Zum Muttertag

Abenteuer Mama: Eine ganz schöne Herausforderung

Blumen, Pralinen, Parfum: Am Muttertag machen kleine wie große Kinder Geschenke und sagen Danke. Doch wie ist es, zum ersten Mal Mama zu sein? Katharina Siemann erzählt von dem neuen Leben.
Katharina Siemann mit ihrem Wunschkind Oliver. Das muntere Kerlchen hält seine Mama immer auf Trab. © Privat

Oliver ist ein gutes halbes Jahr jung. Bis zu seinem ersten Wort „Mama“ dauert es noch. Aber das muntere Baby ist selbst ein Geschenk. „Wenn auch ein ganz schön forderndes“, sagt die 29-Jährige und lacht ihren kleinen Mann an. Der gluckst und guckt mit großen Augen.

Im Herbst 2019 haben Katharina und Patrick Siemann ihre Traumhochzeit gefeiert. Bald kündigte sich der gewünschte Nachwuchs an. „Die Schwangerschaft habe ich genossen“, erinnert sich die junge Frau. Am 26. Oktober 2020 begann das „Abenteuer Eltern“. Wenn die Mutter die ersten sechs Monate mit Baby zusammenfassen soll, sagt sie nach kurzem Überlegen: „Es ist zehnmal schöner, als ich es mir vorgestellt habe, aber auch viel anstrengender.“ Gelbsucht, Drei-Monats-Koliken und tagsüber ein fast immer waches Kerlchen – Oliver braucht stets Aufmerksamkeit. „Ein Glück, dass ich Patrick habe. Nach der Arbeit und auch am Wochenende hält er mir den Rücken frei“, sagt Katharina Siemann. „Hut ab vor Alleinerziehenden. Ich wüsste nicht, wie ich das ohne meinen Mann schaffen könnte.“

Ausschlafen und ein gemütliches Bad nehmen

Für den ersten Muttertag seiner Frau hat sich Patrick Siemann schon etwas ausgedacht. „Er hat gesagt, dass ich ausschlafen und in aller Ruhe ein Bad nehmen darf.“ Dass der junge Vater nachmittags seine Mama besucht, findet sie nicht nur selbstverständlich, sondern auch toll: „Die beiden haben ein besonderes Verhältnis.“ Katharinas Mutter bekommt erst am Montag Besuch, denn dann hat sie Geburtstag. „Weil wir durch Corona so viel zu Hause sind, ist Oliver das Autofahren nicht gewöhnt. Das tue ich uns zwei Tage hintereinander nicht an.“

Nur die Pandemie wirft einen Schatten auf das junge Familienglück. Oliver hat Omas und Tanten, die vernarrt in ihn sind. Seine Eltern haben viele Freunde. „Aber Corona verhindert fast alle Kontakte“, stellt Katharina Siemann seufzend fest. Ihre einjährige Elternzeit hatte sie sich so schön ausgemalt: Mit dem Baby auf Achse sein, Besuche machen, in die Krabbelgruppe gehen… „Jetzt bin ich meistens mit dem Kleinen allein zu Hause.“

Onlinekurs statt Babyschwimmen

Katharina Siemann fehlt auch der direkte Austausch mit anderen jungen Müttern, mal zusammen Kaffee trinken, sich Tipps geben. „Ich habe nur eine WhatsApp mit anderen Mamas, die Kinder in Olivers Alter haben.“

Besonders betrübt sie, dass kein Babyschwimmen möglich ist. „Stattdessen habe ich einen Onlinekurs in Babymassage gemacht.“ Doch auch ohne Wasser ist Oliver eine kleine Robbe. Er dreht sich auf den Bauch und schafft es fortzukommen. „Nur wenn er sich in die Ecke manövriert hat, wird er ungeduldig“, verrät die Mutter lachend.

Stichwort: Muttertag

Eine amerikanische Erfindung

  • Als Begründerin des Muttertages gilt die amerikanische Methodistin Anna Marie Jarvis, die am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter, ein „Memorial Mothers Day Meeting“ veranstaltete.
  • Nach der Pioniersarbeit setzte sich der Muttertag nach dem Ersten Weltkrieg auch auf dem europäischen Festland durch. In Deutschland wurde er zum ersten Mal 1923 gefeiert.

Oliver versucht sich derweil als Kranich. Kopf im Nacken, Ärmchen gespreizt und Füße angehoben – jede Pilates-Lehrerin würde ob dieser Körperspannung schwärmen „In diesen Momenten bin ich nur glücklich“, sagt Katharina Siemann und strahlt ihren Schatz an. Der schenkt ihr ein hinreißendes zahnloses Grinsen. „Seine Entwicklung mitzuerleben, das erste Lächeln, seine Fortschritte… Da geht mir das Herz auf.“ Die vielen Stunden, in denen das Baby nur friedlich bleibt, wenn es auf Mamas Arm ist, sind dann vergessen: „Zum Glück gibt es Tragegurte.“

Zu all der Liebe, Freude, Erschöpfung und Müdigkeit hat sich ein neues Gefühl im Leben breit gemacht: das der Sorge. „Mein Kollege hat mir prophezeit, dass das passiert. Ich wollte es ihm nicht glauben.“ Gleich in den ersten drei Monaten, als Oliver oft Bauchweh hatte und bitterlich weinte, bekamen die Eltern die volle Ladung ab: „So hilflos haben wir uns nie zuvor gefühlt.“

Am Sonntag feiert Katharina Siemann stolz den ersten Muttertag. Fast noch mehr freut sie sich auf den Vatertag: „Oliver und ich haben uns was ausgedacht. Patrick ist schließlich der tollste Papa der Welt!“

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