Insekten im Zoo

Auch wilde Bienen fühlen sich im Tierpark pudelwohl

Eleganter Zuwachs im Tierpark: Manni trägt Zylinder, Brille und einen braunen Pelz. Für seine Artgenossen, die Rostroten Mauerbienen, gibt es ein neues Heim. Sie müssen nur noch einziehen.
Ela (4) und Erklärbiene Manni zeigen, wie die Mauerbienen Höhlen für ihre Brut anlegen. © Jörg Gutzeit

Dass Biene längst nicht gleich Biene ist, wissen die wenigsten Menschen. Im Tierpark im Stadtgarten erfahren Besucher nun die Unterschiede. Und wenn sie etwas Glück haben, kreuzt dabei auch mal eine wilde Biene ihren Weg. Denn zum Insektenhotel gibt es jetzt auch eine Nisthilfe, die Rostrote und Gehörnte Mauerbienen einladen sollen, ihre Brut im Zoo aufwachsen zu lassen. Manni, eine Comicfigur mit Zylinder und Brille, führt durch den neu angelegten Teil.

„Er ist eindeutig ein Vertreter der Rostroten Mauerbiene“, sagt Elisabeth Schüller. Die leitende Tierpflegerin zeigt auf das rehbraune pelzige Hinterteil und erklärt weiter: „Anders als die berühmte Maja. Die soll eine Honigbiene sein, sieht aber aus wie eine Wespe.“

Eine Spende des Fördervereins über 3400 Euro hat die insektenfreundlichen Neuerungen im kleinen Zoo möglich gemacht. Als bei der letzten Jahreshauptversammlung im Herbst die Idee aufkam, war die Hoffnung noch groß, dass jetzt schon die ersten Brutkammern in der Nisthilfe belegt sind. „Aber das Frühjahr war zu kalt“, bedauert Tierparkleiter Stefan Klinger. So steht das Haus noch leer. „Aber einige Mauerbienen sind schon vorbeigeflogen“, ergänzt Elisabeth Schüller.

Mensch und Tier erkunden das fremde Terrain

So wie die Tiere müssen auch die Menschen das fremde Terrain erst erkunden. Ela steuert zielstrebig den neuen „Sandkasten“ neben dem Kaninchengehege an, schaufelt gleich eine der Röhren zu, die sich dort befinden. Dass es so ähnlich auch die Mauerbienen machen, weiß die Vierjährige nicht. Und auch ihr Papa Ibrahim Kocak hat den Sinn auf den ersten Blick noch gar nicht entdeckt. „Das schauen wir uns noch genauer an“, kündigt der Marler an. Schließlich besucht er mit seiner Tochter regelmäßig den Tierpark.

Ela riskiert einen Blick durch die Facettenbrille und weiß nun, wie Bienen gucken. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

„Edukationselement“ nennt sich diese Spielstation, an der Klein und Groß gemeinsam den Lebenszyklus der Bienen erkunden können. Neugierig linst Ela durch eine Brille, die an der dazugehörigen Infotafel angekettet ist. Die Welt erscheint in vielen kleinen Waben, ein Effekt der Facettenaugen, mit denen die Bienen einen Rundum-Blick haben. Und den werfen sie im kommenden Frühjahr hoffentlich auf die dann blühenden neuen Mandel-, Kirsch- und Apfelbäumchen.

„Die Mauerbienen produzieren keinen Honig, sind aber als Blütenbestäuber für die Natur und auch Landwirtschaft unersetzlich“, erklärt die Tierpflegerin. Während Wildbienen Einzelgänger, oder besser gesagt -flieger sind, leben Honiglieferanten in Völkern.

Im Baumhöhlensimulator summt es

Eines davon hat nun ebenfalls im Tierpark ein Zuhause gefunden, und zwar am Rande des neuen Baumhöhlenpfades in der Nähe des Gatters der Hängebauchschweine. Allerdings wird es auch künftig keinen Honig aus Tiergarten-Produktion geben. „Dieses Volk ist völlig sich selbst überlassen, wir haben ihm nur die Nisthöhle zur Verfügung gestellt“, so Klinger.

Doch die Höhle hat weitaus mehr ins sich. Sie ist ein Simulator. Was von außen wie ein Stamm aussieht, hat hinten eine Klappe, die sich öffnen und durch Acrylglas den Blick auf das Innenleben freigibt. Das Tierpark-Volk war in den vergangenen Wochen bereits sehr fleißig und hat eine Wohnsiedlung von sehr ansprechender Architektur erbaut. Das Baumaterial ist feinstes Wachs.

Weil die Klappe nur zu besonderen Anlässen, etwa bei Führungen, geöffnet wird, gibt es zur Beobachtung auch innen Hightech: Über eine Endoskop-Kamera und ein Wärmebildgerät ist das wilde Treiben zu beobachten und wird sogar online übertragen, nämlich auf www.beekeeping-revolution.com.

Tierparkleiter Stefan Klinger und die leitende Tierpflegerin Elisabeth Schüller vor dem Baumhöhlensimulator. Darin hat sich bereits ein Bienenvolk angesiedelt. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Dabei war die Anschaffung durch den Förderverein mit einigen Hindernissen verbunden. „Diesen Simulator gibt es nur in der Schweiz“, erklärt Schatzmeisterin Miriam Lingk. Der Zoll fand das Fabrikat auch interessant und hielt es einige Wochen fest. „Am Ende mussten wir 310 Euro für die Einfuhr bezahlen“, berichtet Beisitzer Dieter Bredenbrock.

Baumhöhlenpfad statt giftiger Rhododendren

Für den Baumhöhlenpfad mussten zudem einige Rhododendronbüsche weichen. Sie wurden in den Stadtgarten umgepflanzt. Der Tierparkleiter ist froh, dass die Sträucher fort sind. Schließlich war im vergangenen Jahr Ziegenbock Titus mutmaßlich an einer Vergiftung durch Rhododendronblätter gestorben, die Besucher abgepflückt und in sein Gehege geworfen hatten.

Wer unten den Hebel betätigt, bringt oben den Grünspecht zum Klopfen. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

An der Stelle können die Besucher nun an einem Weg erkunden, welche Vögel und andere Bewohner in Baumhöhlen leben. Und weil die wilden Tiere eher menschenscheu sind, sitzen hübsche Figuren auf den Stämmen. Einer hämmert sogar auf Hebeldruck fleißig los, nämlich ein Grünspecht. „Den haben wir in echt auch im Garten“, stellt Bürgermeister Christoph Tesche am Rande freudig fest. Und er verrät dass er seinen Vorgarten neu, und zwar insektenfreundlich blühend bepflanzt hat: „Da summt und brummt es jetzt durchgehend.“

Das tut es auch im Tierpark. Angst vor Stichen müssen die Besucher übrigens nicht haben. „Wildbienen sind ohnehin sehr sanft und können mit ihrem weichen Stachel gar nicht stechen“, erklärt Stefan Klinger. Und wer die Abgrenzung zur Höhle der Honigbienen einhält und die Tiere nicht ärgert, habe ebenfalls nichts zu befürchten.

Die Kommunalen Servicebetriebe, und dort vor allem die Azubis, haben den Baumhöhlenpfad im Tierpark angelegt. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Übrigens: Die Neuigkeiten im Tierpark sind nicht nur für die Besucher lehrreich. Angelegt wurden sie von Mitarbeitern der Kommunalen Servicebetriebe und dabei vor allem von Auszubildenden.

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