Neue Philharmonie Westfalen

Ganz oben auf der Wunschliste steht Mahler

Mit der Neuen Philharmonie Westfalen lässt Generalmusikdirektor Rasmus Baumann in der nächsten Saison noch Vorsicht walten. Nur drei Programme stehen fest.
An einen Auftritt in solch großer Besetzung ist fürs erste nicht zu denken: die Neue Philharmonie Westfalen mit Generalmusikdirektor Rasmus Baumann. © Pascal Amos Rest

Noch in der kommenden Saison bremst die Corona-Pandemie die Neue Philharmonie Westfalen (NPW) scharf aus. An einen Auftritt mit 105 der 124 Musiker wie zuletzt im November 2019 mit Igor Strawinskys „Sacre du printemps“ ist in den nächsten Monaten nicht zu denken.

Höchstens 35 Orchestermusiker lassen die Abstandsregeln auf den Konzertpodien zu. Das hat unweigerlich Einfluss auf die Programme. Schon Anton Bruckners vierte Sinfonie, die „Romantische“, ist nicht mehr drin, wenn Generalmusikdirektor Rasmus Baumann wider Erwarten im 9. Sinfoniekonzert am 28. Juni im Musiktheater im Revier und tags darauf im Ruhrfestspielhaus endlich wieder vor Publikum den Taktstock hebt.

Da passt Beethovens „Vierte“ mit überschaubarer Besetzung

Da passt dann unter dem Motto „Aufbruchstimmung“ allenfalls die „Vierte“ von Beethoven mit ihrer überschaubaren Besetzung. Es ist das dritte von neun Sinfoniekonzerten, die zwischen den drei Wellen der Pandemie gespielt werden durften. Ein ums andere Mal mussten die schönsten Vorhaben verschoben oder verworfen werden. Baumann sah sich zusehends aus der Rolle des künstlerischen Gestalters in die Rolle des Krisen-Managers gedrängt. Daraus hat der 48-jährige Orchesterchef, der seit drei Jahren an der Musikhochschule Stuttgart künftige Dirigenten ausbildet, Konsequenzen gezogen.

Die Spielzeitbroschüre enthält kein einziges Programm

Die neue Spielzeitbroschüre enthält kein einziges Programm. Stattdessen ist das erste von drei geplanten Teilsaison-Konzertheften eingefügt. Es enthält das Angebot vom Spätsommer bis zum Herbst. Selbst die ersten drei Konzertprogramme, die darin vorgestellt sind, enthalten noch Lücken.

Das erlaubt der Neuen Philharmonie, flexibel auf wechselnde Bedingungen der längst nicht überwundenen Pandemie zu reagieren. Der hier im Januar 2019 mit Tschaikowskys Violinkonzert umjubelte russische Violinsolist Kirill Troussov spielt zum Auftakt das Violinkonzert von Jean Sibelius (14. und 17. September im Ruhrfestspielhaus).

„Vorbilder“ lautet das Programm des ersten Sinfoniekonzertes

„Vorbilder“ lautet das Programm des ersten Sinfoniekonzertes. Da verweist Robert Schumann mit seiner „Vierten“ auf Johannes Brahms, dessen „Akademische Festouvertüre“ den Abend eröffnet. Bekannt vorkommen dürften dem Publikum die Programme der nächsten beiden Sinfoniekonzerte. Die „Nordischen Impressionen“ mit Edvard Griegs Klavierkonzert, gespielt von Sebastian Knauer, und Sibelius‘ „Finlandia“ sollten im April 2020 erklingen (5. und 11. Oktober im Ruhrfestspielhaus).

„Captain Future meets Iron Man“

„Very British“ mit Donizettis Ouvertüre zur Oper „Roberto Deveraux“ und Eward Elgars Cellokonzert, das Briten-Fan Baumann besonders schätzt (14. und 16. November im Ruhrfestspielhaus), war bereits für diesen März angekündigt. Für die sechs folgenden Sinfoniekonzerte stehen nur die Daten fest, aber kein einziges Programm (6./7. Dezember, 18. Januar, 15. Februar, 15. März, 5. April, 19. Juni). Obenan auf Baumanns Wunschliste steht zum Saisonausklang im 9. Sinfoniekonzert Gustav Mahlers groß besetzte dritte Sinfonie mit dem Alt-Solo „Oh Mensch, gib acht“ aus Nietzsches „Zarathustra“.

Klassik-Dialoge in den Räumen der Sparkasse Vest

Festgezurrt sind ebenfalls nur die ersten beiden Programme der Klassik-Dialoge in den Räumen der Sparkasse Vest. „Mozart im Film“ heißt es zum Start (12. September), wenn eine Suite aus Bernard Herrmanns Filmmusik zu Hitchcocks „Psycho“ auf Samuel Barbers Adagio für Streicher und Mozarts Klarinettenkonzert mit der namhaften Solistin Nicola Jürgensen trifft. „Mozart versus Salieri“ folgt darauf (28. November). Auch die populäre Reihe „NPW goes …“ geht in eine neue Runde, diesmal unter dem Motto „Captain Future meets Iron Man“ (12. November im Ruhrfestspielhaus). Die Reihen „NPW Barock“, am 24. November mit dem Berliner Konzertmeister Bernhard Forck, Rathauskonzerte, das von Baumann dirigierte Weihnachtskonzert und das Neujahrskonzert unter der Leitung von Aurélien Bello runden mit Schul- und Familienkonzerten ein reiches Angebot ab.

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