Telefonaktion des Medienhauses Bauer

Die Schilddrüse: Ein kleines Organ mit großem Wumms

Experten des Hertener St. Elisabeth-Hospitals beleuchteten die „Schaltzentrale“ Schilddrüse im wahrsten Sinne des Wortes auch von nuklearmedizinischer Seite: Neben Ultraschall ist etwa die Szintigraphie ein wichtiges Diagnose-Instrument.
Zur Diagnose einer möglichen Schilddrüsen-Fehlfunktion und besonders bei heißen und kalten Knoten kommt auch Ultraschall, auch Sonographie genannt, zum Einsatz, um Zysten der Schilddrüse nachzuweisen oder zu kontrollieren. © dpa

Die Schilddrüse ist eine der hormonellen Schaltzentralen im menschlichen Körper. Funktioniert sie nicht oder nicht richtig, sprich liegt eine Über- oder Unterproduktion vor, fühlen wir uns entweder schlapp, müde und nehmen scheinbar grundlos an Gewicht zu oder wir leiden an Herzrasen, Nervosität, schwitzen und verlieren Pfunde. Ein kleines Organ mit großer Wirkung ist unsere Schilddrüse also. Erkrankt sie, sollten Betroffene sich frühzeitig behandeln lassen. Das ist die Botschaft, die die drei Experten des St. Elisabeth-Hospitals in Herten, Allgemein- und Viszeralchirurgie-Chefarzt Prof. Dr. Dr. Matthias Heuer, seine Oberärztin Dr. Kirsten Kimm sowie der Chefarzt der Radiologie und Nuklearmedizin, Dr. Jörg Beautemps, bei der jüngsten Telefonaktion des Medienhauses Bauer im Gepäck hatten. Ein Überblick:

Welche wichtige Aufgabe übernimmt die Schilddrüse in unserem Körper?

Im menschlichen Körper übernimmt die Schilddrüse zahlreiche lebenswichtige Aufgaben. So produziert sie etwa Hormone, die etwa das Herz-Kreislaufsystem, die Verdauung, den Knochenaufbau aber auch die Psyche beeinflussen. Diese Hormone, die das kleine Organ mit großer Wirkung jeden Tag ausschüttet, beeinflussen also unseren gesamten Organismus. Gerät die ausgewogene Produktion nun aus dem Gleichgewicht, entwickelt sich eine Über- oder Unterfunktion. Bei Entzündung oder Kropfbildung des Schilddrüsengewebes kann es ebenfalls zu Hormonstörungen kommen. Wichtig dabei: Erkrankt die Schilddrüse, sind die Symptome am Anfang zwar häufig erst einmal unspezifisch, aber ein erfahrener Haus- oder Facharzt kann durch Bluttests, Ultraschall und spezielle bildgebende Verfahren feststellen, wo die Ursache liegt.

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion und welche Symptome deuten darauf hin?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion, der sogenannten Hypothyreose, werden zu wenige Hormone ausgeschüttet. Mögliche Symptome sind unter anderem Gewichtszunahme, Müdigkeit oder leichtes Frieren.

Und was steckt hinter einer Überfunktion?

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion, der sogenannten Hyperthyreose, schüttet das Organ mehr Hormone aus, als der Körper benötigt. Mögliche Symptome sind hier etwa Herzrasen, Nervosität, Gewichtsabnahme oder vermehrtes Schwitzen. Weitaus häufiger leiden Betroffene aber unter einer Vergrößerung der Schilddrüse, auch Struma oder Kropf genannt – das kann mit oder ohne Knoten und mit normaler Schilddrüsenfunktion (Euthyreose) auftreten.

Wann ist das gefährlich?

In seltenen Fällen kann sich hinter einem Schilddrüsenknoten eine bösartige Geschwulst verbergen. Die Schilddrüsenuntersuchung dient dann unter anderem zur Abgrenzung von gutartigen und bösartigen Erkrankungen. Deshalb sollte man seine Schilddrüse rechtzeitig untersuchen lassen und – falls vorhanden – Vorbefunde mitbringen.

Wie wird diagnostiziert?

