Atelierbesuch

Der Recklinghäuser Ludger Hinse zwischen Lichtkunst, Kreuz und Malerei

Ludger Hinse ist bekannt. Nicht nur, aber besonders durch sein Großprojekt „Das Kreuz mit dem Kreuz“. Und in 2022 ist er sehr aktiv. Wir haben ihn in seinem Recklinghäuser Atelier besucht.
Zu Besuch im Atelier von Ludger Hinse in Recklinghausen. © Meike Holz

Corona hat auch die Kultur-Szene schwer getroffen. Der bekannte Künstler Ludger Hinse allerdings, dessen spektakuläre Ausstellung „Das Kreuz mit dem Kreuz“ schon vor gut zehn Jahren mehr als 142.000 Menschen in 21 Städten gesehen haben, ist relativ gut durchgekommen, erzählt er uns beim Atelierbesuch in Recklinghausen. „Finanzielle Einbußen gab es keine“, auch wenn ein paar Verschiebungen und – wenige – Ausfälle von Ausstellungs-Eröffnungen nötig gewesen seien. „Außerdem“, so Hinse, Sohn einer Recklinghäuser Bergarbeiter-Familie, der inzwischen in Dülmen lebt, „bin ich in einer beneidenswerten Situation. Ich werde angefragt. Ich muss mich nicht bewerben. Allerdings kann ich schlecht Nein sagen. Und das nächste Jahr ist wirklich der Wahnsinn“.

Einladung nach Peru gerade erst abgesagt

Das ist es in der Tat. Zwar kann niemand wissen, inwieweit und wie lange Ausstellungsbesuche Corona-bedingt möglich noch sind. Aber die Planungen für das Jahr 2022 sind nahezu nicht zu überblicken, selbst wenn Hinse eine aktuelle Einladung nach Peru gerade erst abgesagt hat: „Dazu fühl ich mich zu alt. Mit 73 macht man das nicht mehr“.

Bei Hinses Malerei muss es nicht immer der Pinsel, es kann auch mal ein Küchenschwamm sein. © Meike Holz

„Schwebendes Licht“ in Hannoveraner Kirchen

Seine Schau „Hoffnung“ in Erfstadt-Lechenich läuft schon und noch bis zum 18. April. Dann aber folgt direkt ab dem 19. Februar „Schwebendes Licht“ in Hannovers Markt- und der Kreuzkirche. Ein echtes Kulturereignis. In dem Wandelkonzert zur Eröffnung soll es eine Performance für 40 Flöten, Live Elektronik und – wenn möglich – Tanz geben. Surround-Sound live also, der das Installationsthema Licht musikalisch reflektieren soll. Danach folgen noch fast einen Monat lang zahlreiche Aktionen – von der Musik-Lesung bis zur Projektwoche für Schulklassen.

In Bocholt werden 20 Stationen bespielt

Und es geht nicht weniger beachtlich weiter. In Hamburg heißt es ab 2. März „licht.weg“ und auf Sylt geht es vom 21. Juni (Sommersonnenwende) bis zum 2. Oktober (Erntdank) um das „NordLICHTKreuz“.

Aber auch in der Region ist Hinse stark vertreten. Während es auf Burg Lüdinghausen mal weniger skulptural zugeht – und es sich in der Ausstellung „Bekannt – Unbekannt“ (4. September bis 30. Oktober) ausschließlich um Malerei dreht, heißt es in Bocholt – zum 800. Geburtstag der Stadt – gleich an 20 Orten, vom Museum über die Weberei bis zur Sparkasse, „LICHT. reich“ (18. September bis 20. November).

Die Erinnerungen an „Das Kreuz mit dem Kreuz“ sind für Hinse definitiv keine Bürde. © Meike Holz

„,Das Kreuz mit dem Kreuz‘ ist kein Kreuz“

Trotz so vieler Aktivitäten Jahr für Jahr, verbinden viele Menschen bei der Nennung des Namens Ludger Hinse zuallererst das Großprojekt „Das Kreuz mit dem Kreuz“, das von 2007 bis 2009 immerhin 142.000 Menschen in 77 Ausstellungen in 21 Städten erleben wollten. Wird man so darauf reduziert? Ist das „Kreuz mit dem Kreuz“ ein Kreuz?

Hinse im Gespräch mit unserer Zeitung: „Nein. Das ist ja eine Art Markenzeichen. Ein Alleinstellungsmerkmal. Ich kenne aktuell keinen Künstler, der mit dem Kreuz und Licht arbeitet. Das ist keine Bürde, sondern ganz gut. Ich bin ja nicht gezwungen, mich darauf zu reduzieren – und das hab ich auch nie gemacht. Allerdings hab‘ ich auch nix dagegen, wenn jemand eines kaufen möchte (lacht). Aber im Ernst: Auch in diesem Jahr arbeite ich teilweise mit dem Kreuz, aber auch in den Kirchen beispielsweise gibt es dazu immer noch andere Arbeiten – und es gibt auch Projekte nur mit Malerei. So wie Ende September auf der Burg Lüdinghausen“.

www.ludgerhinse.de

www.projektmkh.de

Hinse ist eines von vier Kindern einer Recklinghäuser Bergarbeiter-Familie. Nach der Volksschule machte er eine Post-Lehre, studierte Sozialarbeit, unterrichtete an der FH Bochum und wurde 1984 jüngster Vorsitzender der IG Metall Bochum. Seine erste öffentliche Ausstellung fand 1988 im Künstlerhaus Kenkmannshof statt.

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