Plage wiederholt sich

Die Spinner sind zurück – dort ist jetzt Vorsicht geboten

Meisenkästen haben nichts geholfen. Auch der strenge Winter und feuchtes Wetter konnten dem Eichenprozessionsspinner nichts anhaben. Die gefährlichen Spinner-Raupen sind wieder zurück.
Sie sind wieder da: Am Haupteingang warnt die Stadt die Besucher des Waldfriedhofs vor den Spinner-Raupen. © Michael Dittrich

Die Eichenprozessionsspinner (EPS) sind wieder da – wegen des strengen Winters und der feuchten Witterung wohl nur etwas später als im vergangenen Jahr. Die Stadt warnt Friedhofsbesucher ausdrücklich mit Hinweisschildern vor der Gefährdung durch die Plagegeister mit den Brennhärchen, die sehr unangenehme Folgen für Menschen haben können, bis hin zu Atembeschwerden. „Auf dem Waldfriedhof haben wir mindestens 30 bis 40 Eichen entdeckt, die von Spinnern befallen sind“, sagt Bauhofleiter Gerold Schmelter. Tatsächlich sind manche Raupennester in den Baumkronen mit bloßem Auge von unten gar nicht zu erkennen.

An 25 Standorten in Oer-Erkenschwick die Raupen entdeckt

Insgesamt liegen der Stadt inzwischen Meldungen über 25 Standorte im Stadtgebiet vor, wo der Spinner auf Eichen entdeckt wurde. Der Bauhof hat die befallenen Bäume mit rot-weißem Trassierband markiert und empfiehlt diese Bereiche dringend zu meiden. Dazu zählt auch wie schon im vergangenen Jahr der Spielplatz neben der Haardschule. Ausgebreitet hat sich der Spinner auch am Haardgrenzweg, an der Ahsener Straße und der Haardstraße.

„Wo unsere Mitarbeiter mit Leiter oder Hubsteiger an die Nester herankommen, haben wir die Raupen mit Sprühkleber unschädlich gemacht“, sagt Schmelter. Etliche Hinweise von Bürgern auf die Plagegeister haben sich glücklicherweise als Fehlalarm herausgestellt. In diesen Fällen handelte es sich um Gespinstmotten, die große Netze um Bäume und Sträucher spinnen. Im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner sind diese Insekten vollkommen ungefährlich.

Wenn der Sprühkleber nicht reicht, muss eine Spezialfirma ran

In der nächsten Woche nehmen sich Bauhof-Mitarbeiter den Waldfriedhof vor. „Wir wollen versuchen, mit eigenen Kräften und Sprühkleber der Plage Herr zu werden. Sollten wir noch mehr Nester entdecken und an die Spinner nicht herankommen, werden wir möglicherweise noch eine Fachfirma mit der Bekämpfung beauftragen müssen“, meint der Bauhofleiter.

Mit einem Spezialstaubsauger ging die Firma Scheidtmann aus Marl im vergangenen Jahr den Raupen an den Kragen. Die Raupenjäger waren rund zwei Wochen auf dem Friedhof, Schulhöfen und im Stadtpark im Einsatz und sind viel professioneller ausgerüstet als der Bauhof. Ihr Hubsteiger hat eine wesentlich größere Auslage und kommt damit auch bis in die Baumwipfel. Die Nester, in denen sich die Raupen verpuppen, verschwinden in einem großen Industriesauger und landen in der Verbrennungsanlage.

Bei Grabarbeiten den Körper bedecken und Handschuhe anziehen

Da auf dem Waldfriedhof auch Eichen betroffen sein können, die der Bauhof nicht markiert hat, mahnt Schmelter alle Friedhofsbesucher zur Vorsicht. „Die Brennhärchen können meterweit durch die Luft fliegen. Deswegen rate ich dringend, bei Grabarbeiten den Körper zu bedecken und auch Handschuhe zu tragen. Bei einem unfreiwilligen Selbsttest hat der Bauhofleiter schon mal eigene Erfahrungen mit den Raupen machen müssen: „Es dauerte drei Tage, bis das Brennen und Jucken an den Füßen nachgelassen hat.“ Raupen fallen nämlich schon mal aus ihren Nestern, manchmal trägt der Wind die Brennhärchen auch weiter.

Die positive Nachricht: Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Spinner-Plage noch nicht so groß wie im vergangenen Jahr. Da waren etwa 95 Prozent der rund 150 Eichen auf dem Waldfriedhof befallen. Der großflächige Einsatz von Meisenkästen – die Vögel sind natürliche Fressfeinde der Raupen – zeigte offensichtlich keine große Wirkung. Die Hoffnung, dass der strenge Winter dem Eichenprozessionsspinner nicht schmeckt, hat sich jetzt ebenso nicht erfüllt. Schmelter meint: „Das gefährliche Stadium mit den Brennhärchen haben die Raupen bereits erreicht. Die Plagegeister werden uns noch bis in den August hinein beschäftigen.“

Ab der dritten Häutung enthalten brennhaare das Nesselgift
  • Die Eichenprozessionsspinner (EPS) sind einheimische Nachtfalter. Sie halten sich gern in warm-trockenem Klima auf. In Deutschland hat sich diese Insektenart in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet.
  • Die EPS können für Mensch und Tier unangenehm werden, wenn sie in Berührung mit den Brennhaaren kommen. Die Haare der Raupen können allergische Reaktionen bis hin zu Asthma-Anfällen auslösen. In Deutschland sind infolge der Massenvermehrungen mittlerweile alle Bundesländer betroffen.
  • Während der Metamorphose häuten sich die Raupen ganze sechsmal. Ab der dritten Häutung enthalten die Brennhaare das Nesselgift Thaumetopoein.

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