„Natürlich Stimberg“

Natur-Paradies und grünes Klassenzimmer

Früher war hier militärisches Sperrgebiet. Heute ist die Stimberghöhe ein Natur-Paradies mit extremem Wohlfühl- und hohem Lern-Faktor.
Auf dem Ex-Bundeswehrgelände in Oer-Erkenschwick hat der Kreis Recklinghausen in den letzten Jahren das Projekt „Natürlich Stimberg“ entwickelt und umgesetzt – und bietet der für die Heide so nötigen Schafherde genügend Platz. © Meike Holz

Landrat Bodo Klimpel, Oer-Erkenschwicks Bürgermeister Carsten Wewers, Vertreter des Regionalverbands Ruhr (RVR), der Bezirksregierung Münster und des Naturparks Hohe Mark…: Es war eine illustre Gesellschaft, die sich jetzt, vier Jahre nach dem ersten Spatenstich 2017, an der ehemaligen Radarstation der Bundeswehr am Oer-Erkenschwicker Stimberg um das WALDband-Projekt „Stimberghöhe – „Natürlich Stimberg“ – versammelt hat. Der Grund: ein guter!

Beeindruckender Blick auf eine Heidelandschaft

Die Stimberghöhe im nördlichen Stadtgebiet Oer-Erkenschwicks ist mit 156,9 Metern über dem Meeresspiegel die höchste Erhebung in der circa 55 Quadratkilometer großen Haard. Aber das Gelände hat sich verändert. Wunderbar verändert. Dank des RVR, der nicht nur Schafe für das Gelände „besorgt“ hat. Natur und Zeitgeschichte erleben hier – am Rande des Ruhrgebiets – eine bemerkenswerte Fusion. Auf dem Stimberg-Plateau gibt es inzwischen einen beeindruckenden Blick auf eine kleine – und zukünftig wahrscheinlich große – Heidelandschaft, zwei Rundwege, acht „Zeitreiseführer“. Und alle mit einer wirklich spannenden Geschichte.

Vom Steinhauer bis zu Soldat und Zimmermann

Ob durch den „Heiderahmen“, das „Grüne Klassenzimmer“ oder auch die „Artenschutzwand“ – wer diese Gegend erkundet, erlebt Natur aktiv. Besonders lohnenswert sind dabei auch die Abstecher zum Beispiel zum Teufelsstein.

Entlang der Rundwege warten acht verschiedene Persönlichkeiten auf Wanderer, die alle eine ganz eigene Verbindung zum Stimberg haben. Ob Steinhauer, Soldat, Zimmermann oder der Teufel persönlich – sie alle haben eine bemerkenswerte Geschichte zu erzählen. Mit ihnen kann man eine spannende und genüssliche Zeitreise machen, um die Region aus heutiger wie auch damaliger Sicht zu sehen.

Die Geschichten kann man sich dabei auch einfach anhören. Dazu liest man nur den QR-Code, den man auf den diversen Infoschildern findet, mit dem Smartphone ein.

Ein Hingucker zu jeder Jahreszeit – nicht nur, wenn es blüht: das Heidekraut. © Meike Holz © Meike Holz

Naturschutz trifft Erholung und Erlebnis

Das Projekt „Natürlich Stimberg“ verbindet Naturschutz, Erholung und Erlebnis. Nicht nur Landrat Bodo Klimpel hat hier erstmals freilaufende Dachse entdeckt. Das Gebiet wird, so Oer-Erkenschwicks Bürgermeister Carsten Wewers im Gespräch mit unserer Zeitung, „im Augenblick extrem gut angenommen… Manchmal ist es mir fast schon zuviel“. Deswegen soll zum Beispiel das sogenannte „Grüne Klassenzimmer“, ein wunderbarer Ort, „zwar gerne als Picknick-Station auf der Wanderung, sicher nicht aber als Amphitheater benutzt werden“.

Seltene Brutvögel, Fledermäuse und die Schlingnatter

Denn seltene Brutvögel, die man hier im Frühling entdecken kann, brauchen genauso ihre Ruhe, wie die abendlichen Fledermäuse oder die hier ebenfalls immer mal wieder zu findende, inzwischen seltene Schlingnatter.

Der Ort, der während des Kalten Krieges der Luftabwehr diente, ein Feuerleitstand, ist heute also Natur-Paradies und grünes Klassenzimmer.

Die Skulptur von „Schäfer Lutz“. Ohne seine Schafe würde es die Heide heute – und morgen – hinter ihm nicht geben. © Meike Holz © Meike Holz

Bentheimer Schafe fressen Kräuter und Sprösslinge

Die eigens „engagierten“ Bentheimer Schafe sorgen dabei dafür, dass Kräuter und Sprösslinge gefressen werden, die man aus der Heidelandschaft heraushalten will – selbst die Triebe der stacheligen Brombeeren. Von den vereinzelten Bäumen nagen sie zudem gern die Rinde ab und hindern sie so am Weiterwachsen. Besonders beliebt bei der Herde ist aber die amerikanische Traubenkirsche, die ganz leicht nach Mandel schmeckt.

Die ehemalige Sende-Station dient jetzt zivilen Zwecken – und zeigt auf ihrer Rückseite, was es hier alles zu sehen und zu erleben gibt. © Meike Holz © Meike Holz

Auch der Teufel hat hier seinen Platz

Ach ja: Auch der Teufel hat hier seinen Platz: Belzebub hat nämlich eine ganz besondere Verbindung zum Stimberg. Der Sage nach soll er einst hier gewütet haben, nachdem ihn ein neunmalkluger Baumeister um seine Seele betrog. Der fürchtete, die Stimberger Quarzitsteine beim Bau der St. Peter Kirche in Recklinghausen nicht rechtzeitig zu bekommen. Doch am Tag, als der Schlussstein der Kirche eingesetzt werden und die Seele dem Teufel gehören sollte, ließ er den Schlussstein der Kirche einfach aus…

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