25 Jahre Weltladen

Der Kampf für faire Produkte und die Würde der Menschen geht weiter

Ein kleines Stück vom Glück. Für die Ehrenamtlichen ist der Weltladen genau das. Sie haben nicht nur Freude am Verkauf, sondern helfen den Armen der Gesellschaft. Und das seit 25 Jahren.
Sie lieben ihr Ehrenamt: Im Weltladen des Gasthauses, der sein 25-jähriges Bestehen feiert, engagieren sich auch (v.l.) Elisabeth Mroz, Margrit Halbach und Elisabeth Bischoff. © Meike Holz

Zufrieden schauen sich Elisabeth Bischoff, Elisabeth Mroz und Margrit Halbach in dem hellen Ladenlokal des Gasthauses um. Die farbenfrohen Bastkörbe stehen oben auf dem Regal ordentlich in einer Reihe. In der Vitrine glänzt der bunte Perlen-Schmuck. Dort hängen leichte Schals, da locken Kaffee und Schokolade. Zwischen Traumfängern und Blechspielzeug fühlen sich die Frauen wohl. Denn: „Das alles ist fair gehandelte Ware“, betont Elisabeth Bischoff und nickt bekräftigend.

Arbeiter bekommen einen gerechten Lohn für ihre Produkte

Sie und all die anderen vom rund 40-köpfigen Team wissen: Die Menschen, die diese schönen Dinge herstellen, bekommen einen gerechten Lohn und arbeiten unter würdigen Bedingungen. „Sie werden nicht ausgebeutet“, erzählt Elisabeth Mroz. Auch ihr bedeutet das viel.

Und nicht nur das. Margrit Halbach zeigt hinüber zur Secondhand-Abteilung. „Es ist wichtig, dass diese Sachen im Land bleiben und hier verkauft werden“, sagt sie und spricht über Textilexporteure, die die Märkte in Afrika mit einer Altkleider-Flut überschwemmen und somit zerstören. „Welch ein Wahnsinn.“

Aber zurück nach Recklinghausen an die Steinstraße 1. Denn am Samstag, 19. Juni, feiert der Weltladen von 10 bis 14 Uhr sein Jubiläum mit einem Flohmarkt, Live-Musik, Kaffee und guten Gesprächen. „Das ist die Gelegenheit, unsere Arbeit kennenzulernen, denn es gibt viele Menschen, die wissen gar nicht, was hier geschieht“, berichtet Schwester Judith Kohorst, Ansprechpartnerin des Gasthauses für das Weltladen-Team, „das merken wir immer wieder, wenn Kunden plötzlich zufällig im Geschäft stehen und völlig überrascht sind.“

Ansprechpartnerin: Schwester Judith Kohorst aus dem Gasthaus steht den Ehrenamtlichen des Weltladens jederzeit zur Seite. © Meike Holz © Meike Holz

Aber wie fing eigentlich alles an? Ein Blick zurück: Bereits Ende der 70er-Jahre boten engagierte Bürgerinnen und Bürger fair gehandelte Produkte aus der sogenannten Dritten Welt an, und zwar 14-tägig samstags an einem Stand auf dem Altstadtmarkt. Erst viele Jahre später wurde ihr Traum vom eigenen Laden wahr. Am 15. November 1996 öffnete er im ehemaligen Kreissparkassen-Pavillon am Herzogswall. Der Vorteil: Die Ehrenamtlichen mit Ingeborg Roel an der Spitze hatten auch gebrauchte, aber gut erhaltene Kleidung im Angebot. Denn vom Verkauf der GEPA-Produkte (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt) allein konnten sie weder Miete noch Nebenkosten bezahlen, geschweige denn Menschen in den Entwicklungsländern unterstützen. Dieses zweite Standbein sicherte dem Lädchen fortan die Existenz.

Vor dem Abriss des Pavillons ging es an die Steinstraße

Die großen Schaufenster, Leute, die von der Bushaltestelle kamen, zur Bank gingen oder an der Ampel warteten, ebenso die treuen Stammkunden: „Das alles sorgte für ein gutes Geschäft“, erinnert sich Elisabeth Bischoff, eine Frau der ersten Stunde, die immer noch begeistert dabei ist. Darum war das Team entsetzt, als es von dem geplanten Abriss des Pavillons erfuhr. Nun mussten die Ehrenamtlichen erneut auf die Suche gehen. Fündig wurden sie an der Steinstraße 1. Und so zogen sie kurzerhand die Ständer mit der Kleidung durch die Krim hoch zum neuen Weltladen. Der eröffnete am 1. Juli 2000.

Und die Menschen kommen nicht nur wegen der entspannten Atmosphäre und der schönen Dinge vorbei. Die meisten interessieren sich für die Idee, die hinter alldem steckt. Und sie fragen: „Ist dies das Geschäft, in dem man Gutes tut?“ Genau das ist es. Denn Menschen in der Dominikanischen Republik oder in Namibia, in Nordkorea oder in Indien profitieren von dem kleinen, aber feinen Erlös. Und so soll es auch weiterhin bleiben.

INFO: 25 Jahre Weltpartnerschafts-Arbeit: Feier am Samstag, 19. Juni, 10 bis 14 Uhr, mit Flohmarkt, Live-Musik, Kaffee-Ausschank, Steinstraße 1. Öffnungszeiten Weltladen: Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr, Samstag, 10 bis 14 Uhr.

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