St.-Sebastianus-Gilde spendet 13.000 Euro für soziale Zwecke

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Ein letztes Mal zelebriert der scheidende Schriftführer Ulrich C. F. Schütz (r.) den Vortrag des Protokolls. Am Vorstandstisch im Saal des Kaiserhofs hören zu (v. l.): Ehrenpräfekt Wolf-Eckardt Irmer, Schatzmeister Udo Hornfischer, Gildenpräfekt Hans-Michael Offer, Präses Pfarrer Norbert Mertens und der neue Schriftführer Martin Gruber. © Frank Bergmannshoff
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Der Gildentag hat in diesem Jahr deutlich mehr Aufsehen erregt als üblich. Angesichts spätsommerlicher 22 Grad waren viele Menschen in der Innenstadt unterwegs oder sie hatten es sich auf der Dachterrasse des Dom-Cafés gemütlich gemacht, als sich am Mittwochnachmittag die Türen der St.-Antonius-Kirche öffneten. Sonst in warme Wintermäntel gehüllt, brachen die Gildenbrüder diesmal „nur“ im schwarzen Anzug zur Prozession um die Kirche auf. Begleitet von der Kapelle „Trinity Brass“, sangen sie das Lied vom Heiligen Sebastian – und ließen aufhorchen.

Gehorcht – und zwar nach oben in Richtung Kirchturmspitze – hatten die Passanten auch schon am Dienstag, als Gildenbrüder in einem besonderen Rhythmus die Glocken von Hand anschlugen, um damit, wie es seit 1925 Tradition ist, auf das Gildenfest am Folgetag hinzuweisen.

Ein drittes Mal aufhorchen lässt die Gilde angesichts der Spendensumme, die in diesem Jahr noch großherziger ausfällt als ohnehin üblich. Während die Gildenmitglieder sich vor mehr als 400 Jahren zusammenschlossen, um die Pestkranken zu pflegen, die Opfer zu bestatten und die Hinterbliebenen zu unterstützen, so führt die Bruderschaft ihre karitative Tradition heute durch Geldspenden fort.

Sonderspende für Hochwasser-Betroffene

Beim sogenannten Opfergang während der Messe kamen 6390 Euro zusammen, die erfahrungsgemäß durch spätere Überweisungen noch deutlich aufgestockt werden. Letztlich wurden – auch mithilfe von Rücklagen – 13.000 Euro auf diese Einrichtungen verteilt:

• St.-Antonius-Haus: 3000 €

• Kinderfonds der Hermann-Schäfers-Stiftung: 1000 €

• Disteln-Treff: 1000 €

• Tiöns-Koben: 1000 €

• Jugendcafé Barlu: 1000 €

• Franz-Hahn-Werkstatt: 1000 €

• Tafel-Läden: 1000 €

• Caritas-Kinderland: 1000 €

• Sonderspende Flutopfer: 3000 €.

„In Ausnahmefällen hilft die Gilde auch über die Stadtgrenzen hinaus“, erklärte Präfekt Hans-Michael Offer die 3000-Euro-Spende, die an die Kirchengemeinde im stark vom Hochwasser getroffenen Erftstadt-Blessem geht und dort gezielt an betroffene Menschen weitergeleitet wird. In früheren Jahren spendete die Gilde bereits für Straßenkinder in Rumänien, Erdbebenopfer in Haiti und 2004 für die Tsunami-Region.

Besprochen wurde die Verteilung der Spenden während der Gildenversammlung – es galt die 3G-Regel – im großen Saal des Kaiserhofs. Aufmerksame Passanten hätten auch noch einen vierten Anlass zum Aufhorchen haben können, denn durch die zum Dauerlüften geöffneten Fenster war zeitweise minutenlanger Applaus zu vernehmen.

Ovationen für „Kathedralen des Wortes“

Mit stehenden Ovationen verabschiedeten die Gildenbrüder ihren Schriftführer Ulrich C. F. Schütz nach mehr als 30 Jahren aus diesem Amt. Seine pathetischen, kunstvoll formulierten und – notabene – mit lateinischen Einschüben geschmückten Protokolle waren der heimliche Höhepunkt eines jeden Gildentages, weshalb Nachfolger Martin Gruber auch anerkennend von „Kathedralen des Wortes“ sprach.

Denkbar sachlich, weil ohne Gegenkandidaten und einstimmig, fielen hingegen die weiteren Wahlen aus: Präfekt Hans-Michael Offer und Schatzmeister Udo Hornfischer bleiben für weitere drei Jahre im Amt.

Präses Pfarrer Norbert Mertens entschuldigte Ehrenpräses Robert Schultes (90), der – geistig fit, aber körperlich weniger – wohl zum ersten Mal in mehr als 50 Jahren nicht am Gildentag teilnehmen konnte.