Sebastianus-Gilde holt ihre beliebten Bräuche nach

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Mit Maske und negativem Schnelltest trafen sich im Januar 2021 einige Gildenbrüder zum Beiern im Turm der St.-Antonius-Kirche (v.l.): Sebastian Egner, Hubertus Grafe, Marcus Buchholz, Dominik Egner und Claudio Calamini.
Mit Maske und negativem Schnelltest trafen sich im Januar 2021 einige Gildenbrüder zum Beiern im Turm der St.-Antonius-Kirche (v.l.): Sebastian Egner, Hubertus Grafe, Marcus Buchholz, Dominik Egner und Claudio Calamini. © Privat
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Die Wurzeln der St.-Sebastianus-Gilde reichen mehr als 400 Jahre zurück ins Mittelalter, als sich Bauern zusammentaten, um Pestkranke zu pflegen, Opfer beizusetzen und Hinterbliebene zu unterstützen. Aus dieser und jüngerer Zeit stammen viele Bräuche, die die katholische Bruderschaft trotz der Corona-Pandemie lebendig halten möchte.

So wurde im Januar zwar gebeiert. Das traditionelle Anschlagen der Glocken von Hand diente aber ausnahmsweise nicht als Hinweis auf den Gildentag am Folgetag. Sondern es ging darum, Mut und Zuversicht zu verbreiten und die Gildenbrüder einzuladen, für die lebenden und verstorbenen Mitglieder zu beten.

Rund acht Monate später sind inzwischen die meisten der rund 150 Mitglieder – darunter viele Hochbetagte – geimpft, was das Nachholen des Gildentages ermöglicht. Und zwar diesmal, salopp gesagt, das volle Programm.

Am Dienstag wird im Glockenturm gebeiert

Am Dienstag, 14. September, um 15 Uhr wird gebeiert. Gildenbrüder steigen dafür in den Turm der St.-Antonius-Kirche und schlagen die Glocken von Hand mit einem Klöppel in einem bestimmten Rhythmus an. Der elektrische Antrieb ist in dieser Zeit abgeschaltet. Der Brauch findet seit 1925 statt und weist auf das Gildenfest am Folgetag hin.

Großzügige Spenden für soziale Einrichtungen

Der Gildentag beginnt am Mittwoch, 15. September, mit dem Hochamt in der St.-Antonius-Kirche. Beim Opfergang spendet jedes Mitglied einen großherzigen Betrag. Mit dem Geld werden soziale Einrichtungen in Herten unterstützt. Seit dem Jahr 1988 – so weit zurück hat Kassierer Udo Hornfischer die Finanzberichte studiert – hat die St.-Sebastianus-Gilde nunmehr 177.000 Euro für karitative Zwecke gespendet.

Beim Gildentag im Januar 2020 wurden zuletzt die Fahnen geschlagen. Viele Zuschauer verfolgten den Brauch – Corona spielte damals noch keine Rolle.
Beim Gildentag im Januar 2020 wurden zuletzt die Fahnen geschlagen. Viele Zuschauer verfolgten den Brauch – Corona spielte damals noch keine Rolle. © Anna Lisa Oehlmann © Anna Lisa Oehlmann

Fahnenschlagen lockt stets viele Zuschauer an

Auf die Messe folgen eine Prozession um die Kirche und das Fahnenschlagen. Das kunstvolle Schwingen der Gildenfahnen symbolisiert die Fesselung und Entfesselung, also das Martyrium des heiligen Sebastian. Traditionell verfolgen viele Zuschauer diesen Brauch.

Die Gildenbrüder treffen sich schließlich im Kaiserhof zur Gildenversammlung mit Berichten, Wahlen, Neuaufnahmen und dem bescheidenen Gildenmahl: süßsaures Sauerkraut, Salzkartoffeln, dicke weiße Bohnen, Bratwurst und „echte“ Bratensoße.