Rückkehr zur „Normalität“?

Auch Recklinghausens Stadtverwaltung macht sich langsam locker

Das Rathaus besucht man zwar meist nicht so gerne wie Außengastronomie, Kino oder Fitness-Studio. Aber Lockerungen der Corona-Einschränkungen können auch hier den Menschen helfen.
Bald soll es im Rathaus wieder "normal" zugehen. Doch noch haben Bürger wegen des Infektionsschutzes nur begrenzt Zutritt, verschanzt sich die Stadtverwaltung quasi hinter den Corona-Regeln. Die Skulptur "Bürger tragen ihre Stadt" wurde sinnbildlich von einem Spaßvogel mit Stoffmasken "geschmückt". © Archiv

Es ist zwar erst einige Tage her, dass Bürgermeister Christoph Tesche auf dem Altstadtmarkt an alle Bürger appellierte, weiterhin vorsichtig zu sein und kein unnötiges Corona-Ansteckungsrisiko einzugehen. Doch seitdem hat das Gesundheitsamt gerade einmal fünf Neuinfektionen registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Recklinghausen liegt stabil unter 20 und weniger als einer unter 1000 Recklinghäusern gilt aktuell noch als ansteckend und steht unter Quarantäne.

Da stellt sich die Frage, wann auch der Bürgermeister mit seiner Stadtverwaltung zu einer gewissen „Normalität“ des Bürger-Service zurückkehren will.

Seit Monaten gilt hier als Vorsichtsmaßnahme: Wer einen neuen Ausweis oder eine Urkunde aus dem Standesamt braucht, wer Bau- oder Wohngeldanträge stellen oder wer gerne persönlich mit dem zuständigen Amt über ein verhängtes Bußgeld diskutieren möchte – muss auf einen Termin warten. Er oder sie darf nicht mehr „einfach so“ ins Rathaus marschieren. Ähnlich wie bei einer Arztpraxis heißt es: Erst den Termin vereinbaren, der wie bei manchen Ärzten mitunter Monate in der Zukunft liegen kann, dann persönlich vorsprechen. Zusätzlich richtet die Stadt bis heute die Bitte an alle, sie nur mit unaufschiebbaren Angelegenheiten zu behelligen.

Stadtbedienstete aus dem Homeoffice zurückholen

Doch das wird sich ändern. Stadtsprecher Hermann Böckmann sagt, die Stadt fange angesichts der sich entspannenden Corona-Lage und der fortschreitenden Impfungen nun an, Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück an ihre regulären Arbeitsplätze zu holen. Ganz frei ist aber auch die Stadt als Arbeitgeber (2000 Beschäftigte) in dieser Frage nicht: Sie muss bis Ende dieses Monats noch die sogenannte „Arbeitsstättenschutzverordnung“ zu Corona befolgen. Und die schreibt zum Beispiel vor, dass nur ein Mitarbeiter auf zehn Quadratmeter Fläche zugelassen ist. Viele größere Büros müssen also vorerst ausgedünnt bleiben. Die Stadt werde ihre Rückholaktion darum nicht Hals über Kopf, sondern „mit dem nötigen Augenmaß machen“, so Böckmann.

Die Vergabe von Terminen über eine Onlineplattform fürs Bürgerbüro werde von vielen Bürgern aber nicht als Einschränkung, sondern als durchaus praktisch wahrgenommen, glaubt der Rathaus-Sprecher. Es gebe darum „Überlegungen, diese Verfahrensweise auszudehnen. So wurde erst im jüngsten Personalausschuss ein Antrag der SPD behandelt, eine zentrale Onlineterminvergabe für alle Bürgerangelegenheiten zu installieren. Vorerst halten wir noch an der Terminvergabe fest, wobei bei entsprechender Dringlichkeit telefonisch immer auch ein zeitnaher Termin möglich gemacht wird.“

Da eine zunehmende Zahl von Stadtbediensteten bald wieder in ihren Büros sitze, ergebe sich laut Böckmann „dann automatisch eine weitere Öffnung für persönliche Termine der Bürgerinnen und Bürger“. Wann der Betrieb komplett auf „normal“ umgestellt sei, könne er aber noch nicht genau sagen.

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