Finanzamt

Abgabefrist für die Steuererklärung 2020 um drei Monate verlängert

Immer mehr Kurzarbeiter aus dem Kreis Recklinghausen riskieren Verspätungszuschläge, erklärt der Verein „Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer“ aus Gladbeck - und gibt Tipps, die Geld wert sein können.
Die Fristen für die Lohnsteuererklärung sind aus Pandemiegründen verlängert worden, doch das sollte nicht zur Untätigkeit verleiten. © dpa

Die Steuererklärung für das Jahr 2020 kann wegen der Corona-Pandemie drei Monate später abgegeben werden. Dieser Verlängerung hat jetzt der Bundesrat in Berlin zugestimmt. Bei Kurzarbeitern aus dem Kreis Recklinghausen zeigt sich jedoch ein riskanter Trend: „Wir erfahren von immer mehr Betroffenen, dass sie lieber abwarten wollen, bis das Finanzamt sie zur Abgabe einer Steuererklärung auffordert“, sagt Sigurd Warschkow von der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer e.V. aus Gladbeck – und warnt: „Das kann teuer werden.“

Bürger haben Zeit bis Oktober 2021, Berater sogar bis Mai 2022

Statt Ende Juli 2021 muss die Steuererklärung nun erst bis Ende Oktober 2021 eingereicht werden. Da der 31. Oktober auf einen Sonntag fällt, endet die Abgabefrist am 2. November, da Allerheiligen (1.11.) in NRW ein gesetzlicher Feiertag ist. Die um drei Monate verlängerte Abgabefrist gilt entsprechend auch für „beratene Steuerpflichtige“, also für Steuerzahler, die von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein die Steuererklärung anfertigen lassen. Sie haben nun Zeit bis Ende Mai 2022.

Trotz Fristverlängerung nicht untätig bleiben

„Diese Ausnahme-Regelungen sind sicher auch eine Erleichterung für Steuerzahlerinnen und Steuerzahler“, sagt Sigurd Warschkow: „Die verlängerte Frist sollte jedoch niemand als Aufruf zur Tatenlosigkeit verstehen.“ Steuerzahler, die 2020 von Kurzarbeit betroffen waren, sind verpflichtet, eine Steuererklärung einzureichen. Vorausgesetzt, sie haben in dem Jahr mehr als 410 Euro aus der Arbeitslosenversicherung erhalten. „Bei immer mehr Betroffenen stellen wir jedoch fest, dass sie lieber abwarten wollen, bis das Finanzamt sie zur Abgabe der Steuererklärung auffordert“, sagt Sigurd Warschkow.

Verpflichtet zur Abgabe der Steuererklärung sind nicht nur Kurzarbeiter. Vielmehr gelten alle Steuerzahler als pflichtveranlagt, wenn sie 2020 mehr als 410 Euro sog. „Lohnersatzleistungen“ erhielten. Dazu zählen neben Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld zum Beispiel auch Kranken-, Mutterschafts- oder auch Elterngeld.

Finanzamt verlangt stattliche Verspätungszuschläge

Pflichtveranlagte, die mit der Steuererklärung 2020 abwarten, bis das Finanzamt schreibt, riskieren Verspätungszuschläge. Pro Verspätungsmonat kostet das mindestens 25 Euro. Der Verspätungszuschlag wird fällig, wenn die Steuererklärung auch 17 Monate (normalerweise 14 Monate) nach Ablauf des Steuerjahres nicht beim Finanzamt vorliegt. Berechnet wird dieser dann rückwirkend. Übrigens nicht nur für Pflichtveranlagte, sondern für alle Steuerzahler, die zu spät kommen. Hinzu kommen auch noch Zinsen.

Im Schnitt werden 1007 Euro vom Finanzamt rückerstattet

„Abgesehen von diesen zusätzlichen Kosten gibt es auch keinen Grund für die Untätigkeit“, sagt Sigurd Warschkow: „Denn wer 2020 Kurzarbeitergeld oder andere Lohnersatzleistungen erhielt, muss nicht automatisch Steuern nachzahlen.“ Steuererstattung oder Steuernachzahlung – das sei vielmehr von zahlreichen individuellen Faktoren abhängig. „Im Zweifel sollten Betroffene einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein zu Rate ziehen.“

Übrigens: Durchschnittlich winkt bei Abgabe einer Einkommensteuererklärung eine Steuerrückerstattung von 1007 Euro.

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