Maskenpflicht

Ausnahmeregeln für Schwerhörige sind kaum bekannt

Ältere Menschen haben seit Einführung der Maskenpflicht noch größere Probleme, das Gesagte zu verstehen. Dabei dürfen die Masken bei Gesprächen abgenommen werden.
Speziell angefertigte Masken mit Sichtfeld für den Mundbereich können Gespräche für schwerhörige Menschen extrem erleichtern. © picture alliance/dpa

Das Tragen einer medizinischen Maske ist beim Betreten von öffentlichen Gebäuden, Geschäften und Bussen noch immer Pflicht. „Allerdings gibt es Ausnahmeregeln, zum Beispiel für Schwerhörige“, weiß eine betroffene Recklinghäuserin. Die 74-Jährige möchte darüber aufklären, dass es in gewissen Situationen erlaubt ist, die Maske abzunehmen. Das sei noch nicht hinlänglich bekannt. Unterstützung erfährt sie vom Deutschen Schwerhörigenbund Landesverband NRW (DSB) und von einem Hörgeräteakustiker.

„99 Prozent der Menschen werden mit zunehmenden Alter eine Hördifferenz feststellen, also schlechter als gewohnt hören und verstehen. Das fängt schon bei einem Alter von 40 plus an“, erklärt Hörgeräteakustikermeister Thomas Senft aus Recklinghausen. Soll heißen: Schlecht hören im Alter ist völlig normal. „Und trotzdem schämen sich die Betroffenen. Sie ziehen sich zurück und vereinsamen, anstatt offen mit ihren Handicaps umzugehen. Das würde enorm helfen.“

Mundbild hilft beim Verstehen

Thomas Senft erklärt, warum das Abnehmen der Maske für schwerhörige Menschen so wichtig ist: „Ab einer mittelgradigen Schwerhörigkeit sind die Betroffenen auf das Mundbild des Sprechers angewiesen. Das hilft ihnen bei der Verständigung. Aus diesem Grund gibt es auch schon Masken mit Sichtfenster. Dadurch möchte man erreichen, dass das Mundbild erhalten bleibt.“

Der Deutsche Schwerhörigenbund Landesverband NRW hat sich aufgrund der starken Belastung durch die Maskenpflicht für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen an die Landesregierung gewandt, um eine Ausnahmeregelung zu wirken. Seit dem 7. Mai 2020 ist diese wirksam. Auch in der aktuellen Coronaschutzverordnung heißt es unter § 3 zur Maskenpflicht nun: „Auf das Tragen einer Maske (kann) ausnahmsweise verzichtet werden“ unter anderem „bei der Kommunikation mit einem gehörlosen oder schwerhörigen Menschen“.

Ausnahmeregelung kaum bekannt

„Das Problem ist, dass noch zu wenige von dieser Ausnahme wissen“, klagt die betroffene Schwerhörige. Sie habe in Arztpraxen und an der Kasse in Geschäften immer wieder Probleme, das Gesagte zu verstehen. Wenn sie den Sprecher darum bittet, die Maske abzunehmen, würden viele patzig reagieren oder behaupten, dass dies nicht erlaubt sei. „Wer nicht von einer Hörbeeinträchtigung betroffen ist, hat oft wenig Verständnis für die Schwierigkeiten, die sie mit sich bringt. Das erleben und hören wir immer wieder“, sagt Senft. Er selbst würde seine Kunden darüber informieren, dass sie die Maske abnehmen dürfen und auch, dass die beratenden Mitarbeiter dazu bereit sind. „Schließlich sind wir alle geimpft, wir desinfizieren unsere Hände regelmäßig und halten die notwendigen Abstände ein.“

Der Abend in Recklinghausen

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.