Personennahverkehr

Bewohner der Gleiwitzer Straße fühlen sich als Fahrplanopfer

Seit dem 3. Juli ist für viele Bewohner der Gleiwitzer Straße nichts mehr, wie es vorher war. Die Bushaltestelle an der Ecke Buddestraße ist weg, und dagegen formiert sich jetzt Widerstand.
Hier hält kein Bus mehr: Betroffene von der Gleiwitzer Straße haben sich im Unterstand versammelt. © Privat

Die Botschaft, die von der Gleiwitzer Straße kommt, ist eindeutig: Die Fahrplanänderung, die die Vestische am 3. Juli durchgeführt hat, ist für viele und vor allem für ältere Bewohner nicht hinnehmbar. Gerda Frerich spricht aus, was dort eine große Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern denkt: „Die Vestische hat uns nicht nur eine Haltestelle, sondern gleich eine ganze Linie weggenommen, auf die viele Senioren angewiesen waren. Die sind jetzt hier völlig abgeschnitten.“

Die Vestische hatte ihrer Kundschaft schon vor einiger Zeit mitgeteilt, dass die Linie 231 probeweise für ein Jahr verlegt werden würde, doch jetzt fürchtet man an der Gleiwitzer Straße, dass echte Tatsachen geschaffen werden: „Die Halteschilder sind komplett abgebaut. Das sieht so aus, als gäbe es kein Zurück.“

Neue Möglichkeiten durch die Ludwig-Erhard-Allee

Folgendes war bei der Fahrpanumstellung passiert: Durch die Eröffnung der Ludwig-Erhard-Allee, die eine gerade Verbindung von der Dortmunder Straße zum Oerweg bildet, sind die Karten in diesem Ortsbereich neu gemischt worden.

Zuvor hatte sich die Linie 231 über den Ossenbergweg, die Buddestraße und den Ölpfad durch die Siedlung gewunden, um dann über den Oerweg weiter nach Oer-Erkenschwick zu fahren. Jetzt nimmt die Linie 231 den direkten Weg über den Oerweg in die Nachbarstadt, nur am Abend macht sie einen Schlenker über den Börster Weg.

Den Oerweg hat früher der Schnell-Bus (SB) 24 befahren, doch auch der nimmt jetzt eine andere Route: Er holt unter der Brücke am Ende der Kunibertistraße aus, um dann über die Ludwig-Erhard-Allee und schließlich den Oerweg weiter ins Ostvest und bis Dortmund-Mengede zu fahren.

Vestische baut auch auf die Berufsschüler

Das Besondere: Der SB 24 hält einerseits am Campus Vest, wo gleich zwei Berufskollegs beheimatet sind, und am Osteingang des Hauptbahnhofs.

Und davon verspricht sich die Vestische viel, wie deren Sprecher Christoph van Bürk erklärt: „Wir hoffen, dass wir so für Berufsschüler aus dem Ostvest attraktiver werden. Und zugleich verkürzen wir die Anfahrt zum Hauptbahnhof, was eine schnellere Anbindung zu den Gleisen schafft.“

Christoph van Bürk betont: „Wir müssen als Vestische immer auch betriebswirtschaftlich denken und handeln.“ Alle Entscheidungen, die Fahrplanänderungen betreffen, seien aber auch mit den jeweiligen Kommunen besprochen worden – in diesem Fall mit Dr. Marianne Scholas als Recklinghäuser Abteilungsleiterin Mobilität.

Politik sollte informiert sein

Dem Vernehmen nach ist die ganze Problematik auch schon in der Politik angekommen, wofür spätestens am Montag (12.7.) die Betroffenen an der Gleiwitzer Straße selbst gesorgt haben: Gerda Frerich und Co. haben nämlich 185 Protest-Unterschriften gesammelt, die sie im Büro von Bürgermeister Christoph Tesche abgegeben haben.

„Was die Vestische möglicherweise nicht bedacht hat, ist der Umstand, dass hier an der Gleiwitzer Straße viel mehr Menschen wohnen als in den umliegenden Straßen. Hier stehen fünf Hochhäuser, damit kommt man auf insgesamt 200 Wohnungen, in denen rund 500 Personen leben“, gibt Gerda Frerich zu bedenken.

Doch das will Christoph van Bürk so nicht stehen lassen: „Wir treffen ja keine Entscheidungen aus dem Bauch heraus, sondern führen im Vorfeld Erhebungen und Befragungen durch, um eine gesunde statistische Grundlage zu haben. Und in diesem Fall haben wir die Erhebungen schon im Mai 2019 durchgeführt, also weit vor der Corona-Krise. Mit dem Ergebnis, dass gerade einmal zwölf Personen aus der Gleiwitzer Straße den Bus regelmäßig nutzen.“

„Alles ist erst einmal für ein Jahr angelegt“

Der Sprecher der Vestischen kann den Unmut der Kunden nachvollziehen, aber er wirbt auch um Verständnis für die Haltung des Verkehrsbetriebs: „Wir wollen jetzt erst einmal den Herbst abwarten, um festzustellen, ob zum Beispiel die Berufsschüler das Angebot annehmen.“ Und er versichert: „Die ganze Maßnahme ist in der Tat erst einmal für ein Jahr angelegt.“

So bleibt den Bewohnern der Gleiwitzer Straße bis auf Weiteres nur ein sehnsüchtiger Blick auf die Busse der Linie der Linie 231, an denen von Oer-Erkenschwick kommend immer noch über der Windschutzscheibe die Info prangt: „Über die Buddestraße zum Hauptbahnhof.“ Das war einmal…

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