Trauungen im Trainingsbergwerk

Das Jawort ist jetzt auch „unter Tage“ möglich

Glück auf! Mit diesem bergmännischen Gruß werden ab Herbst Brautpaare begrüßt. Jene nämlich, die in Recklinghausens neuem südlichsten Trauort heiraten: dem Trainingsbergwerk in Hochlarmark.
Stellten den neuen Trauort vor: Jörg Knorn und Bernd Stock vom Trainingsbergwerk e.V. im festlich geschmückten ehemaligen Pausenraum der Bergbau-Azubis. © Oliver Kleine

In den Zeiten, in denen unter Recklinghausen Steinkohle abgebaut wurde, die Tausenden Bergleuten im Vest Arbeit gab, da bevölkerten täglich 250 Auszubildende das Trainingsbergwerk in Hochlarmark. Jetzt liegt eine museale Stille über dem Gelände an der Wanner Straße. Der Verein, der das Stück Stadtgeschichte für die Nachwelt erhält, bietet Führungen an. Unter anderem in dem originalen Trainingsstollen, in dem alles an Technik und Maschinen versammelt ist, was man für die Arbeit unter Tage braucht. Hier bekommt man das Gefühl, 1000 Meter unter der Erdoberfläche zu sein.

Ein Gefühl, 1000 Meter unter der Erdoberfläche zu sein, vermittelt der mehr als einen Kilometer lange Stollen des Trainingsberkwerks. © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Mit einem ähnlichen Gefühl können sich ab September Brautpaare im Trainingsbergwerk das Jawort geben. Neben dem Rathaus, der Engelsburg, dem Festspielhaus und dem Fördermaschinenhaus der Zeche Hochlarmark II ist dies der fünfte Trauort in Recklinghausen, der zweite in Hochlarmark. Der Verein hat dafür den ehemaligen Pausenraum der Auszubildenden stilecht dekoriert. An den Wänden hängen Werkzeuge, die früher einmal Kumpel in den Händen hielten, an der Decke Bergbau-Lampen, auf dem Trautisch stehen Kohlebrocken, historische Grubenlampen und die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute. Bis zu 40 Hochzeitsgäste finden hier Platz.

Stilecht: Kohlebrocken, die heilige Barbara und Grubenlampen sorgen für Bergbau-Atmosphäre. © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Zur Vorstellung des Trauortes für die Öffentlichkeit haben sich die ehemaligen Bergleute in ihre traditionelle Bergmannsuniform geschmissen. Der Bürgermeister erscheint in seiner Dienstkleidung, dem Anzug in gedeckten Farben. „Wir haben uns in Deutschland vom Bergbau verabschiedet. Leider, das habe ich immer wieder betont“, erklärt Christoph Tesche bei seiner Eröffnungsansprache. Eine Stadt sei gut beraten, nicht zu vergessen, woher sie komme. „Die Bergbautradition ist tief in unserer Stadtgesellschaft verwurzelt. Sie charakterisiert einen wesentlichen Teil unserer Heimatgeschichte. Dass sich unsere Brautpaare in Zukunft an einem so geschichtsträchtigen Ort vermählen können, freut mich deshalb außerordentlich.“

Hier geht es hinein in den neuen Trauort. © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Die Atmosphäre des neuen Trauortes macht die Hochzeit einmal mehr zum Erlebnis. „Die Frischvermählten erfahren, wie früher unter Tage ‚malocht‘ wurde, und besiegeln ihren neuen Lebensabschnitt mit dem Bergbau-Charme“, erklärt Standesamtsleiter Martin Groll. Im Herbst wird Groll das erste Brautpaar im Trainingsbergwerk trauen. Der Bräutigam lernte dort einst selbst das Handwerk des Bergmechanikers. Er gab auch den letzten Anstoß, diesen Ort zukünftig in die Reihe der Trauorte aufzunehmen.

„Die Idee hatten wir aber schon von Anfang an“, sagt Uwe Seeger, der Vorsitzende des Vereins Trainingsbergwerk e.V. Im Februar 2018 hat sich der Verein gegründet. Ehemalige Bergleute, Freunde und Bergbaubegeisterte haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Trainingsbergwerk Recklinghausen auch nach Beendigung des deutschen Steinkohlebergbaus zu erhalten und für Gäste offenzuhalten. Der Verein bietet Erkundungstouren und Erlebnis-Events an.

Jede Menge technisches Gerät, das zu Zeiten des Steinkohle-Bergbaus unter Tage eingesetzt wurde, ist auf dem Gelände an der Wanner Straße zu sehen. © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Der Verein berechnet ein Zusatzentgelt in Höhe von 300 Euro für dieses besondere Arrangement. Nach dem Jawort besteht außerdem die Möglichkeit, mit den Gästen auf das frische Glück anzustoßen. Die Kosten werden je nach Aufwand und Vereinbarung veranschlagt. Ab Anfang September sind die Eheschließungen von montags bis mittwochs jeweils um 14 Uhr möglich – individuelle Termine nur nach Absprache und Verfügbarkeit. Anmeldungen im Standesamt, Tel. 02361/501780.

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