Wasserstoffgipfel

Tausende Arbeitsplätze für die Region

Die Bezirksregierung hat zum Wasserstoff-Gipfel in den Kreis Recklinghausen eingeladen - große Chancen für Industrie und mittelständische Wirtschaft.
Dr. Uta Willim vom Kreis Recklinghausen präsentierte die Ergebnisse der aktuellen Umsetzungsstudie. © Randolf Leyk

Ohne Wasserstoff keine Energiewende – darin, was Prof. Michael Brodman von der Westfälischen Hochschule auf den Punkt brachte, war sich der Großteil der Teilnehmer des Wasserstoff-Gipfels des Regierungsbezirks Münster einig. Und dabei geht es auch oder sogar vor allem um tausende Arbeitsplätze für die Emscher-Lippe-Region mit dem Kreis Recklinghausen sowie für das Münsterland.

Regierungspräsidentin Dorothee Feller geht sogar davon aus, dass eine mögliche Beschäftigungsquote die des ehemaligen Bergbaus übertreffen könne.

Menschen für neue Berufsbilder qualifizieren

Realistische Schätzungen rechnen mit einer fünfstelligen Zahl an neuen Arbeitsplätzen. „Allerdings müssen wir im Kopf haben, dass es hier auch darum geht, industrielle Jobs im immer noch währenden Strukturwandel erst einmal mit Hilfe des Themas Wasserstoffs zu erhalten“, sagte Dr. Babette Nieder, Wasserstoffexpertin bei der WiN Emscher-Lippe GmbH auf Nachfrage dieser Redaktion. „Wir müssen das Thema auch in die Hochschulen und die Lehrpläne bekommen. Schließlich geht es darum, junge, motivierte Menschen für neue Berufsbilder zu qualifizieren. Nur so können wir diese neuen Technologien bedienen“, ist sich Evonik-Personalvorstand Thomas Wessel sicher.

Um so symbolischer war der Ort für den Wasserstoff-Gipfel gewählt: Das CreativQuartier der ehemaligen Zeche Fürst Leopold in Dorsten diente quasi als Brückenschlag für das Thema einstige und zukünftige Energiegewinnung. „Jetzt gilt es, Synergieeffekte zu schaffen und Vernetzung untereinander zu erarbeiten“, sagte die Regierungspräsidentin in Richtung der rund 250 Entscheidungsträger, Ingenieure und Unternehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Dabei ginge es um das Machbare und Mögliche, nicht um Utopien.

Bundesregierung verspricht schnellere Genehmigungsverfahren

Werbung für die Energiewende machte dabei auch Dr. Stefan Kaufmann, Innovationsbeauftragter Wasserstoff der Bundesregierung. Mit finanzieller Förderung sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die gesamte Wertschöpfungskette beinhalten. Konkret nannte Kaufmann zum Beispiel zwölf Mobilitätskonzepte zum Bau von Tankstellen und die Brennstoffzellenforschung: „25 Fraunhofer-Institute beschäftigen sich deutschlandweit intensiv mit dem Thema Wasserstoff. Das zeigt, wie wichtig der Bundesregierung dieses Thema ist.“ Zudem soll es beschleunigte Genehmigungsverfahren geben.

Mittelstand wird zu wenig bedacht

Beim Mittelstand spitzte man im Publikum die Ohren. Denn für viele Firmen mangelt es nach wie vor an genau diesen verlässlichen Rahmenbedingungen, die bei Regierungswechseln in Berlin schnell mal gekippt würden. Ein Negativbeispiel sei das Thema Autogas, in das ordentlich investiert wurde, das spätestens ab 2022 aber keine Rolle mehr im Markt spielen wird. Und Christian Hagemeister, Mittelständler aus dem Münsterland, bemängelte die Förderbedingungen, die viel zu kompliziert seien und die Bedürfnisse des Mittelstandes nicht ausreichend bedenke. „Wir wünschen uns zudem eine Teilhabe an der Infrastruktur, wie beispielsweise an der Leitung aus Lingen, die in den Kreis Recklinghausen führen wird. Hier sollte darüber nachgedacht werden, wie diese weitergeführt werden könnte“, sagt er.

Einer der Knackpunkte bleibt, da waren sich alle Experten einig, der Energiebedarf (Strom) für die Elektrolyse (Zerlegung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff). Dafür fehlen vielerorts noch die Voraussetzungen, wenn diese Energie denn klimaneutral sein soll. Dennoch gibt es bereits zahlreiche Projekte, die umgesetzt wurden. Silke Wesselmann aus dem Kreis Steinfurt stellte eine umgerüstete Buslinie genauso vor wie ein 90 Unternehmen starkes Netzwerk – ganz ähnlich der Umsetzungsstudie im Kreis Recklinghausen.

Schweizer Lkw-Flotte setzt auf Wasserstoff

Und Dr. Frank Koch von der Energieagentur NRW freute sich über Nahverkehrsunternehmen im VRR, die bereits Brennstoffzellen-Busse im Einsatz haben. „Es geht voran. Und wenn wir über unsere Grenzen hinaus schauen, macht das weiter Mut. Jetzt heißt es aber auch aufpassen, dass wir nicht den Anschluss in Europa verlieren“, sagte er und meinte unter anderem die 100 Brennstoffzellen-Taxen in Paris und die für die kommenden Monate geplanten 1000 in Madrid sowie die Schweizer Lkw-Flotte mit 1600 Fahrzeugen.

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