Meinung

Der Bürgermeister als Zahnarzt?

Es wird Zeit, dass die Stadtverwaltung ihr bislang gut abgeschottetes „schönstes Rathaus in NRW“ wieder mehr für die normalen Bürger mit ihren normalen Anliegen öffnet, meint unser Kommentator.
Kommentator Joachim Schmidt auf dem Balkon der Redaktion. Im Hintergrund: das Recklinghäuser Rathaus, in dem es bislang kaum Corona-Lockerungen zu verzeichnen gibt. © Ralf Wiethaup

Wer etwas von der Stadtverwaltung will, sei es ein Ausweis oder eine Geburtsurkunde, muss sich ein wenig wie beim Zahnarzt vorkommen: Ohne Termin läuft da nichts. Und Termine gibt‘s nicht für morgen oder übermorgen, sondern eher im nächsten oder übernächsten Monat.

Das war nachvollziehbar, während die Corona-Pandemie die Stadt fest im Griff hatte. Doch inzwischen ist fast jeder zweite Recklinghäuser geimpft, jeder vierte doppelt. Und weniger als 0,1 Prozent der Recklinghäuser gelten noch als infektiös.

Es wird also Zeit für Lockerungen im Sinne der Bürger. Das soll bitte nicht heißen, dass man alle Vorsichtsmaßnahmen von einem Tag auf den anderen über Bord wirft. Denn Menschenschlangen im Bürgeramt oder in der Ausländerbehörde bergen immer noch eine Ansteckungsgefahr. Aber etwas mehr Öffnung, vor allem eine verbesserte, zeitnahe Terminvergabe für alle Bürgeranliegen, wäre jetzt nötig und auch machbar.

Denn so wie jeder gute Zahnarzt Schmerz-Patienten auch ohne Vorab-Termin eine Behandlung ermöglicht, muss auch die Stadt für ihre Bürger da sein, die Anträge stellen oder Urkunden wollen.

Der Bürgermeister als Zahnarzt? Zugegeben, der Vergleich hinkt ein wenig. Denn im Grunde muss der Bürgermeister viel kundenfreundlicher sein als der Mediziner. Den Arzt kann man als Patient nämlich wechseln, wenn der Service nicht stimmt – die Stadt nicht.

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