Uhrmacher-Ausbildung in Recklinghausen

„Ein Uhrwerk – das ist wie eine kleine Stadt“

Viele Menschen sind von der Zeitmessung fasziniert. Am Recklinghäuser Max-Born-Berufskolleg gibt es die seltene Ausbildung zum Uhrmacher. Eine neue Kooperation soll das Angebot jetzt noch attraktiver machen.
Praxisausbildung: Uhrmachermeister Ulrich Müller gibt dem Auszubildenden Julius Linnhoff Ratschläge. © Meike Holz

Julius Linnhoff ist begeistert. „Ein Uhrwerk – das ist wie eine kleine Stadt“, sagt er mit Blick auf das Innenleben einer Armbanduhr. „Diese Verbindung von ganz vielen kleinen Einzelteilen und hoher Perfektion – das finde ich faszinierend“, schwärmt der 19-Jährige. Julius Linnhoff ist sehr zufrieden – mit seiner Ausbildung zum Uhrmacher am Max-Born-Berufskolleg.

Die „Faszination der Mechanik“ soll weitergegeben werden

Die Recklinghäuser Schule ist der einzige Standort in NRW, der diese Ausbildung anbietet. Insgesamt etwa 60 junge Leute, vorwiegend Männer, sind hier momentan dabei, das Uhrmacher-Handwerk zu erlernen. „Wir können alles, was mit der Uhrmacher-Ausbildung zusammenhängt, bei uns anbieten“, betont Ulrich Müller, einer der lehrenden Uhrmachermeister am Berufskolleg (BK), auch mit Blick auf die vorhandenen Werkstätten an der Schule. Doch jetzt soll die Ausbildung noch etwas attraktiver werden: Das BK hat eine Kooperation mit dem „Landesinnungsverband für Uhren, Schmuck und Zeitmessung“ sowie der „Deutschen Gesellschaft für Chronometrie“ (DGC) geschlossen. Zum gemeinsamen Programm sollen unter anderem Exkursionen zu Unternehmen der Uhrenbranche und Seminare am BK für Laien und Experten gehören. „Wir möchten das Uhrenhandwerk gerne mehr in die Öffentlichkeit bringen“, betont Josef M. Stadl. Der Präsident der DGC spricht von der „Faszination der Mechanik“, die er gemeinsam mit dem Berufskolleg auch an junge Leute weitergeben möchte.

Bei Julius Linnhoff rennt er da offene Türen ein: Der junge Mann berichtet begeistert über mechanische Umsetzungen, die Uhren leisten – er nennt neben der Uhrzeit Stichworte wie Mondphasen und ewiger Kalender. Und wieder fällt der Begriff „faszinierend.“

Ein Blick in die Uhrmacher-Werkstatt des Max-Born-Berufskollegs: Lehrer Ulrich Müller, Alfons Bußkamp vom Landesinnungsverband, Josef Stadl von der „Deutschen Gesellschaft für Chronometrie“ und Schulleiterin Simone Holl (v.l.) schauen den Auszubildenden über die Schulter. © Meike Holz © Meike Holz

Dass das Uhrenhandwerk anspruchsvolle Arbeit bedeutet, erfahren die Auszubildenden am Max-Born-Berufskolleg sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. „In unseren Werkstätten können alte Uhren repariert, Teile angefertigt werden“, berichtet Ulrich Müller. Wichtig für die angehenden Uhrmacher seien bei den feinmotorischen Arbeiten Ruhe und Geduld. „Außerdem braucht ein Uhrmacher eine gute Analysefähigkeit: Er muss Fehler finden, Verschmutzungen erkennen, defekte Teile ausmachen“, beschreibt Ulrich Müller das Anforderungsprofil.

Die „Faszination der Mechanik“ wird in der Uhrmacher-Werkstatt am Max-Born-Berufskolleg auch durch alte Stücke lebendig. © Meike Holz © Meike Holz

Drei Jahre lang dauert die Ausbildung zum Uhrmacher, die angehenden Handwerker sind dabei entweder im Vollzeitunterricht am BK oder in einem Uhrmacherbetrieb mit begleitendem Berufsschul-Unterricht. Julius Linnhoff absolviert zurzeit vollzeitschulisch sein zweites Ausbildungsjahr. Der junge Mann aus Soest kann sich seine berufliche Zukunft bereits gut vorstellen. „Da gibt es sicherlich viel im Reparaturgeschäft zu tun, vom Säubern der Uhren bis zum Herauspolieren von Kratzern. Und ich würde gerne auch selber Uhren bauen“, sagt der 19-Jährige.

„Das ist kein aussterbender Beruf“

Für Ulrich Müller hat die Arbeit des Uhrmachers auf jeden Fall Zukunft: „Das ist kein aussterbender Beruf. Es gibt eine große Nachfrage nach hochwertigen Uhren, da werden Uhrmacher gebraucht – zum Nacharbeiten und Reparieren, auch um Teile für Sammlerstücke anzufertigen.“

„Wenn die Auszubildenden bei uns fertig sind, bekommen sie in der Regel alle einen Job“, sagt Simone Holl. Die Leiterin des Max-Born-Berufskollegs berichtet, dass in vergangenen Jahren schon Firmen mit „Bewerbungs-Mappen“ in die Schule gekommen seien, um zukünftige Mitarbeiter zu werben. Für Simone Holl steht fest: „Das ist ein toller Beruf mit Perspektive.“