Corona

Noch muss kein Impfstoff vernichtet werden

Im Impfzentrum Recklinghausen werden täglich nur noch zwischen 300 und 600 Personen immunisiert. Der Kreis setzt bei der Bestellung des Vakzins auf Erfahrungswerte.
Es ist viel Impfstoff vorhanden, aber es fehlen häufig die Impfwilligen. © picture alliance/dpa

Es ist noch nicht lange her, da war die Nachfrage nach den Covid-19-Impfstoffen von Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson auch im Kreis Recklinghausen riesig. Viele Menschen rissen sich im Frühjahr darum, so schnell wie möglich eine Immunisierung gegen das Corona-Virus zu bekommen. Aber der Impfstoff war knapp. Heute drohen manchenorts – mangels Nachfrage – ganze Chargen zu verfallen, weil das Haltbarkeitsdatum abläuft. Auch im Kreis Recklinghausen?

„Bisher mussten wir noch keinen Impfstoff zurückgeben oder vernichten“, sagt Dr. Hermann Geldmann. Aber die Luft werde dünner, die Reservelisten mit Impfwilligen immer kürzer, berichtet der medizinische Leiter des Impfzentrums in Recklinghausen. Aus Arztpraxen habe er allerdings gehört, dass hier tatsächlich bereits Impfdosen weggeworfen werden mussten.

Impfung ohne Termin erschwert die Kalkulation

Noch vor Wochen waren die Kapazitäten des Impfzentrums ausgelastet. Täglich – von Montag bis Sonntag – holten sich 2500 Menschen auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen ihren Piks in den Oberarm. Zwischendurch wurden sogar die Öffnungszeiten um zwei Stunden bis 22 Uhr verlängert. Heute schwankt die Zahl der Impfungen zwischen 300 und 600 täglich. Der Sonntag wurde als Impftag gestrichen.

Dass der größte Teil der Impfwilligen ohne Termin kommt, erschwert die Kalkulation der benötigten Impfstoffmengen. „Wir kommen hier allerdings ganz gut mit unseren Erfahrungswerten zurecht“, berichtet Lena Heimers, Sprecherin der Kreisverwaltung. Bestellt werde der Impfstoff zweimal in der Woche. Blieben von der ersten Lieferung Mengen übrig, werde beim zweiten Mal entsprechend weniger geordert. Auch komme es regelmäßig zu einem Austausch zwischen den Impfzentren, um einem Verfall von Impfstoff vorzubeugen. Biontech und Moderna sind nach dem Auftauen 30 Tage im Kühlschrank haltbar, Astrazeneca kann sechs Monate lang gekühlt aufbewahrt werden.

Mehr Impfungen in Arztpraxen als im Impfzentrum

In den Arztpraxen im Kreis Recklinghausen werden mittlerweile mehr Impfungen durchgeführt als im Impfzentrum des Kreises. Hinzu kommen noch Impfungen durch mobile Teams und Kliniken. Von den 613.000 Einwohnern im Kreis RE gelten rund 318.000 als vollständig geimpft (51,9 Prozent), 55.600 (neun Prozent) haben erst eine Spritze erhalten. Die Zahlen auf Kreisebene sind aber nicht mehr vollständig, da die Impfungen der Betriebs- und Privatärzte fehlen. Diese geben ihre Zahlen direkt ans Robert-Koch-Institut weiter. Verlässlicher, weil umfassender sind deshalb die Zahlen für ganz NRW. Demnach haben in Nordrhein-Westfalen – Stand 2. August – 53,9 Prozent einen vollständigen Impfschutz, weitere 11,2 Prozent haben zumindest ihre Erstimpfung hinter sich gebracht.

Die über 60-Jährigen sind am besten geschützt

Bei der Betrachtung der Altersgruppen fällt die hohe Impfquote der über 60-Jährigen auf (82,6 Prozent sind vollständig immunisiert). Menschen im Alter zwischen 18 und 59 sind zu 54,8 Prozent umfassend geschützt. Junge Leute unter 18 weisen in NRW eine Impfquote von lediglich 9,5 Prozent auf.

Um diesen Wert zu steigern, hat das Landesgesundheitsministerium in der vorletzten Woche überraschenderweise die Immunisierung der zwölf- bis 15-Jährigen in den NRW-Impfzentren freigegeben. Im Kreis Recklinghausen machten Eltern mit ihren Kindern reichlich Gebrauch von diesem Angebot. Am ersten Impftag (28. Juli) erhielten 307 Kinder und Jugendliche eine Biontech-Spritze, am Samstag (31. Juli) waren es sogar 320.

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