Überraschender Fund

2500 Jahre alte germanische Keramiken in Suderwich entdeckt

Da waren auch die Archäologen aus Münster überrascht. Keramiken aus der Eisenzeit wurden auf der Baustelle bei der SG Suderwich gefunden. Die Experten gruben weiter und fanden immer mehr.
Jede Menge Keramik aus der Eisenzeit (ab 500 vor Christus) wurde auf der Baustelle bei der SG Suderwich gefunden. Arno Straßmann, der Bodendenkmal-Beauftragte der Stadt Recklinghausen, zeigt hier die für Töpferarbeiten aus jener Zeit typischen Verzierungen mit Kammstrichen. © Oliver Kleine

Einen bemerkenswerten Fund aus vorchristlichen Zeiten hat Arno Straßmann in Suderwich gemacht. Der ehrenamtliche Bodendenkmal-Beauftragte untersucht im Auftrag der Stadt alle Baugruben in Recklinghausen auf archäologische Funde. So war der 66-Jährige in der vergangenen Woche auf der Baustelle für den neuen Kunstrasenplatz der SG Suderwich. Was er dort entdeckte, überraschte auch die Experten von LWL-Archäologie für Westfalen.

Töpferarbeiten aus der Eisenzeit

Es handelt sich um Keramiken aus der Eisenzeit. Die Töpferarbeiten müssten germanischen Ursprungs sein, erklärt Straßmann. Er informierte die Denkmalbeauftragte der Stadt und das Fachamt für Archäologie in Münster.

Arno Straßmann hat etliche archäologische Fundstücke aus dem Lehmboden im Untergrund des zukünftigen Kunstrasenplatzes am Paßkamp ausgegraben. © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Das schickte umgehend zwei Archäologen nach Recklinghausen. Die Experten förderten immer mehr Keramik zutage. „Über die ganze Länge des Fußballplatzes gab es Fundstellen. Das ist sicher ein Beleg für eine germanische Siedlung in Suderwich“, ist Straßmann überzeugt.

An dieser Stelle hatte niemand damit gerechnet

Die hatte an dieser Stelle niemand vermutet, da in dem Bereich am Paßkamp keinerlei archäologischen Vorfunde beim Fachamt in Münster dokumentiert gewesen seien. „Es gab bisher so zentral in Suderwich keine derartigen Funde, sondern nur in der Brandheide und an der Emscher“, erklärt Straßmann.

Eine von etliche Fundstellen. © Straßmann © Straßmann

Zahl der Fundstücke geht in die Hunderte

Insgesamt seien in den wenigen Tagen Hunderte Fundstücke ausgegraben worden. „Wenn die Bauarbeiten nicht schon so weit fortgeschritten gewesen wären und die Archäologen mehr Zeit gehabt hätten, wären sicher noch andere Funde möglich gewesen. Meistens kommt man zu spät.“ Die entdeckten Keramiken stammten höchstwahrscheinlich von Krügen und großen Vorratsgefäßen für den täglichen Gebrauch.

Belege für eine germanische Siedlung in Suderwich: Bodendenkmalbeauftragter Arno Straßmann (r.) und Markus Flögel vom Verkehrsverein Suderwich-Essel an der Fundstelle. © Oliver Kleine © Oliver Kleine

„Vorwiegend Getreide wurde in diesen großen Behältern gelagert. Manchmal findet man auch noch Getreide darin. Dann kann man mit der C14-Methode das genaue Alter bestimmen“, erläutert Straßmann. In Suderwich gab es aber kein Getreide, auch Knochen wurden nicht gefunden. Die Fundstücke würden nun in Münster gereinigt und dokumentiert. „Die Archäologen werden versuchen, aus der großen Zahl an Keramiken eines der Vorratsgefäße wieder zusammenzusetzen.“

Eine Töpferscheibe war noch unbekannt

Straßmann vermutet, dass damals in Suderwich auch der Ton abgebaut wurde. Krüge und Gefäße seien einfach mit den Händen geformt worden. „Eine Töpferscheibe kannten die Germanen jener Zeit nicht.“ An den Keramik-Scherben könne man deutlich die Magerung aus Granitgrus erkennen. „Es wurden Granitsteine zertrümmert und dem Ton beigemengt. Das sorgt dafür, dass das Gefäß beim Brennen nicht springt.“ Dies sei ein ganz typisches Zeichen für eine Keramik aus der Eisenzeit. Auch einen unversehrten Granitstein habe er in einer der Gruben erspäht. Man müsse für solche Dinge einen Blick entwickeln, um archäologische Funde überhaupt als solche erkennen zu können.

Am Wochenende machte der 66-Jährige gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin eine Extraschicht auf dem Grabungsfeld. Dabei fand sie das größte Stück. Das bestimmt 30 Zentimeter lange Artefakt sei mit großer Wahrscheinlichkeit ein Teil aus dem Boden eines Vorratsgefäßes. Inzwischen ist die Baustelle wieder komplett freigegeben.

Straßmann rät allen, die einen archäologischen Fund machen, ihr Stück an das Fachamt in Münster weiterzugeben. So erhalte man eine Expertise darüber. Und entgegen der verbreiteten Befürchtung bekomme man es auch zurück. „Ein Freund hat eine Silbermünze auf einem Feld gefunden und nach Münster geschickt. Jetzt hat er sie wieder und weiß, dass sie aus dem Dreißigjährigen Krieg stammt.“

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