Kampf dem Eichenprozessionsspinner

Auf die sanfte Tour gegen den Schädling

Im Kampf gegen die haarige Raupe verzichtet die Stadt Marl in diesem Jahr auf Sprühkanonen und geht gezielter vor. Auch das nasskalte Wetter könnte den Schädling ausbremsen.
Mitarbeiter des Zentralen Betriebshofs Marl sprühen an der Halterner Straße in Sinsen das Biozid NeemProtect in die Krone einer Stileiche zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. © Stefan Korte

Sie haben sicher schon viel erlebt, die mächtigen, wohl mehr als 100 Jahre alten Eichen, die in Sinsen die Halterner Straße säumen. Doch in diesen Tagen bekommen sie unerwarteten Besuch. Der Zentrale Betriebshof (ZBH) hat ein Expertenteam in die ausladenden, frisches Grün tragenden Kronen geschickt, um dem Eichenprozessionsspinner (EPS) den Garaus zu machen.

Mit dem Hubwagen geht es in die Baumkronen

Die Stadt geht in diesem Jahr neue Wege, wie ZBH-Chef Michael Lauche vor Ort betont. Sie verzichtet auf den Einsatz der Sprühkanonen, die in den letzten Jahren bedrohte Bäume mit einem Biozid massiv unter „Beschuss“ genommen hatten. „Wir lernen jedes Jahr dazu und gehen jetzt quasi minimalinvasiv vor“, sagt Lauche.

Tatsächlich geht es der Stadt in diesen Tagen um drei Dinge: vorbeugend arbeiten, die Bürgerinnen und Bürger vor den gefährlichen Haaren der Raupe schützen, dabei aber die Umwelt möglichst schonen. Und so steigt ein Mitarbeiter der vom ZBH beauftragten Fachfirma im Hubwagen-Korb direkt in die Baumkronen und sprüht aus geringer Entfernung gezielt und materialsparend die frisch ausgetriebenen Eichenblätter an. Der Experte arbeitet im weißen Vollschutzanzug, den Sprühtank als Tornister, die Spritze in der Hand – der Hollywood-Klassiker „Ghostbusters“ lässt grüßen. Doch das Ganze macht Sinn: Bei einem Sprühkanoneneinsatz hätte der Biozid-Nebel wohl auch die nahe Wohnbebauung erwischt.

Die Blätter dienen der Raupe als Nahrung. Werden sie verzehrt, wirkt das vom Umweltbundesamt zertifizierte Biozid NeemProtect im Verdauungstrakt. Er wird verstopft. Die Raupe frisst sich quasi tot und verendet am Baum, lange bevor sie die für Menschen gefährlichen Brennhaare ausbilden kann. Ansonsten, so Lauche, ist das Biozid für Mensch und Tier ungefährlich.

ZBH-Chef Michael Lauche (l.) und EPS-Experte Julian Wagner koordinieren vor Ort in Sinsen die vorbeugenden Maßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner. © Stefan Korte © Stefan Korte

Vorbeugender Biozid-Einsatz ist effektiver als Absaugen

Julian Wagner vom ZBH hat das umweltschonende EPS-Bekämpfungskonzept stetig weiterentwickelt und steht mit vielen anderen NRW-Kommunen in engem Kontakt. Der Diplom-Ingenieur weiß, dass maximal drei bis vier Wochen bleiben, um vorbeugend gegen den Spinner vorzugehen. Und das Wetter muss mitspielen. Ist es zu nass, wird das Biozid von den Blättern gespült, ist es zu windig, verweht das Mittel, ist es zu heiß, verdunstet der Wirkstoff vorzeitig. Deshalb sind jetzt die etwa 125 Stieleichen an der Halterner Straße bis zum Ortsausgangsschild am Haardgrenzweg dran. Parallel werden von einem zweiten Team auch Eichen an sensiblen Orten wie Kindergärten, Schulen, Spielplätzen, Krankenhäusern oder Friedhöfen behandelt.

Eine Meise nutzt den Nistkasten an einem Eiche an der Halterner Straße in Marl. Die Vögel sollen möglichst viele Eichenprozessionsspinner vertilgen. © Stefan Korte © Stefan Korte

Verkehr soll möglichst wenig behindert werden

Mit NeemProtect zu arbeiten heißt aus ZBH-Sicht vor allem, vorbeugend und effektiv zu handeln: Michael Lauche rechnet vor: „Mit unserem Hubwagen erreichen wir aus einer Standposition zwei bis drei Bäume, die in etwa zwölf Minuten besprüht sind. Täten wir das nicht und die dann entstehenden EPS-Nester müssten später abgesaugt werden, kann das bis zu 50 Minuten pro Baum dauern, denn pro Eiche sind bis zu 25 Nester möglich.“ Schließlich geht es an der stark befahrenen Halterner Straße auch darum, den Verkehr möglichst wenig zu behindern. Das aber lässt sich bei Hubwagen-Einsätzen kaum vermeiden. Sie sollten also möglichst kurz sein.

Unter dem Strich hoffen Michael Lauche und Julian Wagner bei der EPS-Bekämpfung auf Schützenhilfe von Mutter Natur. Wagner: „Zurzeit ist es überwiegend kühl und nass. Das mögen die Raupen nicht. Ich hoffe deshalb, dass es nicht so schlimm wird wie in den letzten Jahren.“

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