Gasthaus und Gastkirche

„Aggressives Betteln geht von schätzungsweise fünf Personen aus“

Am Montag berät der Stadtrat über eine Verordnung, in der Verbote aggressives Betteln, das Lagern in Gruppen und dauerhaftes Kampieren im Freien stehen. Nun äußert sich das Gasthaus dazu.
Zu den geplanten Verboten gegen aggressives Betteln und Kampieren im Freien haben sich nun die Verantwortlichen von Gasthaus und Gastkirche geäußert. © picture alliance / Arne Dedert/d

Die Stadt will mit Verboten gegen aggressives Betteln, aber auch gegen die Drogen- und Wohnungslosen-Szene in der Innenstadt und am Neumarkt sowie der Bochumer Straße vorgehen. Über eine entsprechende Verordnung entscheidet der Stadtrat am 29. November. Demnach sollen aggressives Betteln, das Lagern in Personengruppen und dauerhaftes Kampieren im Freien verboten werden. „Stilles Betteln“ bleibt nach wie vor erlaubt (wir berichteten).

Nun haben sich Gasthaus und Gastkirche, wo man sich bekanntlich stark für die Wohnungslosen in Recklinghausen engagiert, zu dem Thema geäußert: Es gebe Mitbürger, die um ihren Lebensunterhalt betteln müssten. Aggressives und übergriffiges Verhalten von Wenigen darunter verbiete sich und sollte dezidiert in die bestehende „Ordnungsbehördliche Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung der Stadt Recklinghausen“ aufgenommen werden, wenn man diesen Menschen, „die nach unserer Einschätzung weniger als fünf Personen ausmachen, nicht anders beikommen kann“, so die Verantwortlichen von Gasthaus und Gastkirche.

„In einer Großstadt leider Teil der Wirklichkeit“

Zum Thema „dauerhaftes Kampieren im Freien“ heißt es: „Wohnungslose Mitmenschen können keine Tür hinter sich schließen, daher

halten sie sich im öffentlichen Raum auf. Manche von ihnen mögen oder

können weder das städtische Angebot in der städtischen Übernachtungsstelle annehmen noch die Wohnungsberatung der Diakonie.“ Sie suchten sich einen Schlafplatz – oft bei Freunden, manchmal auch in ungenutzten Häusern und Garagen, auf dem Friedhof, in Parks oder Tiefgaragen. „Das sollte nicht so sein, aber… in einer Großstadt ist das leider Teil der Wirklichkeit.“ Schwierigkeiten entstünden nach den Erfahrungen der Gasthaus-Betreiber durch dauerhaftes und wiederkehrendes Verhalten an einem Ort, wo das von anderen als störend erlebt werde. „Wenn der Stadtrat darüber entscheidet, möge er diesen Aspekt von dauerhaftem Verhalten (gegenüber punktuellem oder zeitweisem Vorkommen) berücksichtigen“, wünschen sich Pfarrer Ludger Ernsting und seine Mitstreiter.

In Bezug auf die Drogenszene machen die Gasthaus-Verantwortlichen darauf aufmerksam, dass für manche Suchtkranke der öffentliche Raum der Stadt, zu der sie gehören, ein wichtiger Treffort, ihr „Zuhause“ sei. „Vielleicht regt der Stadtrat – bevor eine neue Regelung in Blick auf dieses Verhalten verabschiedet wird – in unserer Stadt die Schaffung von mehr Tagesaufenthaltsplätzen als Begegnungsorten an sowie Konsumräumen, wo eine Begleitung in dieser Situation auch mit gegeben wäre. Damit wäre gleichzeitig auch die Hilfe zum Ausstieg aus der Krankheit näher da – zum Beispiel durch Therapievermittlung.“

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