Kostbare Rohstoffe

Das alte „Goldhandy“ spenden und damit Menschenleben retten

Rund 200 Mio. Althandys schlummern statistisch in deutschen Schubladen. Jedes ist ein Schatz. An vielen klebt Blut – vergossen beim Kampf um Rohstoffe. Recklinghäuser tun nun etwas dagegen.
Das Stadtkomitee der Katholiken macht mit der „Woche der Goldhandys“ auf den Wert der Altgeräte aufmerksam. © Maurizio Gambarini/dpa

Hand aufs Herz: Wie viele ausgediente Handys und Smartphones haben Sie zu Hause? Oft aus Bequemlichkeit, aber auch aus Angst um die eigenen Daten packen die meisten Leute ihre alten Mobiltelefone in eine Schublade und vergessen sie da. Deutschlandweit sollen rund 200. Millionen Geräte – vom uralten „Knochen“ bis zum modernen, aber defekten Smartphone – ungenutzt herumliegen. Dabei könnten sie Rohstoffe und Leben retten.

Sie werben für die “Woche der Goldhandys” (v.l.): Rick Hirsch (Theodor-Heuss-Gymnasium), Schwester Judith Kohorst (Gasthaus), Maria Voß und Georg Möllers (AG Eine-Welt-Kreise). © Silvia Seimetz © Silvia Seimetz

Das Stadtkomitee der Katholiken in Recklinghausen beteiligt sich darum an der „Woche der Goldhandys“. Zu den ohnehin das ganze Jahr verfügbaren Abgabestellen werden in der Aktionswoche vom 19. bis 27. Juni in sechs weiteren Kirchen und im Theodor-Heuss-Gymnasium Sammelboxen aufgestellt.

Die gesammelten Handys werden an Missio weitergeleitet. Das Hilfswerk lässt die Telefone recyceln oder noch nutzbare Geräte aufarbeiten. „Eventuell vorhandene Restdaten werden zuverlässig gelöscht“, versichert Rick Hirsch.

Daten löschen in der Mikrowelle

Für Skeptiker hat der Lehrer, der am Theodor-Heuss-Gymnasium die Sammlung koordiniert, einen anderen Tipp parat: „Einfach das Handy oder Smartphone in die Mikrowelle stecken, dann kommt niemand mehr an die persönlichen Daten.“

Anders als die Daten sind die Wertstoffe in den Handys nicht zerstörbar: Gold, Palladium und mehr als 60 weitere verwertbare „Zutaten“ stecken in jedem einzelnen Gerät.

Der Erlös aus dem Verkauf fließt in die „Aktion Schutzengel“. Mit dem Geld finanziert Missio den Aufbau von Traumazentren in afrikanischen Bürgerkriegsgebieten. Denn von eben dort kommen viele der kostbaren Materialen vor. Die wenigsten Nutzer denken beim Kauf an unsägliche Arbeitsbedingungen in Goldminen oder die Endlichkeit der Rohstoffe, um die sogar Bürgerkriege toben. „Ihnen ist nicht bewusst, dass in einem Handy oft auch Kinderarbeit steckt“, mahnt Georg Möllers, der mit Maria Voß für die Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt-Kreise die Sammelaktion seit fünf Jahren betreut.

Eine mühevolle Arbeit: Im Kongo wäscht ein Minenarbeiter auf der Suche nach wertvollen Mineralien Gestein aus. © dpa © dpa

Die Hersteller bringen ständig neue Modelle auf den Markt – und die Kunden begehren sie. „Die Verführung ist groß, die Telefonanbieter drängen ihren Kunden ja quasi alle zwei Jahre neue Geräte auf“, sagt Rick Hirsch. Umso wichtiger ist es, dass die alten „Schätzchen“ nicht im Schrank verstauben oder gar in der Mülltonne landen.

Viele Bestandteile sind kostbar und umweltschädlich

Denn viele Bestandteile eines Telefons sind nicht nur kostbar, sondern auch umweltschädlich. In modernen Recyclinganlagen hingegen können die Bestandteile getrennt und aufbereitet werden. Die Industrie verarbeitet die wiedergewonnenen Edelmetalle dank ihres hohen Reinheitsgrades nur zu gern.

Schwester Judith Kohorst betreut die Sammlung für das Gasthaus und den Weltladen. Das ganze Jahr über können dort Althandys abgegeben werden. „Viele unserer Besucher haben ein Bewusstsein dafür entwickelt, die Sammelboxen füllen sich von ganz allein“, freut sie sich. „Aber es wäre großartig, wenn durch die Aktionswoche noch mehr Menschen auf die Idee kommen, ihr Goldhandy zu spenden.“

INFO

Ständige Abgabestellen in Recklinghausen:

– Gasthaus, Heilige-Geist-Straße 7

– Weltladen, Steinstraße 1

– Kolping-Zentral ( Fam. Becker, Tel. 02361/28884)

– Jugendcafe Areopag, Steinstraße 17

– Kinder- und Jugendtreff Hillerheide, Heidestraße 25

In der Aktionswoche vom 19. bis 27. Juni stehen Sammelkisten:

Während der Gottesdienstzeiten in den Kirchen der Pfarreien St. Peter (Elisabeth, Hl. Familie, Franziskus, Markus, Michael, Paulus, Petrus, Pius, Suitbert) und St. Antonius (Antonius, Gertrudis, Hl. Kreuz, Herz-Jesu, Josef, Marien), in der St. Johannes-Kirche Suderwich und im Theodor-Heuss-Gymnasium (Sekretariat)

Hausinterne Sammlungen führen durch: Gymnasium Petrinum, Hittorf-Gymnasium, Prosper-Hospital, Erich-Klausener-Haus, Maristen-Realschule

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