Betrügern auf der Spur

Immer mehr Fälschungen bei Impfausweisen

Apothekern in Gladbeck und im Kreis Recklinghausen werden vermehrt manipulierte Dokumente vorgelegt. Diese kann man sogar über das Internet bestellen. Polizei ermittelt nach Anzeige.
Die Offenlegung des Impfstatus ist gefährlich, meint unsere Autorin. © dpa

Die bald kostenpflichtigen Abstriche an zertifizierten Corona-Teststellen und die Ausweitung der 2G-Regel erhöhen offenbar den Druck auf Impfunwillige oder Impfgegner. Denn die Apotheker im Kreis stellen eine deutliche Zunahme von gefälschten Impfpässen fest, die ihnen vorgelegt werden. Beim Kreis Recklinghausen selbst häufen sich die Anzeigen zwar nicht, wie Sprecherin Lena Heimers auf Nachfrage mitteilt, doch einige Fälle sind durchaus bekannt.

„Uns liegen aktuell insgesamt 13 Anzeigen wegen Fälschungen vor“, sagt Polizeipressesprecherin Corinna Kutschke auf Nachfrage. In diesen Fällen wird derzeit auch ermittelt.

Fast täglich kommen neue Anzeigen hinzu

„Meine Kollegen aus Gladbeck und anderen Kreisstädten wenden sich meist an das Impfzentrum des Kreises, sobald sie den Verdacht haben, dass ihnen ein gefälschter Impfausweis vorliegt“, berichtet die Apothekensprecherin des Kreises Dorothee Pradel. Diese Anfragen liefen dann bei ihr als Pharmazeutischer Leiterin des Impfzentrums auf.

Seien es im gesamten Impfzeitraum nur etwas mehr als eine Handvoll aufgefallener Impfpass-Fälschungen gewesen, so habe sich das Bild jetzt mit dem nahenden Ende der kostenlosen Bürgertests (11. Oktober) geändert. „Allein in der vergangenen Woche waren es zehn, am Montag kamen zwei weitere hinzu“, so Pradel. In ihrer Apotheke hätte ein Kunden sogar ganz dreist nachgefragt, „ob er Blanko-Impfausweise bei mir kaufen könne“.

Legal geht das natürlich nicht. Ein Test zeigt, wie erschreckend einfach man via Internet ein gefälschtes Dokument kaufen kann. Mit nahe liegenden Suchbegriffen lässt sich ein krimineller Händler schnell über den Internet-Messenger Telegram finden.

Zahlung mit Kryptowährung

Nach kurzer Zeit sind wir mit einem Händler in Kontakt. „Kann man bei dir einen Impfpass mit Biontech bestellen? Lieferst du auch nach Gladbeck?“, fragen wir. Fünf Minuten später kommt die Antwort: „Beides kein Problem.“ Allerdings wird uns empfohlen, die Bestellung nicht über Telegram abzuschließen, sondern die Website des Händlers zu besuchen. Sie wirkt wie ein herkömmlicher Online-Shop – nur werden hier eben gefälschte Dokumente angeboten. Die Preise: 150 Euro für einen Impfpass, in dem eine doppelte Biontech-Impfung eingetragen wurde. Bezahlt werden soll ausschließlich mit Kryptowährungen wie Bitcoins. Aber wir bekommen Links zugeschickt, um unkompliziert Krypto-Gutscheine kaufen zu können. An die Bitcoin-Börse müssen wir also nicht. Nur zur Erinnerung: Eine Corona-Impfung gibt es kostenlos und inzwischen auch ohne Termin.

Wir fragen den Händler noch einmal via Messenger: „Ist das auch sicher?“, „Das ist Original“, versichert er. Sollte dies stimmen, hätte man mit dem Fake-Pass auch keine Probleme, einen digitalen Nachweis in der Apotheke zu erhalten. Denn das Problem für die Apothekerinnen und Apotheker ist, dass es keine zentrale Datenbank gibt, wo die echten Impfungen abgespeichert sind und schnell mit Dokumenten online abgeglichen werden könnten.

Impfausweis-Fälschungen sind gut zu erkennen

Apothekensprecherin Dorothee Pradel ist trotzdem zuversichtlich, den Großteil der Impfausweis-Fälschungen zu erkennen. „Denn die Einträge weisen meist leicht zu erkennende Fehler, beziehungsweise Fälschungen auf“, so die Expertin.

Allzu sehr ins Detail will sie nicht gehen, um Fälschern keine Tipps zu geben. Nur soviel: Oft gebe es Schreib- oder Stempelfehler, oder die Chargennummer sei falsch. Letztere könne sie als Pharmazeutische Leiterin des Zentralen Impfzentrums schnell überprüfen, „da wir dokumentiert haben, welche Impfstoffchargen hier angeliefert und wann sie verimpft worden sind“. Die entdeckten Fälschungen würden sofort bei der Polizei angezeigt.

Der Strafkatalog wurde verschärft

Info

Laut Gesetz macht sich strafbar , wer falsche Angaben in Impf-, Genesenen- und Testdokumente einträgt oder wer unrichtige Dokumente dieser Art nutzt.

Die Nutzung unrichtiger Dokumente dieser Art kann nach dem Strafgesetz mit Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe geahndet werden. Das Ausstellen unrichtiger Dokumente wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe geahndet.