Charly Hübner beim Grimme-Preis

„Roter Teppich fühlt sich okay an“

Charly Hübner wurde beim Grimme-Preis in Marl ausgezeichnet. Wir haben vorher kurz mit ihm gesprochen.
Charly Hübner bei der Grimme-Preis-Gala am 27. August im Marl:. © Meike Holz

Andy Brettschneider, Investmentbanker und Multimillionär, steht vor einem Karrieresprung, da erhalten sein Arbeitgeber und seine Mutter einen Brief mit schwerwiegenden Anschuldigungen: Andy soll im Sommer 1990 eine Frau vergewaltigt haben. In preisgekrönten Roadmovie „Für immer Sommer 90“ begibt sich Andy zurück in seine mecklenburgische Heimat und auf Spurensuche. Charly Hübner mimt den Andy mit Bravour, auch wenn er seinen Protagonisten eigentlich gar nicht mag, wie er im Interview verriet.

Herr Hübner, wie isses auf dem roten Teppich?

Eigentlich wie immer. Für mich fühlt sich das gerade sehr okay an.

Sie spielen in „Für immer Sommer 90“ den Andy Brettschneider, was ist er für ein Typ?

Er ist windig und zielbewusst und braucht ständig das Gefühl von Veränderung, des Gewinnens, dabei ist er immer nur der beste Zweite, charmant und hart zugleich.“

Klingt nicht so, als ob Sie ihn besonders mögen?

Naja, ich finde es erschütternd, wenn man sich in solche Menschen rein versetzt und sie fragt, ob sie mal Kinder wollen. Nee. Keine Kinder. Und keine Freunde. Andy ist so in seinem Erfolgsrausch gefangen, dass er nicht nach rechts und links schaut und gar nicht mitbekommt, was er damit anrichtet.

Das Grundthema unserer Gesellschaft ist Erfolgsorientiertheit, prangert der Film an. Er wurde aber in Corona-Zeiten gedreht, die uns in dieser Hinsicht ganz schön ausgebremst haben. Wie war das für Sie?

Das Projekt ist im ersten Lockdown entstanden, da hat man noch mit Galgenhumor Schnapsideen ohne Schnaps ins Telefon gesäuselt. Aber offenbar ist das Thema ja angekommen. Wir haben so viele Leute damit erreicht. Das ist eine feine Sache.

Sommer 1990 – was haben Sie da privat gemacht?

1990, da war Fußball. Und ich war in der Türkei. Damals war die Mauer ja gerade erst gefallen und ich war mit Interrail unterwegs.