Bedrohlicher Schwund

Der Gastronomie fehlt das Personal

3G oder 2G? Daran scheiden sich in der Gastronomie die Geister. In Recklinghausen überwiegt das Modell, das auch Getesteten den Zutritt zu Bars und Restaurants erlaubt. Ein Problem bleibt.
Vorbereitungen auf den Herbst: Auf dem Altstadtmarkt und anderswo sollen Pavillons Gäste auch in der kühleren Jahreszeit anlocken. © Oliver Kleine

Kurz vor dem Start von „Recklinghausen leuchtet“ am 22. Oktober möchte Uwe Suberg sein neues Lokal „Noah‘s Place“ im Palais Vest eröffnen. Ob das klappt, steht derzeit in den Sternen. Das Problem seien die Mitarbeiter. Derzeit gebe es auf dem Markt einfach zu wenige von ihnen. „Mit Aushilfen brauche ich 45 bis 50 Mitarbeiter“, sagt der Gastronom. Derzeit habe er allerdings erst zehn.

Baulich sei das Projekt kein Problem. Er liege voll im Zeitplan, sagt Uwe Suberg. In drei Wochen sei alles fertig und er könne eröffnen, wenn denn genug Leute da seien.

Der chronische Personalmangel in der gesamten Branche ist eine Folge der Coronakrise. Viele Beschäftigte haben im Lockdown auf Jobs in anderen Branchen umgesattelt. Dabei hätten Wirte und Restaurantbetreiber gerade im Sommer zusätzliche Kräfte gebrauchen können. „Der Sommer war sehr schön“, sagt Suberg, der auch Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in Recklinghausen ist. „Wer eine Außenfläche hat, hatte viel zu tun.“ Dennoch sei der Stand von vor der Coronakrise noch lange nicht erreicht. Uwe Suberg: „Insgesamt hat die Branche bis zu einem Drittel weniger Gäste.“ Und die Aussichten für den Herbst seien eher trüb. Denn gerade in der Innengastronomie seien die Rahmenbedingungen schwierig: „Manche Leute sind noch vorsichtig, andere wollen sich nicht testen lassen.“ Gerade wenn die Tests kostenpflichtig werden, glaubt Uwe Suberg, werde die Zahl der Gäste noch einmal zurückgehen. „Dann sind wir praktisch bei einem 2G-Modell.“

Als Unternehmer sei er für das 3G-Modell, sagt Suberg. „Sonst hätte ein Drittel der Bevölkerung bei mir keinen Zutritt.“ Laut einer DEHOGA-Umfrage bevorzugen zwei von drei Gastronomen in NRW das 3G-Modell.

2G fürs Livekonzert im Pub

Ralf Teubner, Inhaber von „Murphy‘s Pub & Grill“ am Lampengässchen, lässt ebenfalls Genesene, Geimpfte und Getestete in sein Lokal. Ab November werde er aber zumindest tageweise auf 2G umsteigen und dann nur noch Geimpften und Genesenen den Zutritt erlauben. Denn ab November soll es nach dann anderthalbjähriger Pause wieder Live-Musik im Pub geben. Das kurze Intermezzo mit einem Musiker hinter einer Kunststoff-Scheibe habe sich nicht bewährt.

Ein Konzert unter 3G-Bedingungen mit Mindestabständen mache wegen der geringeren Platzkapazität ebenfalls keinen Sinn. Ralf Teubner: „Von den Einnahmen kann ich bei 60 oder 70 Besuchern keine Band der Welt bezahlen.“ Insgesamt sei er derzeit bei einer Auslastung von etwa 70 Prozent im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie. Die Gäste, die kommen, seien dabei vernünftig und diszipliniert. Auch wenn Raucher ihren Coronatest nach jedem Glimmstängel beim Betreten des Pubs erneut vorzeigen müssen.

Auch im Haus Breuing an der Marler Straße bleibt es vorerst beim 3G-Modell. Inhaber Petar Sesjak hat allerdings beobachtet: „Die allermeisten Gäste, die zu uns kommen, sind ohnehin geimpft.“ Dennoch gebe es Leute, die sich nicht nur nicht impfen lassen wollen, sondern auch solche, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen. „Mit einer 2G-Regel würde ich den falschen Leuten vor den Kopf stoßen“, findet Sesjak. In seinem Restaurant ließen sich die Abstände ohnehin gut einhalten. „Bei uns sitzen die Leute nicht Stuhlrücken an Stuhlrücken.“

Auf dem Altstadtmarkt und bald auch im Biergarten von „Suberg‘s bei Boente“ sind indes die Vorbereitungen auf den Herbst zu beobachten. Pavillons und Überdachungen sollen mehr Gäste in der kühleren Jahreszeit locken. Dabei wärmt Uwe Suberg vor allem ein Gedanke: „Wir rechnen nicht mit einem weiteren Shutdown.“

Der Abend in Recklinghausen

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