Regierungspräsidentin Dorothee Feller

Sorge um die Stromversorgung – Wasserstoff als Alternative

Regierungspräsidentin Dorothee Feller sorgt sich um die Stromversorgung der Wirtschaft. „Wir brauchen jetzt eine Strategie“, fordert sie. Dabei geht es auch um Wasserstoff als Alternative.
Eine mit der Aufschrift „Wasserstoff“ gekennzeichnete Rohrleitung in der Brennstoffzelle eines Wasserstoff-Kraftwerks. Wasserstoff könnte in Zukunft ein wichtiger Energieträger werden. FOTO © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Deutschlands Ausstieg aus der Stromerzeugung durch Atom- und Kohlekraftwerke ist beschlossene Sache. Da stellt sich die Frage: Wie soll für Industrie und mittelständische Unternehmen in Zukunft die Stromversorgung sichergestellt werden? „Wir brauchen jetzt eine gemeinsame Strategie für den gesamten Regierungsbezirk, um 2030 noch ein attraktiver Standort zu sein“, fordert Regierungspräsidentin Dorothee Feller im Gespräch mit dieser Zeitung. Wasserstoff könnte die Lösung sein.

Aktuell bereitet die Bezirksregierung Münster in enger Abstimmung mit der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen (IHK) einen „Wasserstoff-Gipfel“ vor. Der soll am 4. Oktober im Kreis Recklinghausen stattfinden und Unternehmen mit Entscheidungsträgern aus der Bundes- und Landespolitik zusammenbringen. „Wir wollen den Unternehmern Perspektiven aufzeigen und sie für das Thema sensibilisieren“, sagt die Regierungspräsidentin.

Die Bepreisung des CO2-Ausstoßes ist nach Einschätzung von Dorothee Feller für viele, auch mittelständische Firmen ein Anstoß, sich mit der Alternative Wasserstoff zu beschäftigen. Doch um eine tragende Rolle bei der Grundversorgung spielen zu können, müsse Wasserstoff in ausreichenden Mengen und zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen, betont sie.

Das Projekt „Get H2 Nukleus“ gilt in diesem Zusammenhang als wegweisend. BP, Evonik und RWE gehören zu den industriellen Partnern, die gemeinsam die erste öffentlich zugängliche Wasserstoffinfrastruktur aufbauen wollen. Das Projekt verbindet die Erzeugung von grünem Wasserstoff mit industriellen Abnehmern.

Das rund 130 Kilometer lange Netz von Lingen zu den Chemiestandorten Marl und Gelsenkirchen soll das erste H2-Netz mit diskriminierungsfreiem Zugang und transparenten Preisen werden.

Salzkavernen eignen sich als große Speicher

Die Industrie beschäftigt sich auch längst mit der Frage, wie bestehende Gaspipelines für die Durchleitung von Wasserstoff genutzt werden können. In dieser Hinsicht haben das nördliche Ruhrgebiet und das Münsterland einen klaren Startvorteil. Denn hier gebe es bereits ein dichtes Leitungsnetz.

Die Salzkavernen in Gronau (Kreis Borken) eigneten sich zudem als großer Speicher, erläutert die Regierungspräsidentin. Weitere Stärken der Region sieht Dorothee Feller in dem Forschungspotenzial an Fachhochschulen, Universitäten und im H2-Anwenderzentrum in Herten.

Treiber der Entwicklung seien heute in der Region bereits große Energie- und Chemieunternehmen wie Evonik, BP oder die Westfalen AG. Auch hätten sich längst einschlägige Firmen aus der Wasserstoff-Branche angesiedelt. Das Ziel sei es, möglichst viel grünen Wasserstoff in der Region unter Einsatz von Sonnen- und Windenergie zu produzieren.

Der Ausbau erneuerbarer Energien müsse deshalb gefördert werden. Um die erforderlichen Mengen an Wasserstoff zu gewährleisten, seien Importe jedoch unerlässlich, betont die Regierungspräsidentin.

Angestrebt würden deshalb Allianzen mit den Niederlanden und dem Land Niedersachsen. Das Ziel sei eine Vernetzung mit den dortigen Offshore-Windenergieanlagen.

Der „Wasserstoff-Gipfel“ im Oktober soll nach Worten der Regierungspräsidentin erst der Auftakt sein. In Arbeitsgruppen solle an dem Thema anschließend konkret weitergearbeitet werden, kündigt sie an.

Der Abend in Recklinghausen

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.