Marie-Curie-Gymnasium

Der oberste Wetterfrosch steigt jetzt aufs Surfbrett

Zum Ende des Schuljahres konnten sie dann doch noch einmal zusammenkommen: die „Wetterfrösche“ des Marie-Curie-Gymnasiums (MCG). Für Lehrer Ulrich Möser war es gleichzeitig ein Abschied.
Sie mögen auch Regen: die „Wetterfrösche“ des Marie-Curie-Gymnasiums um (hinten v.l.) Morice Vartmann, Angelika Winkelmann, Anja Schmidt-Präfke, Ulrich Möser, Sarah Kostka, Schulleiter Christian Passerah und (vorne v.l.) Jamie-Arne Wendler und Florian Wigger. © Kathrin Grochowski

Nach 40 Jahren an der Görresstraße ist der Physik-, Technik- und Sportlehrer Ulrich Möser in den Ruhestand gegangen. Er war es, der 2008 die schuleigene Wetterstation eigenhändig installiert und kalibriert sowie die „Wetterfrosch“-AG gegründet hat, die seither regelmäßig den meteorologischen Monatsrückblick in der RZ liefert.

Auch wenn sich der 64-Jährige jetzt anderen Dingen widmet („Ich wollte immer schon mal vor Tarifa surfen und mit dem Motorrad durch die weißen Dörfer Andalusiens fahren.“), bleibt Möser den „Wetterfröschen“ verbunden. „Ich fänd’s traurig, wenn das, was wir aufgebaut haben, verloren ginge.“

Schließlich haben die Erkenntnisse, die die Nachwuchs-Meteorologen in den vergangenen Jahren gewonnen haben, nicht nur Einfluss auf den Geografie- und Physik-Unterricht gehabt und so den Schülern die Klimaveränderungen vor Augen geführt. „Auch Mitarbeiter der Stadtentwässerung haben sich für die Daten interessiert, längst fließen unsere Messwerte in den statistischen Jahresbericht der Stadt ein“, berichtet Möser. Dass die „Wetterfrösche“ mit dem Agenda-Preis bedacht wurden, erfüllt ihn mit Stolz.

Am Anfang gab es auch Kritik und böse Briefe

Dabei habe es vor allem in den Anfängen der Wetter-Nachlese in der RZ auch böse Briefe und Mails gegeben, erzählt Möser. Bürger hätten die Werte angezweifelt, es gab Vorwürfe, dass die „Wetterfrösche“ den Klimawandel nur herbeiredeten.

„Aber unsere Station misst genau“, betont Möser, der die Daten aus dem Nordviertel stets mit denen seiner eigenen Messanlage im Garten verglichen hat. „Wir haben keine Normstation wie der Deutsche Wetterdienst und messen nicht auf freiem Feld, sondern inmitten der Bebauung.“ Doch dadurch seien die Ergebnisse sogar näher am Empfinden der Menschen, die in heißen Sommern in Dachgeschosswohnungen schwitzen.

Keine Frage: Ulrich Möser hat viel Herzblut in das „Wetterfrosch“-Projekt gesteckt und den Schülern Kenntnisse über Temperaturen, Luftdruck und Windphänomene vermittelt. Bei technischen Problemen, das hat er seinen Nachfolgerinnen Angelika Winkelmann und Anja Schmidt-Präfke versichert, will der Hertener auch künftig seiner alten Schule aufs Dach steigen.

Jüngere Schüler für das Wetter begeistern

Die monatlichen Auswertungen jedoch übernehmen nun die Kolleginnen. Während sich Anja Schmidt-Präfke um Daten und Funktionsweise der Station kümmert, betreut Angelika Winkelmann die Schüler bei der Analyse und Berichterstattung.

Viel Überredungskunst bedurfte es nicht, um die 50-Jährige, die seit 2005 am MCG Englisch und Latein unterrichtet, dafür zu gewinnen. „Ich mag es, mit Schülern an lebensweltlichen Themen zu arbeiten“, sagt die Pädagogin, die zudem die Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ leitet. Sie hofft, künftig noch mehr Jüngere begeistern zu können, vertraut aber gleichzeitig auf das Wissen der „Alt-Frösche“ Jamie-Arne Wendler, Morice Vartmann, Florian Wigger und Sarah Kostka. „Das sind inzwischen echte Profis.“

Obwohl deren Stundenpläne bald voller werden, wollen die Jugendlichen der AG die Treue halten. „Wenn man sich die Evolution der Wettermessung anschaut, muss man sagen: Unsere Station kann was!“, sagt Florian Wigger. Und falls es einmal haken sollte, gibt es ja immer noch Ulrich Möser. Sein Versprechen zum Abschied: „Ich komme auch wegen eines defekten Propellers oder einer kaputten Batterie.“

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