Landgericht Essen

Ehepaar nach Albtraum-Vorwürfen freigesprochen

Ein Ehepaar aus Gladbeck sollte Minderbegabte gequält und ausgeplündert haben. Am Ende fehlten jedoch die Beweise.
Freigesprochen: Das Ehepaar aus Gladbeck neben seinen Verteidigern Andreas Wieser und Stephanie Linten. © Jörn Hartwich

Die Vorwürfe klangen gemein und menschenverachtend: Monatelang sollte ein Ehepaar aus Gladbeck zwei Minderbegabte finanziell ausgeplündert, fast ausgehungert und psychisch gequält haben. Beweisen ließ sich das jedoch nicht. Die beiden 32-Jährigen sind am Essener Landgericht freigesprochen worden.

Obwohl sie selbst in einer Mini-Wohnung lebten, hatten die Angeklagten zwei Bekannte, die an einer Minderbegabung leiden, bei sich aufgenommen. Sie ließen sich eine Generalvollmacht ausstellen, lösten eine Lebensversicherung auf, leiteten öffentliche Unterstützungsgelder auf ihr eigenes Konto um.

Nur zwei Scheiben Brot

Als die Behörden 2019 auf die Lebensumstände aufmerksam wurden, sollen die neuen Mitbewohner schon monatelang nicht mehr ausreichend zu essen bekommen haben. In der Anklage war von zwei Scheiben Brot die Rede – eine morgens, eine abends. Außerdem sollen jegliche Außenkontakte verboten gewesen sein.

Im Prozess stellte sich dann allerdings heraus, dass die Beweisführung gar nicht so einfach war. Der hauptangeklagte Ehemann hat selbst nur einen IQ von 59. Er hatte von Anfang an jeglichen Zwang bestritten und die Übernahme der Geldgeschäfte als Hilfsangebot bezeichnet, in das die minderbegabten Mitbewohner eingewilligt hätten. Genau das ließ sich am Ende nicht widerlegen.