Dortmunder Brünnhilde singt in Bayreuth gleich mehrere Partien

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Die Walküren aus Bayreuth beim Erinnerungsfoto am Festspielhaus. Stéphanie Müther ist Waltraute, die Dritte von rechts.
Die Walküren aus Bayreuth beim Erinnerungsfoto am Festspielhaus. Stéphanie Müther ist Waltraute, die Dritte von rechts. © Privat
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Für Stéphanie Müther sind die Tage zurzeit sehr lang. – Und vollgepackt mit Terminen. Die dramatische Sopranistin, die im Dortmunder Opernhaus zuletzt eine grandiose Brünnhilde in der „Walküre“ aus Peter Konwitschnys „Ring“ war, davor Turandot und Tosca von Puccini sowie Ortrud im „Lohengrin“, verbringt die Spielzeitpause bei den Bayreuther Festspielen.

Dort singt sie drei Partien: die Waltraute in der „Walküre“, die zweite Norn in der „Götterdämmerung“ und die Ortrud im „Lohengrin“ für Kinder. Außerdem ist sie das Cover für alle drei Brünnhilden. Das heißt, Stéphanie Müther sitzt hinter den Kulissen in der „Ring-Lounge“ im Festspielhaus; Wenn der Brünnhilde etwas passiert, springt sie ein.

Erfolgreich als Brünnhilde

Seit 2018 gehört die Sängerin zum Ensemble der Oper Dortmund und ist eine tragende Säule des „Rings“. Den hat sie schon 2019 mit großem Erfolg in Chemnitz gesungen, später auch in Japan. Dann kam die E-Mail aus Bayreuth. „Es hat sich ein Vorsingfenster geöffnet. Möchten Sie kommen?“, stand drin. Das war schon 2019, aber dann kam Corona.

„Ich habe Brünnhilde vorgesungen, die ,Starken Scheite‘. Und ich durfte sie komplett singen“, erzählt Stéphanie Müther bei unserem Treffen in der ersten „Siegfried“-Pause im Festspielhaus. Für Ortrud, Waltraute und als Brünnhilden-Cover wurde sie gebucht, die zweite Norn kam kurzfristig dazu. „Ich war gerade in Dortmund, als der Anruf kam“, sagt sie. Die Rolle musste sie erst lernen, „es war eine sehr heiße Woche, mit nur vier, fünf Stunden Schlaf pro Tag“.

Stéphanie Müther ist ein dramatischer Sopran. An der Dortmunder Oper sang sie zuletzt die Brünnhilde.
Stéphanie Müther ist ein dramatischer Sopran. © Agentur

In Bayreuth hat sich die Mutter eines achtjährigen Sohns eine Ferienwohnung gemietet. Viel ist sie dort nicht: 6 Uhr aufstehen, Kaffee, Yoga, einsingen, 9.30 Uhr Maske, 11 Uhr Vorstellung Kinderoper, dann Kantine, proben, Maske, Vorstellung oder Brünnhilden-Bereitschaft. Die Tage sind lang in Bayreuth.

„Der größte Unterschied zum Stadttheater ist, dass hier durchgeprobt wird. Die Gewerkschaft erlaubt sonst nur eingeschränkte Zeiten und legt Pausen fest, das gibt es hier nicht“, sagt die Sopranistin. „Das hier ist Festival, da sind wir alle drei Monate zusammen, die Arbeit ist konzentrierter, man wächst stärker zusammen. Und man trifft sich öfter als an einem Stadttheater.“

Links Stefanie Müther als zweite Norn bei den Bayreuther Festspielen 2022.
Links Stefanie Müther als zweite Norn bei den Bayreuther Festspielen 2022. © dpa

Bayreuth ist Gemeinde, Familie. Hier kommen alle zusammen, die Wagner lieben – und die Stars. „Ich habe Christa Mayer (Anm.: die Fricka und Schwertleite in der „Walküre“ und Waltraute in der Götterdämmerung“) schon an der Semperoper in Dresden bewundert. Und hier singt sie dann plötzlich neben mir“, sagt Stéphanie Müther.

Tolle Sänger in Dortmund

Aber Dortmund liebt sie auch. „Es ist ein großes Glück, dort in einem Ensemble mit so tollen Stimmen und spielfreudigen Sängern arbeiten zu dürfen. Das macht doppelt und dreifach Spaß“, sagt sie. Und die Arbeit mit Regisseur Peter Konwitschny, der am 20. Mai 2023 im Dortmunder Opernhaus den „Siegfried“ herausbringt, sei „ganz wunderbar“. Und im Vergleich muss man sagen: Konwitschnys „Ring“ ist besser als der in Bayreuth.

Wer die „Götterdämmerung“ an diesem Samstagabend (3 sat um 20.15 Uhr) Abend im Fernsehen verfolgt: Stéphanie Müther ist die Norn in der Mitte. Und ab März kann man sie im Dortmunder Opernhaus wieder als Ortrud und ab Mai als Brünnhilde erleben.

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