Am Anfang der Schilddrüsenuntersuchung steht die sogenannte Anamnese. Dabei werden die Beschwerden in einem ausführlichen persönlichen Gespräch aufgenommen. Dann folgt die körperliche Untersuchung durch Abtasten des Halses. Dieses Abtasten kann bereits Hinweise auf eine Vergrößerung oder auch einen Knoten der Schilddrüse geben. In der bildgebenden Diagnostik wird zunächst die Sonografie, auch Ultraschall genannt, eingesetzt, um Knoten oder Zysten der Schilddrüse nachzuweisen oder zu kontrollieren. Größe, Durchblutung und Beschaffenheit des Schilddrüsengewebes werden dabei beurteilt. Die Labordiagnostik erlaubt zudem die Bestimmung der Schilddrüsenwerte im Blut. Die Szintigrafie wiederum ermöglicht die Beurteilung der Schilddrüsenfunktion. Sie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der genau die Bereiche der Schilddrüse sichtbar gemacht werden können, die mit Knoten befallen sind. Dabei unterscheidet man zwischen sogenannten heißen und kalten Knoten, die selten bösartig sein oder werden können.

Wie funktioniert die Szintigraphie genau?

Dazu wird eine sehr kleine Menge einer radioaktiven Substanz in die Armvene injiziert, die sich nach etwa 15 Minuten in der Schilddrüse anreichert. Im Anschluss wird eine fünfminütige Aufnahme angefertigt. Stellt sich bei der normalen Szintigrafie ein kalter Knoten in der Schilddrüse dar, kann eine zusätzliche MIBI-Szintigrafie veranlasst werden. Falls das Ergebnis unauffällig aus, können Betroffene zu 97 Prozent eine bösartige Schilddrüsenerkrankung ausschließen. Zur weiteren Abklärung von kalten Knoten kann eine Gewebeprobe der Schilddrüse mit einer dünnen Nadel unter Ultraschallkontrolle entnommen und nach sogenannten Pathologien untersucht werden. Schließt sich eine Standardtherapie an, können die Patienten häufig mit Medikamenten gut eingestellt werden.

Wie wird therapiert, wenn konservative Möglichkeiten mit Medikamenten ausgeschöpft sind?

Dann ist der chirurgische Eingriff nötig, also eine Operation, etwa bei einer starken Vergrößerung der Schilddrüse, die sich frühzeitig durch Schluckbeschwerden und Luftnot äußert. Dabei sind nur kleine Schnitte nötig, die ein geringes Risiko und nur eine kurze Verweildauer im Krankenhaus mit sich bringen. Wichtig ist es dabei, die Operationsmethode an das Krankheitsbild des Patienten individuell anpassen. Häufig genügen dazu schon kleine Zugänge, über die die Mediziner das erkrankte Gewebe entfernen können. Dabei können sie auch bei der Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsen-Operation die minimalinvasive Operationstechnik nutzen, um so noch bessere medizinische und auch kosmetische Ergebnisse zu erzielen. Die Krux: Direkt neben der Schilddrüse verläuft ein Nerv, der die Stimmbandfunktion beeinflusst. Würde bei Verletzung des Nervs eine Stimmbandlähmung provoziert, drohten Luftnot sowie Heiserkeit. Deshalb wird der Eingriff, den stets ein erfahrener Chirurg vornehmen sollte, in der Regel permanent überwacht.

Und anschließend?

Nach der Operation kann der Patient seine Stimme sofort wieder ohne Einschränkungen nutzen und muss sie nicht schonen. Um eventuell die Hormonproduktion des entfernten Schilddrüsengewebes zu ersetzen, müssen einige Betroffene allerdings lebenslang Schilddrüsenhormone einnehmen. Ob das nötig ist, entscheidet der behandelnde Arzt anhand einer feingeweblichen Untersuchung und der Schilddrüsenhormone im Blut.

Noch einmal zur Szintigraphie: Knoten in der Schilddrüse werden in heiß und kalt unterteilt. Was heißt das?

Heiße Knoten bestehen aus überaktivem Gewebe. Sie nehmen verstärkt Jod auf und bilden unkontrolliert Schilddrüsenhormone, sorgen so für eine Überfunktion. Bei heißen Knoten kann man fast immer sicher sein, dass die Veränderungen gutartig sind. Anders bei den kalten Knoten: Sie sind inaktiv und sehen auf den Ultraschallbildern wie eine Aussparung aus. Dabei handelt es sich überwiegend um Zysten oder gealtertes Gewebe oder Narbenbildungen, die kein Jod aufnehmen und keine Schilddrüsenhormone produzieren können. Die meisten kalten Knoten sind zwar auch gutartige Veränderungen, doch sie können bösartig werden beziehungsweise entarten. Allerdings ist dies nur bei weniger als fünf Prozent der Fall. Dennoch gilt: Ein kalter Knoten muss immer sorgfältig und regelmäßig untersucht werden. Gegebenenfalls wird zu einer operativen Entfernung geraten.

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