Emscher-Lippe-Region

Ausbau der Autobahn 52 soll 2023 starten – so sehen die Pläne aus

Mit einer bislang einmaligen Bürgerbeteiligung will die Autobahn GmbH dem Protest gegen den Ausbau der B224 begegnen. Ein 2,6 km langer Tunnel soll die Zerschneidung von Gladbeck verhindern.
Neue Nord-Süd-Verbindung im Ruhrgebiet: So soll die A52 in Bottrop vor dem Kreuz Essen/Gladbeck nach dem Ausbau aussehen. © Autobahn GmbH Westfalen

Kein Autobahnprojekt in der Emscher-Lippe-Region ist so umstritten wie dieses – es geht um den Ausbau der Bundesstraße 224 zur Autobahn 52. Da gibt es die Pendler, die an der „Pförtner-Ampel“ vor Gladbeck regelmäßig im Stau stehen, da gibt es die Wirtschaft, die endlich freie Fahrt für ihre Lkw fordert, da gibt es die Gladbecker Bürger, die um die Zerschneidung ihrer Stadt fürchten – und schließlich die Umweltschützer, die sich gegen die weitere Asphaltierung und Betonierung der Umwelt im eng besiedelten Ruhrgebiet wehren.

Damit das Projekt A52 nach vielen Jahren der zermürbenden Diskussion endlich vorankommt, geht die neue Autobahn Westfalen (siehe Info) jetzt in die Offensive: mit einer bislang wohl einmaligen Bürgerbeteiligung namens „A52 verbindet“. „Das ist Bürgerinformation auf der Höhe der Zeit“, wirbt Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH des Bundes.

360-Grad-Rundumsicht stellt die neue Trasse vor Augen

Der sogenannte „Projektatlas“ ist über die Website der Autobahn Westfalen erreichbar. Herzstück ist eine umfassende 3D-Visualisierung der geplanten Trasse mit ihren drei Abschnitten zwischen dem Kreuz Essen-Nord und der Anschlussstelle Gelsenkirchen-Buer-West. Hier stehen interessierten Bürgerinnen und Bürgern viele verschiedene Standorte entlang des zukünftigen Streckenverlaufs zur Verfügung, die jeweils eine 360-Grad-Rundumsicht auf die neue Autobahn bieten.

„Unsere Pläne sind oft sehr technisch. Die Ansichten auf der Website kann dagegen jeder sofort nachvollziehen“, sagt Michael Faubel, zuständiger Projektleiter bei der Autobahn Westfalen in Bochum. Durch eine Vorher-Nachher-Ansicht kann die Planung auch direkt mit dem heutigen Stand verglichen werden.

Ein weiteres wichtiges Element sind die Fachkarten, zwischen denen einfach per Auswahlmenü gewechselt werden kann. Besonders interessant ist dabei die Karte zum Lärmschutz, auf der nicht nur die zukünftigen Schutzmaßnahmen wie Lärmschutzwände, sondern auch die errechneten Schutzbedarfe für alle betroffenen Adressen entlang der Strecke dargestellt werden. Aber auch zu Schadstoffen, Verkehrszahlen, Flächennutzungen, Bau- und Naturdenkmälern sowie Naturschutzgebieten stehen interaktive Karten zur Verfügung.

Kreuz Essen/Gladbeck wird zum „Spaghettiknoten“

„Für uns hat der Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern eine sehr hohe Priorität“, so Faubel. Daher gibt es auf der Website den Bereich „Denken Sie mit“, in dem Interessierte Fragen und Anregungen geben können. Diese werden dann beantwortet und (mit Einverständnis des Fragestellers) direkt auf der interaktiven Karte an der passenden Stelle veröffentlicht. Nicht zuletzt bietet ein Dokumentenarchiv Zugriff auf Gutachten und andere wichtige Schriftstücke.

Und so stellt sich die Autobahn GmbH den Zeitplan für den Bau der 7,6 Kilometer langen „neuen A52“ vor:

  • Voraussichtlich Ende 2023 soll der Ausbau im Bottroper Abschnitt zwischen dem Kreuz Essen-Nord (mit der A42) und der heutigen Anschlussstelle Essen/Gladbeck starten. Zwei Anschlussstellen sind an der Horster Straße und an der Prosperstraße (mit Anbindung an den künftigen Stadtteil „Freiheit Emscher“) geplant.
  • Gleichzeitig ist der Ausbau des neuen Kreuzes Essen/Gladbeck (mit der A2) vorgesehen – ein Bauwerk, das sich in seinen Dimensionen mit dem „Spaghettiknoten“ Kaiserberg in Duisburg messen kann. Für beide Abschnitte läuft die Planfeststellung bereits. Projektleiter Faubel rechnet mit einer Bauzeit von vier Jahren.
  • Für den besonders umstrittenen, nördlichen Abschnitt im Stadtgebiet Gladbeck wurde jüngst bei einem Abstimmungstermin mit Bund und Land eine wichtige Entscheidung bestätigt: Seitdem wird eine Tunnelvariante favorisiert, bei der die Strecke auf 2,6 Kilometern Länge unterirdisch durch das Innenstadtgebiet geführt werden soll. Hier wird mit acht Jahren Bauzeit gerechnet.

Billig wird die Tunnelvariante nicht

Faubel hofft, dass der große Protest gegen den A52-Ausbau in Gladbeck nun verstummt: „Es hat in der Vergangenheit Bürger gegeben, die sich grundsätzlich gegen den Bau der A52 ausgesprochen haben. Ob sich daran etwas ändert, können wir nicht beurteilen. Es hat aber auch Bürgerinnen und Bürger gegeben, die sich Sorgen um ihr Wohnumfeld gemacht haben. Hier hoffen wir, dass ihnen mit der Bestätigung, dass der Tunnel geplant wird, diese Sorgen genommen werden.“

Billig wird die Tunnelvariante nicht. Faubel kalkuliert mit rund 384 Millionen Euro. Allerdings wird nicht das Gladbecker Stadtsäckel belastet – hier haben der Bund und (für die städtebaulich ansprechendere Variante) das Land NRW die Finanzierung fest zugesagt. „Ab 2035 könnte die A52 also ihre Funktion als wichtige Nord-Süd-Achse im Ruhrgebiet erfüllen“, zeigt sich Faubel zuversichtlich.

Sauerwein-Braksiek: „Wir wollen für Transparenz sorgen“

Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek hofft auch, dass die neue Website die Gegner der A52 überzeugt: „Wir wissen, das Interesse ist riesig. Mit unserer Projektatlas-Website wollen wir vor allem den berechtigten Fragen der Bürger gerecht werden und für Transparenz sorgen.

Daten & Fakten

Die Autobahn GmbH Westfalen

  • Die Autobahn Westfalen GmbH des Bundes existiert jetzt seit einem Jahr und sorgt für Bau und Pflege von 1370 km Fernstraßen, 2330 Brücken und elf Tunnel in der Region.
  • Die Niederlassung Westfalen besteht aus einem Team von 1465 Mitarbeitern, die in der Zentrale in Hamm, den fünf Außenstellen in Bochum, Osnabrück, Hagen, Netphen und Dillenburg sowie zwei Projektbüros und 18 Autobahnmeistereien ihren Job machen.
  • Im Jahr 2021 investiert der Bund rund 500 Mio. Euro in die Autobahnen der Region.
  • Chefin der Behörde ist Elfriede Sauerwein-Braksiek aus Recklinghausen.
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