Corona-Zwangspause

Das Kirchliche Filmfestival in Recklinghausen nimmt eine Auszeit

Das Event, das schon Stars wie Wim Wenders, Adolf Winkelmann oder Sibel Kekilli angelockt hat, wird erst 2023 fortgesetzt. Dafür geht „Kirche & Kino“ mit sechs herausfordernden Filmen weiter.
Das „Kirchliche Filmfestival“ findet erst 2023 wieder statt. Aber die Veranstaltungsreihe „Kirche & Kino“ setzen Kai-Uwe Theveßen, Joachim van Eickels und Marc Gutzeit (v.l.) mit ihren Kollegen aus dem Arbeitskreis im Januar mit „Plan A“ fort. Insgesamt werden im ersten Halbjahr 2022 sechs Filme gezeigt. © Jörg Gutzeit

Das „Kirchliche Filmfestival“ wird in diesem Jahr nicht stattfinden. Die 13. Auflage des renommierten ökumenischen Events, bei dem in der Vergangenheit Stars wie Wim Wenders, Adolf Winkelmann oder Sibel Kekilli zu Gast waren, soll erst im Frühjahr 2023 wieder über die Bühne gehen.

„Wir haben zuletzt eine Herbst-Edition mit einem tollen Programm auf die Beine gestellt“, sagt Mit-Veranstalter Marc Gutzeit (Arbeitskreis Kirche & Kino Recklinghausen). „Aber es wurde vom Publikum wegen der Corona-Pandemie nicht so angenommen wie sonst.“ Es sei deutlich zu spüren gewesen, „dass sich viele Menschen noch nicht wieder ins Kino trauen. Und dafür haben wir natürlich volles Verständnis.“

Gleichzeitig möchte der Arbeitskreis wieder zum ursprünglichen März-Termin zurückkehren: „Kurz nach der Berlinale und anderen Festivals, von denen man sich inspirieren lassen kann: Das hat sich bewährt“, findet Gutzeit.

Bei einem Treffen des Veranstalterkreises im Dezember sei aber vor dem Hintergrund der Omikron-Entwicklung schnell klar geworden, dass es dabei nicht um den März 2022 gehen könne. „Zumal auch die Vorbereitungszeit nach der Herbst-Edition eigentlich zu kurz gewesen wäre.“ Und so steigt die nächste Auflage also erst 2023.

Dass das Festival durch die lange Pause an Ausstrahlung verlieren könnte, glaubt Kai-Uwe Theveßen nicht: „Wenn wir unbegründet aussetzen würden, hätten wir vielleicht ein Problem, neu zu starten“, sagt der Leiter des Festival-Kinos Cineworld. „Aber unter Corona leiden doch so viele Veranstalter und Traditionen. Dafür hat jeder Verständnis.“

Und außerdem, so Gutzeit, soll ein besonderer Filmtag mit einem filmschaffenden Gast im September dafür sorgen, dass das „Kirchliche Filmfestival“ sichtbar bleibt.

Film zum Holocaust-Gedenktag

Dazu trägt natürlich auch „Kirche & Kino“ bei. Denn die Veranstaltungsreihe, aus der das Festival als Jahreshöhepunkt hervorgegangen ist, bringt auch im ersten Halbjahr 2022 sechs diskussionswürdige Filme auf die Leinwand und ins Gespräch. Los geht es am 26. Januar mit „Plan A – Was würdest Du tun?“ – passend zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar. Im Mittelpunkt stehen der Schoah-Überlebende Max (August Diehl), der nach Kriegsende seine Familie sucht, und eine Gruppe von Holocaustüberlebenden, die mit einem Giftanschlag Rache nehmen will für den Mord an Millionen Juden. „Es ist ein schwieriger, anspruchsvoller Film, der den Zuschauer herausfordert und die große Frage stellt, in welchem Verhältnis Rache und Gerechtigkeit zueinander stehen“, sagt Arbeitskreis-Mitglied Joachim van Eickels.

Filmszene aus „The father“ mit Anthony Hopkins als Anthony und Olivia Colman als Anne. © picture alliance/dpa/Tobis Film

Mit „Kabul, City in the Wind“ (4. Mai) wolle man dann auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen, das viel zu schnell wieder aus dem Fokus herausgerutscht sei: die Lage in Afghanistan. Die Dokumentation aus dem Jahre 2018 begleitet den Busfahrer Abas sowie die drei Brüder Afshin, Hussein und Benjamin. Sie zeigt ihren Alltag in einer der gefährlichsten Städte der Welt – „und warum sie trotz allem das Bestreben haben, dort zu leben“, so van Eickels. Aber natürlich frage sich der Zuschauer jetzt, nach der Machtübernahme der Taliban, „was aus den Menschen geworden ist, die er durch den Film kennengelernt hat“.

Demenz-Drama mit Anthony Hopkins

Weiterhin steht das für sechs Oscars nominierte Drama „The Father“ auf dem Programm (15. Juni): Eine Vater-Tochter-Geschichte, in der der demenzkranke Anthony (Anthony Hopkins) verzweifelt versucht, die Kontrolle über sein Leben zu behalten – während die sich um ihn kümmernde Anne (Olivia Colman) zunehmend an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gerät. Darüber hinaus werden gezeigt: „Quo Vadis, Aida“ (6. April) – ein Drama über das Massaker in Srebrenica, das den Europäischen Filmpreis erhalten hat – sowie „Adam“ (16. März) und „Große Freiheit“ (16. Februar): Ein Film über Hans (Franz Rogowski), der Männer liebt und deshalb im Deutschland der Nachkriegszeit immer wieder im Gefängnis landet. „Große Freiheit“ wird im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung „Kunst trotz(t) Ausgrenzung“ gezeigt, die in der Kunsthalle, der Christuskirche und der Gustav-Adolf-Kirche zu sehen sein wird (13. Februar – 3. April).

Daten & Fakten

Kirche & Kino – Halbjahresprogramm

  • 26. Januar: „Plan A – Was würdest Du tun?“
    16. Februar: „Große Freiheit“
    16. März: „Adam“
    6. April: „Quo vadis, Aida?“
    4. Mai: „Kabul, City in the Wind“
    15. Juni: „The Father“
  • Beginn: jeweils 19.45 Uhr; Eintritt: 6 – 7,50 Euro
  • Tickets unter: www.cineworld-recklinghausen.de
  • Michael M. Kleinschmidt stellt vor den Vorführungen die Besonderheiten des jeweiligen Films vor. Nach dem Film sind die Besucher zur Diskussion eingeladen.

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