Zelte vor der Vestischen werden abgebaut

Neue Testverordnung: Hertener Betreiber beklagen „Bürokratie-Berg“

Kaum ist die neue Corona-Testverordnung raus, hagelt es Kritik. Auch Hertener Betreiber stehen vor einem „Bürokratie-Berg“. Wichtige Details seien außerdem völlig ungeklärt, so die Anbieter.
Die Türen des DRK-Corona-Testcenters an der Gartenstraße 59 bleiben auch nach Inkrafttreten der neuen Corona-Testverordnung am 15. Oktober definitiv geöffnet. © Anna Lisa Oehlmann

Dass sie dieser Tage eintrudeln würde, war allen nach den Ankündigungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) klar. Wie sie ab 15. Oktober aber konkret mit der neuen Corona-Testverordnung umgehen sollen, das sorgt auch bei den Betreibern der Hertener Schnelltestzentren teilweise für Ratlosigkeit.

Die Probleme fingen schon bei den äußeren Gegebenheiten an, wie Ahmet Danisik von Corona Test West, der vor der Vestischen an der Westerholter Straße 550 ein Testzentrum betreibt, erklärt. „Unsere Zelte müssen wir abbauen, dort kann der Testbetrieb in den Wintermonaten nicht mehr stattfinden.“

Demnächst Test-Container vor der Vestischen?

Daher sei man nun dabei, kurzfristig Container zu organisieren. Am Standort Dortmund solle es auf jeden Fall weitergehen – was mit Herten ab Mitte Oktober passiert, könne er aber, Stand jetzt, nicht sagen, betont der Betreiber.

In der neuen Corona-Testverordnung würde außerdem nicht die Frage beantwortet, wie man mit geimpften Menschen umgehen soll, die sich aber trotzdem sicherheitshalber testen lassen wollen: „Müssen die zahlen oder nicht?“ Zurzeit mache diese Gruppe immerhin rund ein Drittel der Kundschaft aus, so Danisik.

Preis für den Schnelltest ist nicht festgelegt

Auch vor Michael Schaedel von Test4Health türmt sich ein „Bürokratie-Berg“ auf. „Es sind so viele Dinge in der Verordnung unverständlich und teilweise ungeklärt, dass ich noch nicht sagen kann, wie es weitergeht.“ Er ist Betreiber der Drive-In-Teststation vor dem Fleischverarbeiter Herta (Westerholter Straße 750-770).

Dort müsse er für sich und seine Mitarbeiter erstmal die Frage beantworten, wie viel ein Schnelltest überhaupt kosten soll. Denn genau darüber schweige sich die Verordnung, in der sonst „jedes noch so kleine Detail in zahlreichen Paragrafen geregelt“ sei, völlig aus. „Wir privaten Anbieter müssen unsere Fixkosten genau im Blick haben. Nehmen wir pro Testung etwa 9 Euro und ein anderer bietet sie für 4 Euro an, kann man sich ja ausrechnen, wo die Leute letztlich hingehen.“

DRK setzt auf Kartenzahlung

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Herten bietet an der Gartenstraße 59 auch nach dem Stichtag Test-Möglichkeiten in größerem Umfang an. Wobei auch Vorstand Ralph Hoffert und seine Kollegen in den vergangenen Wochen vor vielen Herausforderungen standen. Es galt zunächst, die Zahlungswege abzuklären. „Wir haben uns dafür entschieden, die Tests nur per Kartenzahlung abzuwickeln. Wenn jemand partout doch keine EC-Karte oder ähnliches dabei hat, geht es aber ausnahmsweise auch in bar.“ Das nötige Kartenlesegerät habe übrigens die Sparkasse Vest unbürokratisch zur Verfügung gestellt. „Außerdem haben wir dafür einen monatlich kündbaren Mietvertrag bekommen“, sagt Hoffert.

Auch er sieht erhöhten Bürokratieaufwand aufs DRK zukommen. Denn es gebe ja so einige Ausnahmen von der Kostenpflicht (siehe unten) – zum Beispiel für Jugendliche unter 18 Jahren oder Schwangere, die sich nicht impfen lassen können: „Das alles muss aber in irgendeiner Form kontrolliert und dokumentiert werden.“

Teststation an der Bärenhöhle macht weiter

Ebenfalls sicher am Markt bleiben will auch Christian Zak, obwohl er an der Bärenhöhle (Herner Straße 134) eine weitaus kleinere Teststation als zum Beispiel die des DRK betreibt. Aber sein „AufAbruf“-Service richtet sich in erster Linie an junge Gäste. Vor allem Spucktests seien sehr beliebt, berichtet er. Und weil viele Vereine und Institutionen neben dem Schülerausweis oft noch ein Schnelltest-Ergebnis sehen wollen, seien die Zahlen in den vergangenen Wochen wieder angestiegen. „An gewissen Tagen verzeichnen wir bis zu 60, meist jüngere, Kunden“, sagt Zak.

Ab dem 11. Oktober 2021 entfallen die Bürgertestungen. Ausschließlich folgende Personengruppen haben weiterhin nach § 4a TestV mindestens einmal wöchentlich einen Anspruch auf Testungen mittels PoC-Antigentest (dieser ist zwingend von einer anderen Person zu entnehmen):
– Personen, die zum Zeitpunkt der Testung das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder in den letzten drei Monaten vor der Testung das zwölfte Lebensjahr vollendet haben
– Personen, die aufgrund einer medizinischen Kontraindikation, insbesondere einer Schwangerschaft im ersten Schwangerschaftsdrittel, zum Zeitpunkt der Testung nicht gegen das Coronavirus geimpft werden können oder in den letzten drei Monaten vor der Testung aufgrund einer medizinischen Kontraindikation nicht gegen das Coronavirus geimpft werden konnten
– bis zum 31. Dezember 2021 Personen, die zum Zeitpunkt der Testung das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben (Ab 1.1.2022 nur noch Kinder bis 12 Jahre und die medizinischen Sonderfälle)
– zum Zeitpunkt der Testung Schwangere und Studierende, bei denen eine Schutzimpfung mit anderen als den vom Paul-Ehrlich-Institut im Internet unter der Adresse www.pei.de/impfstoffe/covid-19 genannten Impfstoffen erfolgt ist
– Personen, die zum Zeitpunkt der Testung an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen das Coronavirus teilnehmen oder in den letzten drei Monaten vor der Testung an solchen Studien teilgenommen haben
– Personen, die sich zum Zeitpunkt der Testung aufgrund einer nachgewiesenen Infektion mit dem Coronavirus in Absonderung befinden, wenn die Testung zur Beendigung der Absonderung erforderlich ist
Die oben genannten Personen haben dem Leistungserbringer vor der Testung folgende Dokumente vorzulegen:
– einen amtlichen Lichtbildausweis, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren können anstelle des amtlichen Lichtbildausweises auch einen sonstigen geeigneten Lichtbildausweis (Schülerausweis, Kinderreisepass) vorlegen
– Nachweis darüber, dass die Person anspruchsberechtigt ist
– Bei einer medizinischen Kontraindikation zur Durchführung einer Impfung ein ärztliches Zeugnis hierüber

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