Trotz Corona

Kein Engpass bei Beatmungsplätzen im Kreis Recklinghausen

Keine freien Herz-Lungen-Maschinen (ECMO) mehr in NRW für die Beatmung - die Aussage von Ulf Dittmer, Direktor der Virologie am Universitätsklinikum Essen, ließ vergangene Tage aufhorchen. Doch wie sehen aktuell die Beatmungsmöglichkeiten in den Krankenhäusern im Kreis Recklinghausen aus?
Prof. Dr. Björn Ellger (l.) und Dr. Daniel Oswald stehen an einem sehr nachgefragten ECMO-Gerät des Klinikums Westfalen. © Klinikum Westfalen

Ulf Dittmer, Direktor der Virologie am Universitätsklinikum Essen, sorgte kürzlich mit seinem Interview in der „Rheinischen Post“ für Aufregung: Schon jetzt gebe es in Nordrhein-Westfalen keinen freien Platz mehr für die Behandlung mit einer Herz-Lungen-Maschine (ECMO), war eine Kernaussage. Die spezielle Beatmung wird genutzt, wenn eine herkömmliche intensivmedizinische Beatmung nicht mehr ausreicht, so wie es in der Vergangenheit häufig bei schweren Covid-Verläufen der Fall war.

Maschine ersetzt die Lunge

Bei dem High-Tech-Verfahren, das vor allem bei schwerem Lungenversagen eingesetzt wird, wird Blut aus der Vene in einer Maschine mit Sauerstoff angereichert. Anschließend geht es ins arterielle Blutgefäßsystem zurück. Das Verfahren funktioniert also wie eine externe Lunge. So beschreibt der Lungeninformationsdienst die Funktionsweise.

Doch bevor es soweit kommt, nutzen zunächst regionale Krankenhäuser ihre herkömmlichen künstlichen Beatmungen, denn in der Regel verfügen die Kliniken nicht über ECMO-Geräte. Im einfachen Verfahren wird dabei mit einem Beatmungsgerät Sauerstoff mit Überdruck in die Lunge gepresst.

„Dieses Verfahren nutzen wir bei unserer intensivmedizinischen Betreuung“, sagt Proselis-Pressesprecher Hubert Claves, über die beiden Häuser St.-Elisabeth-Hospital in Herten und Prosper-Hospital in Recklinghausen. Er beobachtet, dass aktuell auf niedrigem Niveau die Corona-Patienten zwar mehr würden, in punkto Beatmung sei aber noch kein Engpass absehbar.

Patienten sind meist ungeimpft

Im Elisabeth Krankenhaus in Recklinghausen ist die Lage ebenfalls entspannt. Tagesaktuell gibt es einen Corona-Patienten, der aber nicht beatmet wird. Bei den anderen Patienten liege noch alles im Normbereich, so Kristina Schröder von der Pressestelle auf Anfrage. Auffällig sei aber in den vergangenen Wochen, dass das Durchschnittsalter der Corona-Patienten drastisch sinke und alle ungeimpft waren.

Entspannt gibt man sich auch beim KKRN-Klinikverbund. „Die Covid-Situation in den vier Krankenhäusern unseres Verbundes ist entspannt“, sagt Dr. Klaus-Peter Riesener, Ärztlicher Direktor im Marien-Hospital Marl. Zurzeit habe man nur wenige stationäre Covid-Patienten, davon keinen auf der Intensivstation. Zudem verfügen alle vier Kliniken über ausreichend Beatmungsplätze, allerdings nicht über ein ECMO-Gerät. Zum Verbund gehören auch noch das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten, das St.-Sixtus-Hospital in Haltern und das Gertrudis-Hospital in Herten.

Intensivbetten stehen als Reserve zur Verfügung

Ähnlich sieht es auch beim Klinikum Vest aus. Dort bestätigt Florian Bury aus der Unternehmenskommunikation, dass in den zwei Häusern in Marl (Paracelsus-Klinik) und Recklinghausen (Knappschaftskrankenhaus) aktuell kein Covid-Patient auf der Intensivstation betreut würde. „Wir verfügen auch über keine Herz-Lungen-Maschine. Diese konzentrieren sich in der Regel auf spezielle Zentren“, so Bury weiter. Wie viele andere Krankenhäuser habe aber auch das Klinikum Vest zu Beginn der Pandemie zusätzliche Kapazitäten an Intensivbetten geschaffen, die könne man jederzeit hochfahren.

Was passiert, wenn die Zahlen wieder steigen?

Mögliche Problematik in Zukunft: Sollten mehr jüngere Menschen mit schweren Verläufen in Kliniken vorstellig werden und für sie die normale Beatmung nicht ausreichen, dann könnte es schwierig werden, einen Platz in den Unikliniken zu bekommen. Denn diese sind laut Ulf Dittmer aktuell bereits ausgelastet. Eines der regionalen ECMO-Zenten, aber keine Uniklinik ist das Klinikum Westfalen in Dortmund.

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