführen können.“ Und er hofft auf gutes Wetter, denn: Der „Sommer“ in diesem Jahr hat ihm und allen Gastronomen, die einen großen Biergarten, eine große Terrasse betreiben, einen verregneten Strich durch die Rechnung gemacht.

Erneuter Lockdown wäre ein enormer Rückschlag

Dirk Lasarz‘ Außenbereich ist überschaubar und mit einem Zelt überdacht. Der Wirt vom „Kaiserhof“ in der Innenstadt berichtet: „Wir haben ganz gut zu tun. Es ist zwar nicht so wie vorher, aber es wird gut angenommen.“ Mitte vergangener Woche hat er mit Frau Sandra und den Angestellten die vorerst letzte Schicht gefahren, nun sind ein paar Tage Betriebsferien. „Auch für uns war die Coronazeit sehr anstrengend, wir haben viel umgebaut. Außerdem haben wir in der zweiten Jahreshälfte viele Veranstaltungen geplant“, erklärt der Unternehmer. Am Dienstag, 10. August, macht er wieder auf. Mit Blick auf die zwar langsam, aber dennoch steigende Inzidenz hofft Dirk Lasarz auf Fortschritte beim Impfen. Käme stattdessen ein weiterer Lockdown, dann wäre das ein enormer Rückschlag.

Optimismus herrscht vor

Mathias Reul vom Hotel „Alt Westerholt“ ist „recht optimistisch, dass es keinen weiteren harten Lockdown geben wird.“ Wie seine Gastronomie-Kollegen beobachtet auch er mit Interesse die aktuelle Diskussion, die Inzidenz nicht mehr als einzigen Faktor für Einschränkungen oder Lockerungen heranzuziehen, sondern auch die Situation in den Krankenhäusern und die Zahl der schweren Fälle. „Das wäre zumindest ein zweiter Parameter, den man in Betracht ziehen sollte“, meint Frank Südfeld. „Wir müssen schauen, was die steigenden Inzidenzen mit unseren Intensivbetten machen“, sagt Mathias Reul. Wenn es so käme, dass sich wieder viele Menschen ansteckten und schwer krank würden, dann würde auch die Gastronomie-Branche ihren Teil dazu beitragen, dass die Situation sich wieder entspannt. „Meiner Meinung nach ist das Wichtigste, dass das Gesundheitssystem funktioniert und dass die Intensivbetten freibleiben“, sagt Dirk Lasarz.

Es kommen auch wieder Touristen

Auch im Restaurant „Alt Westerholt“ seines Vaters sei der Neustart nach dem Lockdown gelungen, berichtet Mathias Reul. „Die Leute wollen raus, das schöne Wetter genießen.“ Das können sie bei Reuls im Biergarten unter der mehr als 100 Jahre alten Kastanie. Bei schlechtem Wetter weichen die Gäste auf den Innenraum aus, der mit Abständen und Plexiglasscheiben coronatauglich gemacht wurde. Für sein Hotel kann der Unternehmer ebenfalls von einer zunehmenden Auslastung berichten. „Der Tourismus kommt ein bisschen wieder“, sagt Mathias Reul. Touristische Übernachtungen waren, im Gegensatz zu der Beherbergung von Geschäftskunden, während der Pandemie-Zeit lange untersagt. Doch nun machen wieder Menschen, die auf einer Radtour sind, Station in seinem Haus, oder auch Fußballfans: „Beim letzten Fußballspiel von Schalke hatte ich auch wieder drei Fußballgäste hier. Das hat mich sehr gefreut.“

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