Pläne der Stadt

Auf vielen Straßen bald nur noch Tempo 30?

Die Stadt möchte ihr Netz sogenannter Basisstraßen deutlich ausdünnen. Die FDP befürchtet, dass viele Autofahrer dadurch künftig langsamer im Stadtgebiet vorankommen. Nicht zu unrecht.
Auf deutlich mehr Straßen in Recklinghausens könnte es bald eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h geben. © Jörg Gutzeit

Auf einer Streichliste der Stadtverwaltung stehen 32 Straßennamen. Die Strecken sollen künftig nicht mehr Basisstraße sein. Auf der Liste stehen der Beisinger Weg ebenso wie die Forellstraße, Karlstraße, Ölpfad und Overbergstraße. Der augenscheinlichste Unterschied zwischen Basisstraßen und Nicht-Basisstraßen betrifft die mögliche Geschwindigkeitsbegrenzung. Während auf Basisstraßen Tempo 50 als „Regelgeschwindigkeit“ festgelegt ist, sind auf anderen Straßen niedrigere Tempolimits möglich. Zum Beispiel Tempo 30. Genau dies befürchtet der FDP-Ratsherr Udo Schmidt. „Auf diese Weise bekommen wir hinten herum mehr Tempo-30-Zonen“, polterte Schmidt in dieser Woche im Haupt- und Finanzausschuss. Der anwesende Verwaltungsvorstand reagierte prompt. „Völlig überzogen“ sei die Vorstellung, dass Autofahrer in Recklinghausen künftig nur noch Tempo 30 fahren dürften, erklärte der Technische Beigeordnete Norbert Höving. „Warum“, fragte FDP-Mann Udo Schmidt, „sollen wir die Straßen denn dann überhaupt aus dem Basisstraßennetz nehmen?“

Eine Frage, auf die es offenbar keine einfache Antwort gibt. Das bisherige Basisstraßennetz, meinte Norbert Höving, sei mehr als 30 Jahre alt. Und nicht immer sei klar, unter welchen Bedingungen eine Straße vor eben jenen drei Jahrzehnten als Basisstraße deklariert wurde. Generell stellten Basisstraßen das Grundgerüst des Straßennetzes in Recklinghausen dar. Es geht also um Haupt- und Verbindungsstraßen, die Stadtteile miteinander verbinden. Dabei könne es im Laufe vieler Jahre natürlich Verschiebungen geben, etwa wenn neue Straßen gebaut werden.

Jede dritte Basisstraße wäre keine mehr

Dem Papier der Verwaltung folgend würden 67 Straßen in Recklinghausen Basisstraße bleiben. Der Bestand würde also um etwa ein Drittel verringert. Ein Automatismus sei die Geschwindigkeitsreduzierung auf den herausgelösten Straßen nicht, betonte Dezernent Höving. Vielmehr böten sich mehr Spielräume bei der generellen Gestaltung dieser Straßen. Und Bürgermeister Christoph Tesche stellte klar: „Letztlich entscheidet die Politik über jede einzelne Änderung der Höchstgeschwindigkeit.“ Ganz so abwegig ist der Gedanke an Tempo 30 aber offenbar auch nicht. Denn in ihrer Vorlage weist die Verwaltung explizit auf die Möglichkeit hin, „die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren“.

In der Ratssitzung am Montag, 27. September, ab 17 Uhr im Bürgerhaus Süd soll die Entscheidung über die Ausdünnung des Basisstraßen-Netzes fallen.

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