Corona

„Wir dürfen die Sommerferien nicht verschlafen“

Noch sind vier Wochen Zeit, bis das neue Schuljahr beginnt: Ärzte appellieren, dass sich Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren impfen lassen. Das ist im Impfzentrum des Kreises Recklinghausen offiziell aber erst ab 16 Jahren erlaubt.
Ein Jugendlicher wird in einer Arztpraxis mit dem Serum von Biontech/Pfizer geimpft. © dpa

Mit einem eindringlichen Appell hat jetzt die Ärztekammer Westfalen-Lippe eine zügige Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren gefordert. Allerdings ist die Impfung der 12- bis 15-Jährigen offiziell im Recklinghäuser Impfzentrum nicht erlaubt.

„Das ist die Vorgabe des Landes, nach der wir uns richten – obwohl wir es befürworten würden, wenn auch diese Altersgruppe offiziell im Impfzentrum versorgt werden darf. Wenn die Impfung hier durch das Land freigegeben wird, sind wir gerne dabei“, sagt Kreis-Sprecherin Lena Heimers. Bislang seien die Kinderärzte die erste Impf-Adresse für die 12- bis 15-Jährigen. „Die Ärzte sollen mit den Eltern und Kindern über die Impfung sprechen. Sie kennen ihre Patienten, das soll nicht in der Hand der Impfzentren liegen“, erläutert Heimers die Position des Landes.

Keine generelle Empfehlung von der StiKo

NRW stützt sich bei seiner Haltung auf die Stellungnahme der Ständigen Impfkommission (StiKo). Diese hat bislang keine allgemeine Impfempfehlung für Kinder von 12 bis 17 Jahren gegeben, sondern nur für Betroffene mit bestimmten Vorerkrankungen oder einem erhöhten Expositionsrisiko. Die fehlende generelle Empfehlung begründet die StiKo mit einem meist milden Krankheitsverlauf in diesem Alter, mit wenig Studiendaten und einem begrenzten Angebot an Impfstoff, den vorrangig gefährdete Personen erhalten sollen.

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe sagt hingegen, dass derzeit genügend Impfstoff vorhanden sei. „Die Zeiten der Mangelverwaltung sind vorbei“, betont Dr. Hans-Albert Gehle. Auch verweist der Kammerpräsident auf Daten aus den USA, wonach bei Covid-19-Fällen bei Kindern – wenn auch selten – schwere Komplikationen auftreten können.

Ärztekammer fürchtet „unaufhaltsame Ausbreitung“

Vor allem glaubt Gehle mit Blick auf die steigenden Ansteckungszahlen in dieser Altersgruppe, dass sich Corona in der gesamten Jugend ohne Impfung „unaufhaltsam ausbreiten“ wird. „Die Alternative für die Über-Zwölfjährigen lautet: impfen oder infizieren.“ Eine umgehende Impf- und Aufklärungskampagne sei notwendig, „wir dürfen die Sommerferien nicht verschlafen.“

„Mit absehbar gutem Impfschutz in das neue Schuljahr gehen“

Lena Heimers weist darauf hin, dass es bereits Ende des letzten Schuljahres im Präsenzunterricht zu hohen Infektionszahlen gekommen sei. Die Kreis-Sprecherin appelliert an die Schüler, die Chance zur Impfung jetzt zu nutzen: „Dann würde man entweder vollständig geimpft oder zumindest durch eine Erstimpfung mit absehbar gutem Impfschutz in das neue Schuljahr gehen.“ Für Lena Heimers steht fest: „Ich kann nur jedem empfehlen, sich impfen zu lassen, wenn es geht.“

Für alle Jugendlichen ab 16 Jahren – und natürlich auch für Volljährige – besteht die Möglichkeit, sich im Recklinghäuser Impfzentrum auch ohne vorherige Terminreservierung impfen zu lassen. Das Impfzentrum auf dem Konrad-Adenauer-Platz ist montags bis samstags zwischen 8 und 20 Uhr geöffnet, eine spontane Impfung ohne Termin ist bis 18.30 Uhr möglich. Ab sofort bleibt das Zentrum allerdings zunächst sonntags geschlossen – aufgrund der geringer werdenden Zahl von Impfungen. Im Impfzentrum des Kreises Recklinghausen wurden bislang über 250.000 Impfdosen verabreicht.

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