Ein Stätte voller Tradition

Das Haus König Ludwig ist in Kürze Geschichte

Das Haus König Ludwig ist nicht irgendeine Gaststätte. Und so ist es aus vielen Gründen bedauerlich, dass jetzt die letzten Tage des Traditionshauses angebrochen sind.
Mit dem Abriss des Hauses König Ludwig geht ein Stück Stadtteil-Geschichte. © Jörg Gutzeit

Was dieser Schritt für den gleichnamigen Stadtteil und die Leute dort bedeutet, wird man vermutlich erst in den kommenden Monaten wirklich bemerken: Das Haus König Ludwig schließt – und das ist endgültig. Der Kaufvertrag ist längst unterschrieben, der Abriss beschlossen. Erworben hat das Gebäude samt 5200 Quadratmeter Grundstück eine Projektentwicklungsgesellschaft aus Essen, künftig werden an der Alten Grenzstraße 183 vor allem Senioren wohnen. Vermutlich wird hier sogar ein richtiges Altenheim entstehen, doch da halten sich die Investoren derzeit noch ein wenig bedeckt.

Für Muniba und Alija Seko war der Verkauf des Hauses letztlich nur folgerichtig. Eigentlich hätten die 65- und der 68-Jährige gerne noch weitergemacht, doch die Corona-Krise hat dem Gastronomen-Ehepaar mit bosnischen Wurzeln ziemlich zugesetzt. Und der Neustart verlief ebenfalls ziemlich holprig. „Man bekommt derzeit nur ganz schwer Personal“, erklärt Sohn Sabahudin Seko.

Noch Betriebsferien bis zum 2. September

Aktuell macht man dort noch bis einschließlich 2. September Betriebsferien, und es ist daran gedacht, noch einmal für eine gewisse Zeit zu öffnen. Doch ob und wie lange das geschehen wird, ist derzeit noch unklar, sicher ist nur, dass am Ende des Jahres definitiv Schluss ist. Und so endet nicht nur die 30-jährige Ära der Sekos, sondern auch die 132-jährige Historie des Hauses.

Im Jahre 1887 hatte Wilhelm Overkamp genannt Bitter mit dem Bau begonnen, und zunächst war von Gastronomie noch keine Rede. Es entstand ein reines Wohnhaus, damals noch in Röllinghausen, das wiederum zu Suderwich gehörte – und eben nicht zur Stadt Recklinghausen. Allerdings kam es bereits 1890 zum Sinneswandel beim Bauherrn, der dort in den nächsten zwei Jahren eine Gastwirtschaft inklusive eines Saals errichten ließ.

Dass diese Einzelheiten heute überhaupt noch bekannt sind, ist vor allem dem langjährigen Vize-Bürgermeister Jochen Weber zu verdanken, der sich zu Beginn des Jahrtausends die Mühe gemacht hat, alte Bauakten zu durchwühlen: „Das hat sich über mehrere Wochen hingezogen“, erklärt Weber.

Sechs Spucknäpfe für den Festsaal

Und so wissen wir auch, dass Wilhelm Overkamp genannt Bitter seine Gaststätte in den Folgejahren kontinuierlich ausbauen ließ: mit mehreren Fremdenzimmern, mit einem Billardzimmer, mit Stallungen und schließlich mit einer offenen Kegelbahn samt Kegelhaus. Jochen Weber erinnert sich an einen Aktenvermerk, nach dem im Saal unbedingt die erforderlichen sechs Spucknäpfe anzubringen wären – für die Freunde des Kautabaks.

Zwischendrin kam es zur Umbenennung von Gaststätte Bitter in Gaststätte Glück Auf – und auch zu Besitzerwechseln. 1911 wurde die Immobilie zwangsversteigert, neuer Eigentümer wurde die Gewerkschaft König Ludwig. Die Pächter wechselten in den kommenden Jahrzehnten immer mal wieder, und in den ersten beiden Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wohnten dort britische Soldaten. Wiedereröffnet wurde die Gastronomie 1947 als Haus Hartmann, und in der Folgezeit machte man dort nicht zuletzt auch in der Mittagszeit gute Geschäfte, weil die Verwaltung der Zeche König Ludwig das Haus als Kantine nutzte. Und auch das damals auf dem Grundstück vorhandene Badehaus hat vermutlich etwas zum Umsatz beigetragen.

Mit der heute noch aktuellen Namensgebung hatte das Bergwerk, das dort 1965 die Kohleförderung einstellte, aber direkt nichts zu tun: Erst als die Stadt 1970 das Gebäude erwarb und gründlich renovierte, kam es zur Umbenennung der Gastronomie in Haus König Ludwig.

Kegelstadtmeisterschaften wird es nicht mehr geben

Im Jahre 1991 wurden Muniba und Alija Seko Unterpächter von „Brau und Brunnen“ aus Dortmund, 2001 ging das Haus dann in den Familienbesitz über. Erinnern werden sich viele an das Haus König Ludwig, weil sie dort Hochzeiten, Geburten und vermutlich etliche runde Geburtstage gefeiert haben. Bedauern werden auch viele Oldie-Freunde den Abschied von dem Traditionshaus, weil sie es dort lange im Saal haben krachen lassen.

Nicht zuletzt werden aber auch einige Kegelfreunde das Haus König Ludwig vermissen, in dem seit 1958 die Recklinghäuser Stadtmeisterschaften stattgefunden haben. Für diese wird allerdings keine neue Örtlichkeit gesucht: Die Titelkämpfe, die zuletzt vom städtischen Mitarbeiter Jürgen Kühn organisiert wurden, werden wie Kühn selbst in die Rente entlassen.

Wenn Big Wheel (im Bild) oder andere Bands im Haus König Ludwig rockten, dann war der Saal zumeist ausverkauft. © Nickel © Nickel

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