Zweimal die Woche am Stäbchen lutschen

Seit Montag Pflicht – so läuft es mit dem Lolli-Test in Schulen

Statt Schulbüchern werden um Punkt 8 Uhr erstmal die Teststäbchen ausgepackt. Seit Montag gibt es noch keine positiven Befunde an den vier Grundschulen in Oer-Erkenschwick.
Erva, Ida und Umut (v.L.) von der Klasse 3b der Clemens-Höppe-Schule machen gerade den Lolli-Test, und das mit guter Laune. Foto: © Martin Pyplatz

Statt Mathe- oder Deutschbuch packen die Grundschüler in Oer-Erkenschwick seit Montag in der ersten Unterrichtsstunde erst mal ihren Lolli-Test aus. Das Stäbchen mit Tupfer müssen die Kinder 30 Sekunden über die Zunge rollen, brauchen es dafür nicht in die Nase zu bohren: Das ist angenehmer und zudem viel genauer. Beim Lolli-Test handelt es sich nämlich um einen PCR-Test, der viel zuverlässiger als Schnelltests das Coronavirus nachweist.

Punkt 8 Uhr zücken die Kinder in der Ewaldschule das Stäbchen. „Toll finden sie das nicht unbedingt, sie machen das Beste daraus. Lolli-Test hört sich ja ganz witzig an. Mir wäre lieber, wenn alle Kinder im Unterricht, keine Maske mehr tragen müssten“, meint Bettina Reinicke, die zurzeit die Ewald- und die Albert-Schweitzer-Schule leitet.

Bis zu 15 Teststäbchen landen in Oer-Erkenschwick im Pool

Ganz so einfach, wie es sich anhört, ist der Corona-Test mit Lutscher ohnehin nicht. Vom Mund der Kinder wandern bis zu 15 Stäbchen in ein Röhrchen, den sogenannten Pool. Um 8.30 Uhr sammelt der Hausmeister die „Pools“ ein und bringt sie zur Sammelstelle in der Clemens-Höppe-Schule. „Dort werden die Tests von insgesamt vier Oer-Erkenschwicker Schulen abgeholt und nach Datteln gebracht. Von dort aus gehen sie ins Labor nach Iserlohn“, sagt Reinicke.

Über den Befund informiert das Labor bis 21 Uhr die Schulleitung. Die Ergebnisse kamen gestern aber erst zwei Stunden später. Zum Glück waren alle Befunde negativ. Sollte ein Röhrchen aus einer Schulklasse negativ sein, muss Reinicke Phase zwei starten und die betroffenen Eltern informieren. Sämtliche Kinder müssen zuhause einen Solo-Lolli-Test machen. Die Röhrchen gehen wieder ins Labor. Alle Pool-Kinder müssen so lange zu Hause bleiben, bis feststeht, welches oder welche Kinder mit dem Coronavirus infiziert sind. „Die Infizierten müssen zu Hause in Quarantäne bleiben, die anderen dürfen wieder in die Schule kommen“, meint Reinicke.

Ergebnisse kommen teilweise ziemlich spät

Der Positiv-Fall ist in allen vier Grundschulen seit Montag noch nicht aufgetreten. „Allerdings haben wir Probleme, wenn die Testergebnisse sehr spät kommen. Die Pool-Eltern müssen bei einem positiven Befund am nächsten Morgen bis 8.30 Uhr den zu Hause durchgeführten Lolli-Test zur Schule bringen, sonst wird es kompliziert“, sagt Christel Berg, die zurzeit Clemens-Höppe- und Haardschule leitet. Mehr Arbeit als die neuen Tests macht der Rektorin beim laufenden Wechselunterricht die Organisation der Notbetreuung für Kinder in der Schule, die nicht zu Hause von den Eltern betreut werden können.

Unterricht leidet nicht unter den neuen Tests in Oer-Erkenschwick

Der Unterricht leidet nach Auffassung der Lehrer wohl nicht unter den neuen Lolli-Tests, der organisatorische Aufwand ist aber zusätzliche Arbeit. Und auf Anhieb klappt auch nicht alles so, wie es soll. Zwar gab es am vergangenen Freitag für alle ausführliche Elternbriefe und die Lolli-Tests für zu Hause. In einem Fall waren Eltern am Montagmorgen aber vorgeprescht und haben vor dem Unterricht schon mal zu Hause getestet und das Röhrchen zusammen mit dem Kind zur Schule gebracht. „Das nächste Problem bekommen wir, wenn Kinder zu spät zur Schule kommen und den Lolli-Test verpassen. Dann bleibt uns nur noch der übliche Schnelltest mit Stäbchen in der Nase und 15 Minuten Wartezeit. Sonst kann das Kind nicht zum Unterricht in die Klasse“, sagt Reinicke.

Weil die Kinder zurzeit im täglichen Wechsel zum Präsenzunterricht in die Schule kommen, oder im Distanzunterricht zu Hause lernen, wird jeder Schüler zweimal die Woche getestet. Freitags haben die Kinder übrigens immer „lollifrei“. Kommenden Freitag haben sie wegen des beweglichen Ferientags nach Christi Himmelfahrt dazu auch noch schulfrei.

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