Alkohol

„Mehr Geld für die Prävention“

Übermäßiger Alkoholkonsum hat immer wieder tödliche Folgen - ein Drogen-Experte aus dem Kreis Recklinghausen fordert hier entschlossenere Maßnahmen der Politik.
Übermäßiger Alkoholkonsum kann tödliche Folgen haben. © picture alliance / dpa

Insgesamt 106 Menschen starben 2019 im Kreis Recklinghausen aufgrund von übermäßigem Alkoholkonsum, wie das Statistische Landesamt NRW jetzt mitteilt. Peter Appelhoff verwundert diese Zahl nicht: „Alkohol ist eine – wenn auch legale – Droge, eine giftige Substanz. Sie kann zum einen direkt tödlich wirken, zum anderen sind durch sie auf lange Sicht schwere Folgeerkrankungen vorprogrammiert, an denen man sterben kann“, sagt der Leiter der „Drob“ (Drogenhilfe Recklinghausen und Ostvest).

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106 Tote in 2019, ein Jahr vorher gab es 110 alkoholbedingte Todesfälle im Kreis Recklinghausen, 2009 waren es 87 – so die aktuelle Auflistung des Statistischen Landesamtes. Mit Blick auf die Totenzahlen sowie die vielen schweren Erkrankungen im Zusammenhang mit Alkohol plädiert Peter Appelhoff dafür, stärker gegen den Alkoholkonsum vorzugehen, mehr zu warnen. „Die Politik in Deutschland tut sich hier sehr schwer. Und es liegt die Vermutung nahe, dass hinter diesem Verhalten wirtschaftliche Interessen stehen“, meint der 61-Jährige und nennt Stichworte wie Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

Peter Appelhoff leitet die „Drob“ (Drogenhilfe Recklinghausen und Ostvest). © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Bei möglichen Aktivitäten gegen übermäßigen Alkoholkonsum stellt sich Appelhoff einerseits eine höhere Besteuerung von Alkohol vor. „Doch diese Maßnahme allein greift zu kurz. Für sich genommen würde sie den dann teureren Alkohol zum Privileg machen und es bestände die Gefahr, dass die alkoholbedingte Beschaffungskriminalität steigt.“

„Je früher die Prävention beginnt, desto wirksamer ist sie“

Deshalb plädiert der Drogen-Experte als zweite notwendige Veränderung für die Verstärkung der Präventionsarbeit. „In diesem Bereich muss mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. Prävention wirkt – und ich bin sicher: Sie ist langfristig deutlich günstiger als die Folgeschäden durch ungeschehene Prävention.“ Dabei hat Vorbeugung viele Gesichter, wie Peter Appelhoff erläutert: „Man kann verstärkt durch Werbeaktionen vor Drogen und speziell vor Alkohol warnen. In der Suchthilfe könnte man die Präventionsarbeit intensivieren. Wir haben zum Beispiel in der ,Drob‘ mehr Anfragen für Info-Veranstaltungen und Seminare, als wir leisten können – vor allem von Schulen, aber auch von Berufsbildungsstätten und Betrieben.“

Darüber hinaus hält Appelhoff eine Ausweitung der Präventionsarbeit für wichtig: „Es wäre zum Beispiel sinnvoll, in die Kitas zu gehen und dort bei Elternabenden auf die Gefahren von Alkohol und Nikotin hinzuweisen, auf die Vorbildfunktion der Väter und Mütter aufmerksam zu machen. Da würde es dann auch darum gehen, wie man Kinder stark macht, denn wir wissen, dass gesunde selbstbewusste Kinder viel besser vor Alkoholmissbrauch geschützt sind als verunsicherte Kinder.“

Für Peter Appelhoff steht fest: „Natürlich ist Vorbeugung auch bei Erwachsenen sinnvoll, dafür ist es nie zu spät. Aber je früher die Prävention beginnt, desto wirksamer ist sie.“

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