„Tier“ stockt Flotte auf

150 neue E-Scooter rollen durch die Stadt

Sie liegen auf dem Boden, blockieren Rad- und Fußwege. Auch ein Jahr nach Start sind E-Scooter vielen Bürgern ein Dorn im Auge. Ein Anbieter sieht das anders – und stockt seine Flotte auf.
Eine Junge dreht im Schatten der Liebfrauenkirche eine Runde auf dem E-Scooter. © Alina Meyer

Entgegen aller vorangegangener Skepsis vonseiten mancher Bürgerinnen und Bürger scheint der Markt in Recklinghausen durchaus lukrativ zu sein für E-Scooter-Anbieter. Erkennbar ist das daran, dass der Anbieter „Tier“ nicht nur am Standort festhalten will, sondern zugleich auch seine Recklinghäuser Flotte aufstockt: von 250 auf nun 400 E-Scooter. Damit dürften an die 850 E-Scooter im Stadtgebiet verteilt sein. Denn neben „Tier“ sind auch die Anbieter „Spin“ (ca. 100 E-Scooter) und „Lime“ (350 E-Scooter) vertreten.

Anbieter „Tier“ hat aktuell die größte E-Scooter-Flotte im Stadtgebiet. © Alina Meyer © Alina Meyer

Die Firma „Tier“ zieht nach dem ersten Jahr eine positive Bilanz und verzeichnet mehr als 120.000 Fahrten von circa 11.000 Nutzern auf den akkubetriebenen E-Scootern in Recklinghausen. „Unser E-Scooter-Service wird sehr gut angenommen und wir konnten schon mehr als 50.000 Pkw-Kilometer in Recklinghausen mit unserem klimaneutralen Mobilitätsangebot ersetzen“, sagt Matthias Weber, Regional Manager Westfalen bei Tier. „Wir rechnen damit, dass der Bedarf an individuellen Mobilitätsoptionen in Zukunft weiter steigt.“

Stadt möchte Abstellflächen ausweisen

Dass die emissionsfreien Roller nicht nur auf Begeisterung und Verständnis stoßen, ist bekannt. Kürzlich haben die Ratsmitglieder Monika Schwarz und Erich Burmeister (Die Linke) einen Ratsantrag auf den Weg gebracht, in dem sie Politik und Stadtverwaltung dazu auffordern, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen, die die Fahrzeuge mit sich bringen. Die Linke prangert an, dass die Roller Bürgersteige blockieren, umkippen und dann auf Wegen, an Straßenrändern und in Baumscheiben liegen. „Diese Situation ist unhaltbar und auch gefährlich“, sagte Erich Burmeister. Er forderte die Stadt dazu auf, konkrete Abstellbereiche für die E-Scooter auszuweichen, wie es andere Städte bereits tun.

Und wie es aussieht, könnte dieser Ratsantrag Erfolg haben. David Herz, städtischer Nahmobilitätskoordinator, sagt: „Wir sehen die Problematiken, die die E-Scooter mit sich bringen, und werden versuchen, künftig stärker einzugreifen. In Abstimmung mit den Anbietern suchen wir Stellen, wo viele Fahrten gestartet und beendet worden sind. Da sollen künftig ausgewiesene Abstellflächen entstehen.“ Zudem soll es nach dem Wunsch der Stadt Gutscheine für Fahrten geben, wenn die Roller ordnungsgemäß abgestellt worden sind. Herz: „Da sind wir noch in Verhandlungen mit den Anbietern. Sie sind größtenteils zu Gesprächen bereit.“

David Herz, Nahmobilitätskoordinator bei der Stadt, möchte die Probleme, die die E-Scooter mit sich bringen, aus der Welt schaffen. © Alina Meyer © Alina Meyer

Bei aller Kritik merkt der 32-Jährige aber auch an, dass die Firmen mehrere 10.000 Fahrten im Stadtgebiet verzeichnen. „Es herrscht auf jeden Fall ein nachweislicher Bedarf an Fahrzeugen, sonst würden sie nicht so stark genutzt.“ Am Technischen Rathaus am Westring habe David Herz schon des Öfteren beobachtet, dass Nutzer ihren Roller abstellen und zu Fuß weitergehen in Richtung Hochlar. „Das ist ein Indiz dafür, dass viele Menschen ihr Ziel noch nicht erreicht haben. Es gibt sicherlich noch weitere solcher Stellen. Eine Idee könnte sein, das Nutzungsgebiet an dieser Stelle zu vergrößern oder die Grenze dahin zu verlegen, wo mehr Platz ist.“

Anzahl variiert je nach Witterungslage

Den neuerlichen Zuwachs an „Tier“-Scootern dürften die Bürger gar nicht sonderlich bemerken. „Die zusätzlichen Roller sind bereits im Stadtgebiet unterwegs.“ Was vermutlich nicht viele Menschen wissen, ist, dass die Zahl an vorhandenen Rollern variiert. Herz: „Die Anbieter passen ihre Flotten permanent an, indem sie ihre Daten auswerten und schauen, wo Bedarf herrscht und wo nicht. Dementsprechend stehen am Hauptbahnhof zum Beispiel mehr Roller als an gewissen Stellen in Suderwich. Das hat auch damit zu tun, wie viele Roller die Anbieter gerade zur Verfügung haben. Denn auch sie müssen regelmäßig gewartet werden.“

Werden die zwei übrigen Anbieter nachziehen und den Markt ebenfalls mit zusätzlichen E-Scootern überschwemmen? Herz: „Nach unserem Kenntnisstand möchte keine der Firmen ihre Flotte aktuell weiter vergrößern.“

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