Großübung im A2-Tunnel bei Herten: So rufen Unfallzeugen im Notfall am besten Hilfe

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Ein Unfall-Darsteller liegt im A2-Tunnel neben einem Auto, das auf die Seite gekippt ist. Die Einsatzkräfte sollen ein möglichst realistisches Szenario vorfinden.
Ein Unfall-Darsteller liegt im A2-Tunnel neben einem Auto, das auf die Seite gekippt ist. © Ralf Deinl
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Auf einen Unfall im A2-Tunnel Erle an der Stadtgrenze Herten/Gelsenkirchen müssen die Feuerwehren der beiden Nachbarstädte jederzeit vorbereitet sein. In Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Bundesunternehmen „Autobahn Westfalen“ haben sie dieses Szenario bei einer spektakulären Übung geprobt.

Am Donnerstag (20.10.) gegen 22 Uhr – wir haben online live berichtet – ging es los. Autos wurden auf die Seite gekippt. Die Opferdarsteller, Freiwillige eines Vereins aus Medebach, legten sich an ihre Positionen. Eine Nebelmaschine füllte die 320 Meter lange Tunnelröhre mit Rauch. Der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr Herten, Michael Zeiser, wählte persönlich Ort den Notruf und startete so die bis dahin geheimgehaltene Aktion. Mit einem dreimaligen „Dies ist eine Übung“ signalisierte er der Feuerwehr-Leitstelle jedoch sofort, dass es sich um ein „gespieltes“ Unglück handelt.

Der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr Herten, Michael Zeiser, wählt selbst den Notruf und startet so die Übung.
Der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr Herten, Michael Zeiser, wählt selbst den Notruf und startet so die Übung. © Ralf Deinl

Aber wie rufen Autofahrer am besten Hilfe, wenn sie einen Unfall in einem Autobahn-Tunnel beobachten? Im Zuge der Großübung gaben Mitarbeiter der „Autobahn Westfalen“ dazu einen wichtigen Hinweis: Möglichst nicht das Handy benutzen, sondern eine der orangefarbenen Notrufsäulen, die sich an den Ein- und Ausgängen sowie bei längeren Röhren auch im Tunnel selbst befinden.

Notrufsäulen übermitteln automatisch Daten an die Zentrale

Dafür gibt es gute Gründe: Bei Benutzung der Notrufsäulen bekommt die rund um die Uhr besetzte Tunnel-Leitstelle der „Autobahn Westfalen“ in Hamm sofort übermittelt, um welchen Tunnel es sich handelt, um welche Fahrtrichtung und um welchen genauen Ort im oder am Tunnel. Zudem schwenkt automatisch eine der Tunnel-Kameras auf die jeweilige Notrufsäule, sodass sich der Mitarbeiter in der Zentrale ein genaueres Bild machen kann.

Eine Notruf-Säule vor dem Tunnel.
Unfallzeugen sollten für den Notruf statt des Handys lieber eine solche Säule am oder im Tunnel nutzen. © Ralf Deinl

Bei der Handy-Nutzung hingegen kommt es schnell zu Missverständnissen oder ein Ortsunkundiger kann seinen Standort nicht genau nennen. Ob der Notfall nun per Handy oder per Notrufsäule gemeldet wird, eines steht aber immer im Vordergrund: Nichts tun, was die eigene Sicherheit gefährdet, erst recht auf der Autobahn.

Die Einsatzkräfte der Hertener Berufsfeuerwehr sowie der ehrenamtlichen Löschzüge Herten und Westerholt meisterten die Übung routiniert. Sie löschten – ausgerüstet mit Atemschutzgeräten – die „Flammen“, retteten die Menschen und brachten sie auf Tragen zu einer Verletztensammelstelle, bliesen mit Hochleistungslüftern den Rauch aus der Tunnelröhre und führten außerdem eine Notöffnung der Mittelleitplanke durch, um die Zugänglichkeit der Einsatzstelle für weitere Kräfte und Fahrzeuge zu verbessern.

Feuerwehrleute führen vor der Tunnel-Einfahrt eine Notöffnung der Mittelleitplanke durch.
Feuerwehrleute führen vor der Tunnel-Einfahrt eine Notöffnung der Mittelleitplanke durch. © Ralf Deinl

„Das Gelingen solcher Einsätze hängt vom Zusammenspiel aller Beteiligten ab“, erklärte Bernd Höhne, Geschäftsbereichsleiter Betrieb und Verkehr der Autobahn Westfalen. Im Notfall seien schnelle Entscheidungen nötig. Höhne: „Wird der Tunnel gesperrt? Wenn ja, dann aktiviert die Zentrale das Sperrprogramm. Dann leuchtet die Ampel am Tunneleingang rot und die elektronischen Wechselverkehrszeichen auf der Autobahn warnen die Autofahrer frühzeitig vor der Gefahr.“

Video-Detektoren bisher in Westfalen einzigartig

Der Tunnel Erle wurde Im Jahr 2021 saniert und bietet neben einer energiesparenden LED-Beleuchtung eine bisher in Westfalen einzigartige Technologie: eine Videodetektion, die das klassische Brandmeldesystem ergänzt. Die zugehörigen Kameras erfassen automatisch Stillstand auf der Fahrbahn oder Menschen im Randbereich des Tunnels und senden Warnsignale an die Tunnel-Leitzentrale. Bernd Höhne ist sicher: „Diese Technologie kann Leben retten.“