Maybachstraße

Baumschutzgruppe: Private Interessen müssen zurückstehen

Die Debatte um die Platanen an der Maybachstraße und die Umgestaltung des Gehwegs polarisieren. Hat sich die Stadt das Heft des Handelns von Baumschützern aus der Hand nehmen lassen?
Der Erhalt des Stadtgrüns in all seinen Ausprägungen hat für die Mitglieder der Baumschutzgruppe absolute Priorität. © Jörg Gutzeit

Für die Baumschutzgruppe ist klar: Private Interessen und Befindlichkeiten müssen hinter dem Natur- und Klimaschutz zurückstecken. Mit dieser Ansage reagiert Gruppensprecherin Bettina Hahn auf die Kritik eines Anwohners der Maybachstraße auf die Umgestaltung des Gehwegs.

Mit Verweis auf die Unfallgefahr durch zu hohe Wurzeln hatte die Stadt unlängst Gehwegplatten entfernt und durch eine feine Schotterschicht im Bereich der Platanen ersetzt. Es handelt sich um jene Bäume, für deren Erhalt sich die Baumschutzgruppe vor vier Jahren erfolgreich eingesetzt hatte. Die Stadt sah damals vom Fällen der Bäume ab. Nun gab es Kritik an der Neugestaltung der Gehwege.

Die Erweiterung der Baumscheiben durch die Kiesschicht macht für die Baumschutzgruppe auch deshalb Sinn, weil die Bäume nun mehr Wasser bekämen. Das Argument, sich als Nicht-Anwohnerin in die Belange eben jener Anlieger eingemischt zu haben, will Bettina Hahn nicht einfach so stehen lassen: „Man muss nicht immer die unmittelbar Betroffene sein, wenn man sich für etwas einsetzt. Letztendlich betreffen Baum- und Klimaschutz uns alle. Mittlerweile haben doch schon alle mitbekommen, dass wir auf Bäume in jeglicher Art, Form und Größe angewiesen sind – überall!“

„Stadtgrün ist Lebenselixier“

Steinchen am Schuh oder im Hausflur sollten kein Grund sein, den Bäumen das Wasser zu nehmen. Bettina Hahn weiter: „Wir müssen lernen, Bäume und Natur nicht als unsere Feinde zu betrachten, die Dreck machen, uns das Leben versauen und blöde rumstehen. Stadtgrün gehört zum Lebenselexier – auch wenn es den Menschen mal einschränkt.“

Einen Leserbriefschreiber, der nicht namentlich genannt werden möchte, treiben andere Gedanken um: „Der Bau von Straßen, ihre Umgestaltung oder Reparatur sind originäre Aufgaben der Stadt. In jeder Stadt gibt es gewählte Gremien, die darüber entscheiden. Wo ist die demokratische Legitimation der Baumschutztruppe? Wieso können Leute, die mit einem Ortsteil überhaupt nichts zu tun haben, über das Lebensumfeld anderer Menschen entscheiden?“

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