Westfälische Hochschule

Corona erschwert globales Projekt

Studenten aus Namibia, Peru, Indonesien sowie von der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen, Gelsenkirchen und Bocholt arbeiten zusammen und lernen sich kennen - bei einem ungewöhnlichen Projekt unter Corona-Bedingungen.
Der Screenshot zeigt Teilnehmer des globalen „GIPE“-Projekts mit Studierenden aus Namibia, Peru, Indonesien und von der Westfälischen Hochschule. © WH

Prof. Manfred Meyer erinnert sich noch genau an das Frühjahr 2020: „Die Flüge für die Studenten waren bereits gebucht, wir waren startklar.“ Dann kam Corona – und brachte die Planungen für ein ungewöhnliches internationales Projekt an der Westfälischen Hochschule (WH) kräftig durcheinander. „Wir waren tief enttäuscht“, sagt Meyer, der das Projekt „GIPE“ leitet.

Fachliche Zusammenarbeit und interkultureller Austausch

„GIPE“ – das bedeutet „Global Interkultural Projekt Experience“: Hier geht es nicht nur um eine fachliche Zusammenarbeit von Studenten aus aller Welt, sondern auch um interkulturellen Austausch rund um den Erdball. „Es sind insgesamt 40 Studierende an ,GIPE‘ beteiligt: Von der WH aus Bocholt, Gelsenkirchen und Recklinghausen sowie drei Hochschulen aus Namibia, Peru und Indonesien. Die Studenten erstellen, begleitet von Hochschul-Experten, zusammen eine Arbeit für einen realen Kunden. In diesem Jahr ging es um ein Gartenzentrum in Indonesien, für das Nachhaltigkeitsstrategien entwickelt wurden“, erläutert Manfred Meyer den inhaltlichen Hintergrund. So beschäftigten sich die Studenten mit Themen wie nachhaltigem Tourismus, Marketing, dem Einsatz digitaler Technik sowie einem virtuellen Lernspiel für das Gartenzentrum. Schließlich wurde dem Kunden auch noch eine neue Website präsentiert. Meyer: „Das waren gute fachliche Ergebnisse von Wert.“

Bislang waren nur virtuelle Wege möglich

In den einzelnen Arbeitsgruppen waren zum einen Studenten aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen von der Informatik über die Molekularbiologie bis zum Management-Bereich vertreten. „Zum anderen waren alle Teams mit Studenten aus mindestens drei verschiedenen Hochschulen gemischt“, betont Meyer die interkulturellen Kontakte des Projekts.

Doch bei all dem musste der Bocholter Professor für Betriebswirtschaftslehre durch Corona notgedrungen ausschließlich auf virtuelle Wege setzen: „Wir haben sehr viel über Videomeetings gemacht. Leider fehlte wegen der Pandemie die persönliche Kennenlern-Phase, die in diesem Jahr auf unserem Hochschul-Campus in Bocholt sein sollte.“ Und auch die große Schlusspräsentation der Ergebnisse – vor Ort in Indonesien geplant – fand nur per Video statt.

Die Zeitverschiebung als Problem bei Video-Meetings

„Die physischen Treffen mussten ausfallen. Und virtuell war es vor allem wegen der Zeitverschiebung schwierig: Wenn es bei uns und in Namibia 14 Uhr ist, ist es in Peru 7 Uhr morgens und in Indonesien 7 Uhr abends. Das gemeinsame Zeitfenster war klein“, berichtet Manfred Meyer. Doch der Projekt-Leiter ist überrascht, wie gut die Zusammenarbeit und die Kontakte trotzdem funktioniert haben, „ohne Auge in Auge: Die Studierenden haben sich über lockere Meetings und social Events kennengelernt, persönliche Beziehungen geknüpft, sich über viele verschiedene Themen ausgetauscht – über ihre Kulturen und ihr Essen, über Bildung und unterschiedliche Arbeitsweisen.“ So ist das bisherige Fazit von Manfred Meyer trotz Corona positiv: „Natürlich ist es sehr schade, dass wir uns nicht persönlich treffen konnten. Aber wir haben das unter Pandemie-Bedingungen inhaltlich und interkulturell gut hinbekommen.“

Das Projekt soll dauerhaft etabliert werden

Und so plant Manfred Meyer auch schon für die Zukunft. Das vom DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) geförderte Projekt soll eigentlich bis 2023 laufen. Doch der Professor möchte „GIPE“ zu einer längerfristigen Einrichtung an der Westfälischen Hochschule machen. „Es wäre schön, wenn wir ,GIPE‘ mit Hilfe von Sponsoren dauerhaft etablieren können“, sagt Meyer. Und natürlich hofft er dabei auch auf persönliche Treffen, direkten weltweiten Austausch – jenseits von Corona.

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