Kreis Recklinghausen

Die Waldbrandgefahr in der Haard und der Hohen Mark ist hoch

Der Gefahrenindex zeigt die Stufe 4 an. Am Freitag dürfte sich die Lage kurzzeitig entspannen. Insgesamt blickt Forstamtsleiter Blaschczok dem Sommer aber mit Sorge entgegen.
Rainer Olschewski hat auf dem Feuerwachturm Farnberg in der Haard alles im Blick. Die Waldbrandgefahr ist hier aktuell hoch. © Meike Holz

Die Waldbrandgefahr in unserer Region ist hoch. Der entsprechende Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes steht seit gestern auf der Stufe 4 – und damit der zweithöchsten. Dementsprechend sind die Feuerwachtürme am Rennberg und Farnberg in der Haard sowie am Galgenberg in der Hohen Mark besetzt – „und das schon seit vergangener Woche, immer von 11 bis 19 Uhr“, sagt Kersten Blaschczok, Fachbereichsleiter von RVR Ruhr Grün.

Grillen wäre eine „abstruse Idee“

Der Verbandsforstdirektor appelliert angesichts von Trockenheit und Hitze an die Menschen, sich an die Spielregeln zu halten, die im Wald herrschen. Das heißt zum Beispiel:

– das Rauchverbot zu beherzigen, das dort vom 1. März bis zum 31. Oktober gilt,

– grundsätzlich nie auf die „abstruse Idee“ (Blaschczok) zu kommen, dort irgendwo ein Feuer zu machen oder zu grillen

– und keine Flaschen wegzuschmeißen – „wegen der Müllproblematik, aus Tierschutzgründen und weil Scherben wie Brenngläser wirken können“.

„Bitte nicht rauchen, nicht grillen und kein Feuer entzünden“: Denn die Waldbrandgefahr ist derzeit hoch. © Meike Holz © Meike Holz

Die Hauptursache für Waldbrände seien nicht Gewitter oder dergleichen, betont Blaschczok, sondern das fahrlässige Verhalten von Bürgern.

Er weiß: Haard und Hohe Mark sind beliebte Ausflugsziele – gerade auch bei Hitze. Zudem hätten viele Menschen den Wald durch die Corona-Pandemie für sich entdeckt. Doch gerade auch diesen neuen Gästen würde manchmal noch die nötige Sensibilität fehlen, um sich dort richtig zu bewegen.

Dazu gehört beispielsweise auch das Thema Parken: So sollten die Waldzufahrten unbedingt für die Feuerwehr freigehalten und – so steht es auf der Homepage der Bezirksregierung Münster – ein Auto nicht im hohen Gras abgestellt werden: wegen der Abwärme des Fahrzeugs.

App hilft bei der Standort-Bestimmung

Aber was können Spaziergänger, Wanderer, Jogger, Reiter oder Radfahrer tun, wenn sie selbst einen Brand entdecken? Teil eins der Antwort versteht sich von selbst: Wenn es sich nicht um einen kleinen Entstehungsbrand handelt, den man mithilfe von Sand selbst gefahrlos ersticken kann, schnellstmöglich die Feuerwehr über die Rufnummer 112 verständigen. Allerdings dürfte es vielen dann nicht so leicht fallen, der Leitstelle mitzuteilen, wo genau es denn brennt. „Und genau dafür gibt es die App ‚Hilfe im Wald‘“, sagt Blaschczok. Mit deren Hilfe könne man den eigenen Standort ermitteln sowie die nächstgelegenen Rettungspunkte. Angaben, die für die Feuerwehr sehr wichtig sind – auch bei Unfällen.

36 Meter ist der Feuerwachturm Farnberg in der Haard hoch. Bis zur Turmspitze sind es sogar 38 Meter. © Meike Holz © Meike Holz

Am morgigen Freitag dürften Niederschläge für eine kurzfristige Entspannung der Lage in der Haard und der Hohen Mark sorgen. Insgesamt blickt Blaschczok dem Sommer aber mit einer gewissen Sorge entgegen – und den darauffolgenden angesichts des Klimawandels auch. „Dieser Frühling war mal wieder niederschlagsreicher als in den Vorjahren.“ Dennoch geht Blaschczok davon aus, dass sich die Entwicklung fortsetzen wird und man in Zukunft vermehrt mit regenarmen Frühjahren sowie trockenen und heißen Sommern rechnen muss. Die Folgen: Junge Pflanzen können nicht wachsen und gedeihen – und die Waldbrandgefahr steigt.

Borkenkäfer verschärft das Problem

Vor allem, wenn dann noch der Borkenkäfer die trockenen und somit weniger widerstandsfähigen Bäume zum Absterben bringt. „Denn abgestorbene Fichten brennen besser als grüne“, sagt Blaschczok. Und resümiert: „Ich betrachte das Ganze mit Sorge.“

Allein im Jahr 2020 wurden in NRW nach Angaben des Umweltministeriums 227 Brände registriert, die eine Waldfläche von insgesamt rund 60 Hektar zerstört haben. Der Brandanfälligkeit der Wälder soll mit der Entwicklung vielfältiger und klimastabiler Mischwälder begegnet werden. In Haard und Hoher Mark gibt es derzeit noch sehr viel Nadelholz. Die Kiefer dominiert.

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