Mobilität

E-Scooter leihen: Das ist bald in drei Städten möglich

Im nächsten Jahr will auch Gladbeck den Weg frei machen für kommerzielle Anbieter. Dass die E-Roller nicht nur Gefallen finden, zeigt sich in Recklinghausen und Castrop-Rauxel.
Wenn E-Scooter Gehwege blockieren, ist das eine Gefahr und ein Ärgernis gleichermaßen. © picture alliance/dpa

Gladbeck ist die dritte Stadt im Kreis Recklinghausen, die grünes Licht gibt für kommerzielle Verleiher von elektrischen Rollern. In Recklinghausen und Castrop-Rauxel, wo die sogenannten E-Scooter bereits seit längerem zum Straßenbild gehören, macht sich hingegen zunehmend Unmut breit.

In Gladbeck hat die Politik – gegen die Stimmen von Grünen und Linken – jetzt einem Vorschlag der Stadtverwaltung zugestimmt, Elektro-Scooter ab dem nächsten Jahr auf Leihbasis zuzulassen – allerdings zunächst testweise für zwölf Monate. Es gebe bereits Anfragen von drei Verleih-Anbietern, heißt es.

Die Verwaltung will nun mit den Anbietern in Verhandlungen über eine Kooperationsvereinbarung einsteigen. Gedacht ist an eine Flottengröße von rund 300 E-Scootern. Stadtbaurat Dr. Volker Kreuzer sagte, die Chancen, die sich aus einem erweiterten, innerstädtischen Mobilitätsangebot für Gladbeck ergeben, sollten genutzt werden.

Stadtverwaltung spricht sich für Sperrgebiete aus

Die Verwaltung verhehlt indes nicht, dass es auch Nachteile und Probleme mit den Fahrzeugen gibt. So zählen E-Scooter nicht zu den umweltfreundlichsten Formen der Mobilität, Grund sei die kurze Lebensdauer der Akkus. Auch das falsche Abstellen der E-Scooter im Stadtgebiet, das nächtliche Einsammeln der Roller durch Geringbeschäftigte sowie Falschverhalten von E-Scooter-Fahrern im Straßenverkehr seien Kritikpunkte. Die Verwaltung, so Kreuzer, wolle auf die Verleihfirmen einwirken, bestimmte Sperrgebiete für die Elektroroller auszuweisen – das Erholungsgebiet Wittringen oder die Fußgängerzone etwa sollen zum Abstellen der Scooter tabu sein.

In zwei Städten des Kreises Recklinghausen gibt es bereits kommerzielle Verleiher von E-Scootern. In Recklinghausen haben sie seit September 2020 rund 650 dieser Fahrzeuge auf die Straße gebracht, in Castrop-Rauxel sind es seit April dieses Jahres bislang zwischen 150 und 200. Mittels einer Handy-App können Benutzer am E-Scooter einen Barcode einscannen und sich mit dem E-Roller dann kostenpflichtig auf den Weg machen.

Polizei verzeichnet zunehmend Unfälle mit E-Rollern

Die Kreispolizeibehörde Recklinghausen verzeichnet unterdessen zunehmend Unfälle mit elektrischen Rollern. Statistisch werden sie zwar noch nicht separat erfasst, aber Zwischenfälle mit E-Scootern tauchen regelmäßig in den Berichten des Präsidiums auf. Die Behörde ist deshalb der Auffassung, dass Polizei und Kommunen im Sinne der Verkehrssicherheit diese elektrischen Kleinstfahrzeuge „gut im Auge behalten“ sollten.

Viele Bürger sehen in E-Scootern ein Ärgernis, weil sie von den Nutzern nicht ordentlich geparkt werden, sondern Bürgersteige blockieren. „Leute mit Rollator, Kinderwagen oder im Rollstuhl haben ein richtiges Problem“, sagt Erich Burmeister von der Linkspartei in Recklinghausen. Seine Fraktion hat einen Ratsantrag auf den Weg gebracht, in dem Politik und Stadtverwaltung aufgefordert werden, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen. Auch die rücksichtslose, Fußgänger gefährdende Fahrweise wird von der Linken angeprangert.

E-Scooter-Betreiber sollen Sondernutzungsgebühren bezahlen

In Castrop-Rauxel fordert der Inhaber der Altstadt-Apotheke in der Innenstadt, Winfried Radinger, dass E-Scooter-Betreiber Sondernutzungsgebühren für auf Gehwegen und öffentlichen Plätzen abgestellte E-Roller bezahlen sollen – so wie sie auch bei Gastronomen fällig werden, wenn sie Tische und Stühle vor ihren Lokalen aufstellen. Schließlich blockierten die E-Fahrzeuge öffentliche Wege zwischen zwei Fahrten. Bei der Stadtverwaltung läuft der Apotheker mit seinem Vorschlag keine offenen Türen ein. Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi dämpft die Erwartungen mit dem Hinweis auf die „unklare Rechtslage“.