BOB: Aktion gegen Alkoholfahrten - darum macht die Polizei im Kreis nicht mit

Redakteur Regionales
Keine Autofahrten mit Alkohol: Die Aktion BOB - mit dem knallgelben Schlüsselanhänger - gilt als eine erfolgreiche Präventionskampagne. © picture alliance/dpa
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Ursula Wagner berichtet von ihrer Fahrt durch die Niederlande: „Am Rand der Autobahnen standen immer wieder Schilder, die für BOB geworben haben. Da habe ich mich gefragt: Wer oder was ist dieser BOB?“ So wie der Recklinghäuserin, die nicht möchte, dass ihr echter Name veröffentlicht wird, mag es manchem Reisenden gegangen sein: Denn die BOB-Plakate sind in unserem Nachbarland häufig anzutreffen und schwer zu übersehen.

BOB bekennt sich zu 0,0 Promille

BOB ist eine Kampagne gegen Alkohol am Steuer, die in den neunziger Jahren in Belgien ins Leben gerufen wurde. Dabei ist BOB die Person einer Gruppe, die nach Absprache kein Alkohol trinkt und seine Mitfahrer und sich sicher am Ende des Abends nach Hause bringt. BOB ist sich seiner Verantwortung für das Fahren bewusst, für ihn gilt 0,0 Promille, in teilnehmenden Gaststätten und Diskos erhält er ein alkoholfreies Getränk gratis. Zu erkennen ist er an einem knallgelben BOB-Schlüsselanhänger.

Verbreitet ist die BOB-Kampagne unter anderem in Belgien und den Niederlanden – aber auch in Deutschland sind einige Regionen dabei, so zum Beispiel das Polizeipräsidium Mittelhessen. Dort spricht man von einem „erfolgreichen Verkehrspräventionsprogramm“, Untersuchungen sehen einen Zusammenhang zwischen BOB und dem Rückgang von Unfallzahlen. „Das ist doch eine gute Sache. Warum macht der Kreis Recklinghausen da nicht mit?“, fragt Ursula Wagner.

Polizei Recklinghausen führt den „Crash Kurs“ durch

Annette Achenbach weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es von der Polizei in NRW die landesweite Präventionskampagne „Crash Kurs“ gibt – und zwei Aktionen mit dem gleichen Ziel nicht sinnvoll seien. Die Sprecherin der Polizei für den Kreis Recklinghausen und Bottrop erläutert: „Beim ,Crash Kurs‘ gehen wir in die Schulen ab der zehnten Jahrgangsstufe. Hier schildern zum Beispiel Polizeibeamte, Rettungskräfte, Ärzte und Seelsorger eindrucksvoll den Schülerinnen und Schülern ihre Erlebnisse bei schweren und auch tödlichen Unfällen. Eine Besonderheit ist, dass dabei auch Eltern berichten, deren Kinder im Straßenverkehr gestorben sind. Das ist schon bewegend, sehr eindrucksvoll – und führt bei den Jugendlichen zum Nachdenken.“

„Für die Gefahren im Straßenverkehr sensibilisieren“

Ab Dezember 2022 soll die Aktion „Crash Kurs“ – nach coronabedingten Problemen – wieder verstärkt in den Schulen stattfinden. „Wir bleiben da dran“, versichert Annette Achenbach. Die Sprecherin sagt zugleich, dass der Erfolg von Präventionsmaßnahmen immer schwer zu messen ist, „aber wir hoffen, dass wir auf diesem Weg die Jugendlichen für die Gefahren im Straßenverkehr sensibilisieren und den einen oder anderen davon abhalten, zu rasen oder sich unter dem Einfluss von Alkohol hinters Steuer zu setzen.“

Die Kampagnen BOB und „Crash Kurs“ richten sich beide vor allem an junge Menschen – Fahranfänger und Führerschein-Inhaber von morgen. Das hat seinen Grund: Laut Polizei Mittelhessen sind Fahranfänger im Alter zwischen 18 und 24 Jahren an schweren Verkehrsunfällen beteiligt. Bei den Unfällen unter Alkoholeinwirkung liege diese Beteiligung sogar bei über 30 Prozent. Die Statistik des Polizeibezirks Kreis Recklinghausen plus Bottrop bestätigt das in etwa: Hier gab es 2021 insgesamt 96 Unfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss, bei 27 dieser Unfälle waren junge Erwachsene als Fahrer beteiligt.

Unterschiedliche Aktionen mit dem gleichen Ziel

So betont Annette Achenbach mit Blick auf BOB und „Crash Kurs“: „Es gibt eben unterschiedliche Aktionen – die aber das gleiche Ziel haben. Und jede Präventionskampagne ist gut, wenn durch sie Unfälle vermieden werden.“ Das sieht auch Ursula Wagner so – allerdings ist ihr die Aktion BOB sympathischer: „Beim ,Crash Kurs geht es viel um Abschreckung. BOB ist da konstruktiver, es wird eine Lösung aufgezeigt, wie das alkoholfreie Fahren funktioniert – mit der entsprechenden Verantwortung für sich selbst und andere.“

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